Wasserkrise am Mittelmeer Abwasser verpestet Küste am Gazastreifen

Die Kläranlagen des Gazastreifens sind marode, Abwasser fließt ungeklärt ins Mittelmeer, auf vielen Kilometern ist die einst malerische Küste inzwischen biologisch tot. Hilfsprojekte kommen nur mühsam voran.
Täglich ergießen sich Millionen Liter Abwasser aus dem Gazastreifen ungefiltert ins Mittelmeer. Quelle: AP
Wasserkrise im Gazastreifen

Täglich ergießen sich Millionen Liter Abwasser aus dem Gazastreifen ungefiltert ins Mittelmeer.

(Foto: AP)

Flüchtlingslager SchatiAn den Stränden des Gazastreifens ergießen sich täglich Millionen Liter Abwasser ins Mittelmeer. Auf vielen Kilometern ist die einst malerische Küste inzwischen biologisch tot. Fäkalien und Schmutzwasser verpesten die Grundwasserressourcen, dezimieren die Fischereizonen und bedrohen inzwischen auch die israelische Küste.

Umweltschützer und Hilfsorganisationen fordern Abhilfe, doch dafür müsste Israel die Einfuhrbeschränkungen von Baumaterial lockern und mehr Strom nach Gaza liefern. Die Lieferungen, so befürchtet Israel, könnte die im Gazastreifen herrschende, radikalislamische Hamas aber für militärische Zwecke nutzen.

Gefängnis, vielleicht mit Meerblick
Gefangen
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Das größte Gefängnis der Welt: Der Gazastreifen ist nur wenig größer als das Stadtgebiet München und genauso dicht besiedelt. Im Westen grenzt er ans Mittelmeer, im Süden an Ägypten, im Norden und im Osten an Israel. Heute dürfen nur noch die wenigsten ausreisen.

Theodor Herzl - Ben-Gurion bei Staatsgründung
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Gründung des Staates Israel: Am 14. Mai 1948 endete das britische Mandat über Palästina. Am selben Tag verkündete der erste israelische Premierminister David Ben-Gurion in Tel Aviv die Gründung des Staates Israel auf diesem Gebiet. Die Uno-Vollversammlung hatte 1947 einer Teilung Palästinas zugestimmt. Palästina und die arabischen Staaten erkannten den Teilungsplan jedoch nicht an.

Flüchtlinge
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Palästinensische Flüchtlinge in Khan Younis, Gazastreifen: Einen Tag nach der Staatsgründung Israels erklärten die arabischen Staaten Israel den Krieg. Während des ersten Nahostkrieges flüchteten rund 750.000 Palästinenser in die verbliebenen palästinensischen Autonomiegebiete Gazastreifen und Westjordanland oder die umliegenden arabischen Staaten.

Teilungspläne der UN
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Einstige „Green Line“: Im Januar 1949 siegte Israel im ersten Nahostkrieg und konnte die ihm im UN-Teilungsplan zugesprochenen Gebiete sogar noch vergrößern. Der Gazastreifen fiel unter ägyptische Kontrolle, das Westjordanland wurde von Transjordanien besetzt. Heute verläuft die mit Zäunen, Gräben und Mauern gesicherte Grenze zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten größtenteils entlang der sogenannten „Green Line“, der Waffenstillstandslinie von 1949.

Sechs-Tage-Krieg 1967
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Sechs-Tage-Krieg 1967: Im bereits dritten Nahost-Krieg erobern israelische Soldaten die Altstadt von Jerusalem. Israel brachte nicht nur Ost-Jerusalem, sondern auch das Westjordanland und den Gazastreifen unter seine Kontrolle.

Jassir Arafat
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Jassir Arafat: Er war ab 1969 bis zu seinem Tod am 11. November 2004 der Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Die PLO wurde im Mai 1964 auf Initiative des damaligen ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser gegründet, um eine Vertretung des arabischen Volkes in den palästinensischen Autonomiegebieten zu schaffen. Sie ist eine Dachorganisation verschiedener Fraktionen, die weitaus stärkste ist die Fatah.

Seit Arafats Tod ist Mahmud Abbas neuer Vorsitzender der Organisation. Er ist außerdem Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde

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Erste Intifada: Der erste Aufstand der Palästinenser gegen die Besatzung Israels begann im Dezember 1987 und endete mit dem Oslo-Abkommen von 1993. In der ersten Intifada entstand die „Islamische Widerstandsbewegung“, die Hamas, als national-religiöse Konkurrenz zur Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO. Im Gegensatz zum Grundsatz der PLO, die nationale Selbstbestimmung der Palästinenser durchzusetzen, propagierte die Hamas einen islamischen Staat im ehemaligen Palästina.

Nasser Abu Saif wohnt in einem Apartment in Strandnähe im Flüchtlingslager Schati. Früher lebte er gerne am Meer, heute meidet er das stinkende Wasser: „Es gibt Stechmücken im Sommer und sogar im Winter“, erzählt er. „Es macht unser Leben unangenehm.“

Ahmed Jakubi von der Palästinensischen Wasserbehörde bestätigt: „Die Strände des Gazastreifens sind vollkommen verschmutzt und zum Schwimmen und Spielen nicht geeignet, vor allem nicht im Sommer.“

Chronische Stromknappheit lähmt die Anlagen

Die Wasserwirtschaft im Gazastreifen liegt seit Jahren im Argen. Der Ausbau konnte mit der schnell wachsenden Bevölkerung nicht mithalten, viele Anlagen wurden in den Kriegen mit Israel beschädigt. Außerdem herrscht chronische Stromknappheit, was den Betrieb der noch funktionierenden Kläranlagen lähmt.

Seit die Hamas 2007 die Macht übernahm, kontrollieren Israel und Ägypten die Grenzen, was die Probleme für die 1,8 Millionen Einwohner der Enklave weiter verschärft. Hinzu kommen Misswirtschaft und interne Machtkämpfe bei den Palästinensern.

Internationale Hilfsprojekte kommen nur mühsam voran. So unterstützte die deutsche Förderbank KfW nach Angaben ihres Direktors im Westjordanland den Wiederaufbau einer Kläranlage im Gazastreifen mit umgerechnet 17,4 Millionen Euro. Wegen Stromknappheit laufe die Anlage jedoch nur halbtags, sagt Jonas Blume.

Im August soll nun mit dem Bau einer weiteren Anlage für eine Million Menschen im Zentrum des Gazastreifens begonnen werden. Doch israelische Sicherheitsauflagen verzögerten die Arbeiten: „Am Ende können wir das meiste Material einführen, aber es ist ein Kampf, es braucht Zeit, und es führt zu Verzögerungen, die zusätzliche Kosten verursachen“, klagt Blume.

Auch das Trinkwasser ist verunreinigt
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