Wetterphänomen Blutregen war keine biblische Plage

Im Herbst 2014 staunten die Bewohner der spanischen Provinz Zamora über blutrotes Wasser, das nach Regenfällen aus Brunnen und Leitungen strömte. Kein göttliches Strafgericht, sondern ein seltenes Naturphänomen.
Normalerweise sind diese Algen grün, doch unter für sie ungünstigen Lebensbedingungen produzieren sie das rote Karotinoid Astaxanthin. (Foto: Wikipedia/Frank Fox - mikro-foto.de/CC BY-SA 3.0 DE)
Blutregenalge Haematococcus pluvialis

Normalerweise sind diese Algen grün, doch unter für sie ungünstigen Lebensbedingungen produzieren sie das rote Karotinoid Astaxanthin.

(Foto: Wikipedia/Frank Fox - mikro-foto.de/CC BY-SA 3.0 DE)

HeidelbergBlutregen ist ein seltenes, aber ungefährliches Wetterphänomen: Meist ist Saharastaub beteiligt, der zum Teil weite Reisen durch die Atmosphäre unternimmt, bis er schließlich von Regentropfen zum Erdboden zurücktransportiert wird. Dort hinterlässt der Staub dann rotbraune Schlieren, die gerade auf hellen Flächen gut auffallen.

Derartige Partikel schieden als Ursache jedoch aus, als im Herbst 2014 nach einem Regenguss plötzlich Brunnen und Leitungen in der spanischen Provinz Zamora tiefrotes Wasser lieferten. Die Ursache hierfür war jedoch keine biblische Plage, wie manche Gläubige befürchtet hatten – und auch keine in der Umwelt versprühte Chemikalie.

Wo sich echte Wetterextreme austoben
Immer nur Sonne in Yuma, Arizona
1 von 10

"It never rains in…" – Yuma, Arizona: Der sonnigste Platz der Erde befindet sich nicht in Südkalifornien, sondern in diesem Flecken Erde am südwestlichen Rand Arizonas – zumindest hat man noch an keinem anderen Ort mehr Sonnenschein gemessen als hier. An durchschnittlich 4015 Stunden pro Jahr strahlt die Sonne hier ungestört vom Himmel, jeden Tag im Mittel elf Stunden lang. In manchen Jahren regnet es in Yuma weniger als fünf Millimeter pro Quadratmeter, die sommerliche Durchschnittstemperatur liegt bei über 40 Grad Celsius.

Mount Washington, der Ort des extremsten Wetters
2 von 10

Wer als Meteorologe Rekorde sucht, ist auf dem Mount Washington im US-Bundesstaat New Hampshire genau an der richtigen Stelle. Obwohl der Berg nur knapp 1917 Meter hoch ist und auf dem gleichen Breitengrad wie beispielsweise die italienische Hafenstadt Genua liegt, suchen ihn extreme Wetterlagen heim. An 110 Tagen im Jahr übersteigen die Windgeschwindigkeiten Hurrikanstärke. Mit den Tiefs prasseln auch ergiebige Niederschläge herab. Im Winter 1968/69 fielen 14 Meter Schnee auf dem Berg, dazu regnet es im Jahresschnitt mehr als 2500 Liter auf den Quadratmeter. Im Winter fallen die Temperaturen häufig unter minus 40 Grad Celsius.

Commonwealth Bay - windigster Ort der Erde
3 von 10

Prinzipiell ist die Antarktis kein gemütlicher Ort, doch die Commonwealth Bay im Osten des Kontinents setzt noch eins drauf: Sie ist der wohl windigste Ort der Welt, an dem über das gesamte Jahr hinweg eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde gemessen wird. Häufig treten aber auch Stürme mit Windgeschwindigkeiten von 240 Kilometern pro Stunde auf. Ein Wetter, bei dem sich nur Pinguine wohlfühlen.

Die Blitze von Catatumbo
4 von 10

Mindestens 260 Nächte im Jahr blitzt es nahe der Mündung des Río Catatumbo in den Maracaibo-See in Venezuela – und das praktisch immer an der gleichen Stelle. Die Blitzlichtgewitter entstehen, weil ausdauernd feuchtwarme Luftmassen über den See und die angrenzenden Ebenen streifen, bevor sie auf die Andenausläufer der Cordillera de Mérida treffen. Das Gebirge umschließt die Sümpfe auf drei Seiten und zwingt die Luft zum Aufstieg. Dabei bilden sich vor allem nachts Gewitterwolken, die sich stetig entladen. Bis zu zehn Stunden kann ein solches Gewitter dauern.

Grau in grau in der Neufundlandsee
5 von 10

Wie Sie sehen – sehen Sie fast nichts. Und das ist Normalzustand an den Great Banks vor der Küste Neufundlands im nordwestlichen Atlantik: An mindestens 200 Tagen im Jahr wabert hier Nebel über das Wasser, was den Ort zu einem der düstersten der Erde macht. Schuld daran ist das Aufeinandertreffen des kalten Labradorstroms aus dem Norden und des warmen Golfstroms aus dem Süden.

Hagelschlag in den Nandi Hills
6 von 10

Die Kericho-Nandi-Hills in Kenia haben den Ruf des hagelreichsten Orts der Erde hier hagelt es nahezu täglich. In der Hitze des Nachmittags steigt hier feuchte Luft vom Viktoriasee über den Bergen auf, sodass sich große Gewittertürme ausbilden. Darin herrscht enormer Auftrieb, der die Feuchtigkeit weiter in kühle Atmosphärenschichten reißt, wo sie gefriert, bis sie schließlich als Hagel ausfällt.

Richtig schmerzhaft bis lebensgefährlich wird es aber vor allem im Norden Indiens und Bangladeschs, wo Meteorologen die meisten Stürme mit Extremhagel beobachten: Die Eisbrocken haben Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern, und in Bangladesch klaubte man am 14. April 1986 sogar Hagelkörner auf, die mehr als ein Kilogramm wogen – 92 Menschen starben in diesem Unwetter.

Extreme Trockenheit im McMurdo-Tal
7 von 10

Mitten in der Antarktis liegt der trockenste Ort der Welt: das McMurdo-Trockental. Hier hat es seit vielleicht Millionen von Jahren nicht mehr geschneit oder geregnet. Dazu herrschen Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius im Winter, im Sommer gibt es nur wenige Tage über dem Gefrierpunkt, und stetig peitschen orkanartige Fallwinde über die Landschaft. Deshalb sind die Täler auch nicht vom Eis überdeckt: Die Gebirge am Rand verhindern, dass Gletscher hierher vordringen, die trockenen Föhnwinde saugen jede Feuchtigkeit auf.

Stattdessen handelte es sich um völlig harmlose Mikroalgen der Art Haematococcus pluvialis, wie Analysen von Javier Fernández-Lozano von der Universität in Salamanca und seinem Team ergaben, die jetzt im „Journal der Spanish Royal Society of Natural History“ erschienen sind.

Normalerweise sind diese im Süßwasser lebenden Algen grün, doch unter für sie ungünstigen Bedingungen wie direkter Sonneneinstrahlung oder Nahrungsmangel produzieren sie das rote Karotinoid Astaxanthin. Es schützt sie vor schädlichen freien Sauerstoffradikalen, die bei starker UV-Strahlung entstehen und Verbindungen in ihrem Organismus oxidieren können.

Wahrscheinlich wurden die Algen aus trocken gefallenen Gewässerabschnitten oder durch Stürme ausgeweht und durch die Atmosphäre transportiert, bis sie in Zamora durch die Regenfälle wieder auf die Erde gelangten. Unter Stress produzieren die Algen dickere Zellwände, die sie vor dem eigenen Austrocknen bewahren, weshalb sie ungünstige Witterungsphasen längere Zeit problemlos überstehen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Ferntransport nach Spanien
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%