3D-Druck in Deutschland Die Zukunft aus dem Drucker

3D-Drucker gestalten heute schon den Alltag von Millionen Menschen. Vom Hörgerät bis zum Flugzeugtriebwerk, von der Gasturbine bis zum Zahnersatz  kommt die Technik zum Einsatz. Deutsche Unternehmen sind dabei führend.
Ein 3D-Drucker druckt ein rotes Hand-Modell. Deutsche Unternehmen sind führend beim Einsatz von 3D-Druckern. Quelle: dpa
3D-Drucker

Ein 3D-Drucker druckt ein rotes Hand-Modell. Deutsche Unternehmen sind führend beim Einsatz von 3D-Druckern.

(Foto: dpa)

MünchenMeist unbemerkt ist 3D-Druck heute schon im Alltag von Millionen Menschen angekommen. Hörgeräte und Zahnersatz stammen sehr oft aus 3D-Druckern; die Technik steckt in Siemens-Gasturbinen, MTU-Flugzeugtriebwerken – und sogar im Rolls-Royce: Seit Jahren werden Halterungen für Warnblinker, Parkbremse und Steckdose in der Luxuslimousine serienmäßig im 3D-Drucker gefertigt und zwischen edlem Wurzelholz und Ledersitzen verbaut.

Der Rolls-Royce-Mutterkonzern BMW hat inzwischen viele Werke mit den Maschinen ausgerüstet. Wenn in den USA oder China dringend ein Bauteil gebraucht wird, kommt es schneller und billiger aus dem Drucker. Vor allem bei komplexen Bauteilen in kleinen Stückzahlen lohnt sich der Einsatz: Es müssen keine Gussformen und Werkzeuge mehr hergestellt werden, und das mühsame und materialaufwendige Herausbohren und Wegfräsen aus einem großen Werkblock entfällt.

„Ein 3D-gedrucktes Auto wird es auch in 20 Jahren nicht geben“, sagt BMW-Bereichsleiter Udo Hänle von der Konzernforschung in München. Aber in einem Prototypen stammen gut 3000 Teile aus dem 3D-Drucker. Selten gebrauchte Ersatzteile für einen Oldtimer müssen nicht mehr im Lager vorrätig gehalten werden, sondern können bei Bedarf gedruckt werden. Und auch individuell mit Namenszug gestaltete Blinker für Minis kommen günstiger aus dem Drucker.

Kurioses aus dem Drucker
Glanz und Glitzer
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Wer New York City besucht und etwas Zeit hat, kann bei Michael McHale Designs in Brooklyn einen Kristalllüster in Auftrag geben. Nach 15 Stunden ist er fertig gedruckt. Umfang: rund 50 Zentimeter. Da er 899 Euro kostet, sollte man ein wenig Kleingeld dabei haben.

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Raus aus der Box
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In neuen Dimensionen denkt der niederländische Baukonzern Heijmans aus Amsterdam. Mit den 3D-Druck-Revoluzzern von MX3D und Joris Laarman Lab will er Hollands Kanäle und Grachten mit individuell gestalteten Brücken überspannen. Sie entstehen nicht wie üblich in abgekapselten Geräten, sondern Roboterarme stellen sie Schicht für Schicht her.  Die neue Produktionsmethode ermöglicht es, großflächige Strukturen in einem Stück zu produzieren.

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Wir haben den Größten
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Das behauptet das Berliner Start-up BigRep von sich – und meint sein Modell One.2 damit. Es bietet einen Kubikmeter Raum. Genug Platz zum Beispiel, um einen kunstvoll verzierten Tisch heranwachsen zu lassen. Laut Firmenchef René Gurka kommen die Hauptstädter „der Nachfrage kaum nach“. 95 Prozent ihrer Geräte exportieren sie ins Ausland.

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Hahn auf
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Als erster großer Badausrüster wagt sich American Standard mit der neuen Technologie auf den Markt. Gleich eine ganze Serie gedruckter Mischbatterien und Waschtisch-Armaturen wollen die Amerikaner auflegen. 24 Stunden dauert die Herstellung. In spätestens zehn Monaten sollen die Armaturen zu kaufen sein. Im Baumarkt werden sie kaum zu finden sein – bei Stückpreisen von knapp 11.000 bis nahe 20.000 Euro.

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Abgefahren
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Mit dem Strati hat Harvard-Absolvent und Local-Motors-Gründer John Rogers vergangenes Jahr das erste Auto vorgestellt, dessen Karosserie weitgehend aus dem Drucker stammt. Noch dieses Jahr will der Pionier in Maryland und Tennessee zwei Werke eröffnen, in denen die futuristischen Fahrzeuge in Serie gehen. Darunter auch dieser Sportwagen, den ein Fan namens Kevin Lo bei einem Modellwettbewerb entworfen hat. Mit angeblichen Kaufpreisen zwischen umgerechnet 15.000 und 25.000 Euro wären die schnittigen Elektroautos ein Schnäppchen.

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Individualisierung auf niedrigem Niveau
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Deutlich vorsichtiger geht der größte Autobauer der Welt, Toyota, das Thema an. Bei seinem Elektro-Konzeptfahrzeug i-Road, einem Einsitzer für den Stadtverkehr, sollen künftige Kunden ihr Gefährt immerhin mit einem gedruckten persönlichen Schmuckteil über dem Scheinwerfer markieren können. Motto: Hoppla, hier komm ich! Individualisierung auf niedrigem Niveau.

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Deutsche Unternehmen sind nach einer in dieser Woche vorgestellten Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young führend beim Einsatz von 3D-Druckern. Mit so gefertigten Produkten werde in Deutschland heute schon fast eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr erzielt, weltweit 10 Milliarden, sagte Berater Andreas Müller.

Ernst & Young befragte in Deutschland rund 200 Unternehmen aus Branchen, die grundsätzlich mit 3D-Druck arbeiten könnten. Davon nutzten 37 Prozent die neue Technik. In China und Südkorea waren es 24 Prozent der dort befragten Unternehmen, in den USA nur 16 Prozent.

Viele mittelständische Firmen seien allerdings skeptisch wegen der hohen Anschaffungskosten für 3D-Druckmaschinen und des notwendigen Know-hows, sagt Unternehmensberater Müller. Die Maschinen von der Größe eines Kleiderschranks kosten immerhin bis zu zwei Millionen Euro. Dass künftig jede größere Autowerkstatt damit ausgestattet wird, sei schwer vorstellbar – zu teuer, heißt es bei BMW.

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