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3D-Produktionstechnik Das Kino macht putzmunter

Herkömmliches 3D-Kino war gestern - der neue Trend heißt 4D Motionride. Noch ist das neue High-Tech-Kino, bei dem bewegliche Sitzbänke mit den Bewegungen auf der Leinwand synchronisiert sind, fast ausschließlich in Themenparks zu finden. Doch die neue Technik könnte bald auch für das normale Kino eine Option sein, um die kinofaul gewordene Kundschaft vom Sofa zu locken.
  • Roland Keller
3D-Kino war gestern - der neue Trend heißt 4D Foto: ap Quelle: ap

3D-Kino war gestern - der neue Trend heißt 4D Foto: ap

(Foto: ap)

MÜNCHEN. Sechseinhalb Minuten dauert der Höllentrip: Auf dem Snowboard geht es rasend schnell durch eine eisige Winterlandschaft, mit einer 3D-Polarisationsbrille auf der Nase. Bully Herbigs „Lissi und die wilde Kaiserfahrt“ zeigt, wie mitreißend Kino heute sein kann. Die Spezialeffekte haben die Leinwand verlassen – und greifen über auf den Kinosaal.

4D-Motionride nennt sich das Verfahren, das die Zuschauer die Action physisch spüren lässt. Parallel zur Kino-Komödie „Lissi und der wilde Kaiser“ wurde eine digitale 3D-Fassung für das Spezial-Kino der Bavaria Filmstadt in München realisiert. Hier sind die Sitzbänke, gelagert auf sechs Achsen, mit den Bewegungen auf der Leinwand synchronisiert. Wind-, Nebel- und Sprühregeneffekte machen die Illusion perfekt, verstärkt durch nicht weniger als 492 Lautsprecher.

Sie gehören zu einem von Fraunhofer-Forschern ausgeklügelten Tonsystem, das über spezielle Wellenfelder in jeder Position dynamischen Klang bietet. Die Tonquellen sind so geschickt vom Tonmeister im Raum platziert, dass sich viele Besucher meinen, im Kinositz ducken zu müssen, wenn Geräusche aus verschiedenen Richtungen auf sie einprasseln.

Wolfram Weber, Betreiber des Cinecitta-Kinos in Nürnberg, hat die neue Form des Erlebnis-Kinos auf eine passende Formel gebracht: Er spricht von „ Maximal-Adrenalin-Dosis-Kinos“, kurz MAD. Noch sind solche High-Tech-Kinos vor allem in Themenparks zu finden. Dennoch: Die Digital- und 3D-Technik könnte auch für das normale Kino eine Option sein, um die kinofaul gewordene Kundschaft im DVD-Zeitalter vom Sofa zu locken.

Die Vorstände des Hauptverbandes deutscher Filmtheater, Thomas Negele und Andreas Kramer, erwarten jedenfalls neue Geschäftsmodelle für etliche der 4 800 deutschen Kinos. Der Berliner Berater und Digitalkino-Experte Chris Koppelmeier spricht von einer Revolution. Die neue digitale Freiheit eröffne den Kinos Wege zu bislang unbekannten Unterhaltungsformen mit neuen Inhalten.

Umsonst gibt es das Lichtspielhaus der Zukunft freilich nicht: Den Investitionsaufwand für die Umrüstung der Mehrheit der deutschen Leinwände beziffert Renate Zoller, Geschäftsführerin des Münchner Kinotechnik-Unternehmens Kinoton, auf 80 000 bis 100 000 Euro pro Saal. Insgesamt rechnet Zoller so mit Investitionen in Höhe von 250 bis 300 Mill. Euro.

130 Säle in Deutschland sind bereits digitalisiert – Dieter Buchwald zählt zu den Pioniere der Branche: In seinem Münchner Cinema setzt er 3D-Filme ein, wie zuletzt etwa den Fantasy-Film „Beowulf“. Auch holte er schon Bilder des Esa-Space-Shuttle-Programms und Opern-Aufführungen aus der New Yorker Met live per Satellit auf die Leinwand.

Buchwald zeigt sich begeistert von den Möglichkeiten der ersten Digitalprojektoren, die mit einer Auflösung von 2K (2048 x 1080 Pixel bei 24 Bildern pro Sekunde) arbeiten. Dieser Wert übersteigt die sonst im analogen Kinoalltag üblichen 1,3K. Kein Wunder, dass Zuschauer die digitale Vorführung als brillanter empfinden – störende Kratzer gibts nicht mehr.

Um einen analogen 35mm-Film dreidimensional auf die Leinwand zu bringen, waren bisher zwei Projektoren nötig, die den Inhalt getrennt für das linke und rechte Auge abspielten. Für die digitale 3D-Projektion reicht eine Aufrüstung mit einem der gängigen 3D-Systeme. Anschließend kann ein einziger Projektor per Knopfdruck pro Sekunde 48, 96 oder 144 Bilder ausstrahlen, im Wechsel für das linke und rechte Auge. Nur im Ausnahmefall, etwa bei großen Abständen und Flächen, ist wegen der geringeren Lichtausbeute ein zweiter Projektor nötig.

Der Zuschauer trägt weiterhin eine Spezialbrille. Außerdem müssen die Filme mit zwei parallelen Kameras gedreht oder – bei animierten Filmen – aus zwei Perspektiven gerechnet worden sein.

Die auf unter 100 Gigabit komprimierten Filme werden auf Festplatten angeliefert und lassen sich nur mit einem 128-Bit-Schlüssel auf der festgelegten Maschine während des freigegebenen Zeitraums abspielen. Gegenüber den über 700 Euro teuren 35mm-Kopien führen die Wechselspeicher zu einer Ersparnis, an der auch die Kinos teilhaben wollen, um den breiten digitalen Rollout zu finanzieren. Erst dann könnten sie den 3D-Vorsprung gegenüber der Home-Entertainment-Konkurrenz ausspielen, wenn entsprechend viele 3D-Kinofilme im Angebot sind, so das Argument. 2008 stehen bereits etliche 3D-Blockbuster-Starts bevor, für 2009 verspricht „Titanic“-Regisseur James Cameron mit der Science-Fiction-Saga „Avatar“ ein Mega-3D-Ereignis. So schätzen Experten, dass die Zahl von jetzt weltweit 1 300 3D-Kinos bis Ende 2009 auf 6 000 anwachsen werde.

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