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50 Jahre nach der ersten Mondlandung Massenansturm auf den Mond

2019 wird die erste bemannte Mondlandung genau ein halbes Jahrhundert her sein. Passend dazu ist der Erdtrabant wieder in den Fokus der Weltraum-Experten gerückt. Was die Raumfahrtnationen planen.
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Die jüngst gestartete Mission ist Teil von Chinas ehrgeizigem Mondprogramm. Quelle: imago/Xinhua
Start der Mondsonde Chang'e 4,

Die jüngst gestartete Mission ist Teil von Chinas ehrgeizigem Mondprogramm.

(Foto: imago/Xinhua)

Berlin „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit“: 2019 ist die erste bemannte Mondlandung und mit ihr dieser legendäre Satz des ersten Mondbesuchers Neil Armstrong genau ein halbes Jahrhundert her.

Nachdem die US-Weltraumbehörde Nasa Anfang der 1970er-Jahre ihre bemannten Mondmissionen einstellte, wurde es einige Zeit ruhiger um den Erdtrabanten. Doch inzwischen liegt er wieder voll im Trend, gleich mehrere Raumfahrtnationen planen Missionen. Stehen wir erneut vor einem Wettlauf zum Mond, wie ihn sich einst die USA und die damalige Sowjetunion lieferten?

Was die Raumfahrtorganisationen weltweit in Sachen Mond planen, zeigt der folgende Überblick.

China

China verfolgt ein sehr ehrgeiziges Mondprogramm. Jüngstes Beispiel: Am Wochenende startete eine Rakete vom Typ Langer Marsch 3B vom Raumfahrtbahnhof Xichang in der südwestchinesischen Provinz Sichuan. An Bord die Mondsonde Chang'e 4, mit der die Rückseite des Erdtrabanten erkundet werden soll.

China ist die erste Nation, die diesen noch weitgehend unerforschten Teil des Mondes besuchen möchte. Das Landemodul Chang'e 4, das nach der chinesischen Mondgöttin benannt ist, soll im Aitken-Krater nahe des Südpols des Mondes aufsetzen. An Bord ist ein Roboterfahrzeug, das den Boden und die geologischen Strukturen um den Landepunkt untersuchen soll.

2019 plant China eine weitere unbemannte Mondlandung, bei der Gesteinsproben gesammelt und zur Erde gebracht werden sollen. Spätestens 2030 soll dann erstmals ein Chinese einen Fuß auf den Erdtrabanten setzen. Die Mondmissionen sind nur ein Teil des ehrgeizigen Raumfahrtprogramms Chinas, das auch den Bau einer eigenen Raumstation vorsieht.

Chinas Raumfahrtvorhaben dienen nicht nur dem Prestige und der wissenschaftlich-technischen Entwicklung. Verfolgt werden ganz klar auch militärische Interessen. Militärexperten in China verweisen gerne darauf, dass künftige Kriege im All gewonnen werden.

USA

In den zurückliegenden Jahren konzentrierte sich die US-Raumfahrtbehörde Nasa vor allem auf den Mars. Mit den Mars-Rovern Curiosity, Spirit und Opportunity oder jüngst mit dem Mars-Lander Insight gelangen den USA auch einige prestigeträchtige Erfolge bei der Erforschung des Roten Planeten.

Nun aber ist der Mond, auch auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump, wieder in den Fokus der US-Raumfahrer gerückt. 2021 will die Nasa dorthin zurückkehren – noch ohne Menschen an Bord und mithilfe privater Raumfahrtunternehmen. Zahlreiche Firmen bewerben sich um die lukrativen Aufträge.

2024 soll dann das Nasa-Raumschiff Gateway mit Astronauten an Bord folgen. Dem will allerdings der Raumfahrtunternehmer Elon Musk zuvorkommen: Mit seinem Unternehmen SpaceX will er schon 2023 den japanischen Milliardär Yusaku Maezawa ins All schicken. Als erster Weltraumtourist soll er den Mond umrunden, gemeinsam mit sechs bis acht Künstlern aus aller Welt.

Indien

Indiens Weltraumprogramm ist für das 1,3-Milliarden-Einwohner-Land eine Frage von Stolz und Prestige. Das machte Premierminister Narendra Modi deutlich, als er am Unabhängigkeitstag im August ankündigte, dass bis zum 75. Unabhängigkeitstag im Jahr 2022 „ein Sohn oder eine Tochter Indiens mit unserer Trikolore in der Hand ins All fliegen“ werde. Es wäre nicht der erste indische Astronaut im All, wohl aber der erste in einem indischen Raumfahrzeug.

Auch die zweite Mondsonde des Landes, Chandrayaan-2, soll eine rein indische Angelegenheit werden – wobei Russland ursprünglich den Lander beisteuern sollte. Anhand von Daten eines Nasa-Instruments an Bord von „Chandrayaan-1“ hatten US-Forscher im Jahr 2009 Spuren von Wasser auf dem Mond gefunden.

Der immer wieder verschobene Start des Nachfolgers ist derzeit für Januar 2019 geplant. Die Sonde beinhaltet diesmal neben einem Orbiter auch einen Rover, der unter anderem das Mondgestein chemisch analysieren soll. Als erste Mondmission soll Chandrayaan-2 am Südpol des Erdtrabanten landen.

Russland

Die ersten Kosmonauten sollen Anfang der 2030er Jahre auf dem Mond landen. 14 Tage sollen sie bleiben. Russland will dort anknüpfen, wo die Sowjetunion vor Jahrzehnten aufgehört hat: Nach technischen Pannen hatte Moskau in den 1970er Jahren seine kostspieligen Pläne für eine Mondlandung auf Eis gelegt.

Diesmal setzen die Russen bei der Erforschung des Mondes auf eine Zusammenarbeit mit den USA, Europa und China. Der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, betonte aber jüngst, dass sich sein Land nicht mit der Rolle des Juniorpartners begnügen wolle.

Russland will sich auch an dem US-Projekt einer Raumstation beteiligen, die um den Mond kreisen soll. Von dort aus könnten einmal Flüge tiefer ins All starten, so die Hoffnung. Für den Bau einer solchen Station entwickle sein Land Schwerlastraketen, sagte Rogosin. Vorher will Moskau noch mehrere Sonden zum Erdtrabanten schicken.

Europa

Mit seinem Konzept eines „Moon Village“ hat der Chef der europäischen Raumfahrtorganisation Esa, Jan Wörner, vor einiger Zeit für Aufsehen gesorgt. Seine Idee: Nicht ein kurzer Hin- und Rückflug solle das Ziel sein, sondern eine international gemeinsam von Industrie, Raumfahrtagenturen und öffentlicher Hand geschaffene Mond-Basis.

Ein klassisches Esa-Programm ist das „Moon Village“ aber nicht, nur eine Vision. Vorbild eines solchen internationalen Projekts könne die Raumstation ISS sein, so Wörner: „Bei allen technischen Schwierigkeiten, die es bei der ISS gab – es gab nie politische. Das ist etwas, was man in unserer volatilen Welt sehr hoch einschätzen darf.“

Die Esa unterstützt andere Raumfahrtagenturen bei ihren Mond-Plänen vor allem mit Technik. Für die künftige Raumkapsel Orion der Nasa hat die Esa jüngst ein Servicemodul geliefert – das Herzstück des Raumschiffes. Ohne dieses Antriebsmodul könnte Orion nicht fliegen.

Die Chinesen erhalten ebenfalls Hilfe bei ihren Mondmissionen – etwa bei der Raumsonde Chang'e 5, die ein Landefahrzeug auf den Mond bringen soll. Russland bekommt technische Unterstützung bei den Raumsonden Luna 25 und Luna 27.

Mit der „Lunar Mission Campaign“ bereitet die Esa zudem eine Robotermission zum Mond vor, um in der Folge eine menschliche Mondmission voranzubringen. Wie es dabei konkret weitergeht, ist noch offen – der Esa-Rat tagt erst Ende 2019 dazu.

Japan

Auch Japan hat den Mond fest im Blick. Die Hightech-Nation will sich an der Nasa-geführten Mission beteiligen, die ab Mitte der 2020er Jahre den Bau einer Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes vorsieht. Japan hegt die Hoffnung, eines Tages eigene Astronauten zum Mond schicken zu können.

2007 hatte Japan seine erste Mondsonde auf den Weg gebracht. Aufgabe des Drei-Tonnen-Orbiters mit zwei jeweils 50 Kilogramm schweren Satelliten war es, die Mondoberfläche zu erkunden.

Auf Aufnahmen der japanischen Mondsonde entdeckten Wissenschaftler einen alten Lava-Tunnel, der Forschern künftig als Mondhotel dienen könnte. Derzeit ist Japans Weltraumagentur Jaxa dabei, ein Landegerät zur Erkundung des Mondes zu entwickeln.

Die SLIM (Smart Lander for Investigating Moon) genannte Mission hat das Ziel, eine präzise Navigation zu einem bestimmten Landepunkt zu ermöglichen. Zudem wollen Japans Forscher mit dem Projekt die Technologie für ein kleines, leichtes Explorationssystem zur Monderforschung entwickeln.

Südkorea

Südkorea will im Raumfahrt-Wettlauf in Asien mit Japan, China und Indien mithalten. Dabei geht es der viertgrößten asiatischen Volkswirtschaft nicht nur um das Geschäft mit der Satelliten-Beförderung, sondern auch um Forschung.

Bis Ende 2020 soll die mit technischer Hilfe der Nasa entwickelte Sonde Korea Pathfinder Lunar Orbiter (KPLO) an Bord einer Rakete des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX zum Mond fliegen. Südkoreas erste Mondmission war ursprünglich schon für Dezember 2018 geplant.

Neben der Entwicklung der Technologien für künftige Raumflüge wird KPLO wissenschaftliche Instrumente einschließlich einer Kamera für die farbige Kartierung des Mondes an Bord haben. In der zweiten Phase des koreanischen Mondprogramms soll in Eigenregie unter anderem ein eigenes Mondlandefahrzeug entwickelt werden.

Israel

Die israelische Organisation SpaceIL will Anfang 2019 mit einer kleinen Raumsonde starten und etwa zwei Monate später auf dem Mond landen. Befördert werden soll Sparrow (Spatz) von einer Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk.

Das unbemannte Mini-Raumschiff mit einem Gewicht von 585 Kilogramm und eineinhalb Meter Höhe wird eine israelische Flagge auf den Mond bringen und das Magnetfeld des Erdtrabanten untersuchen.

Initiiert wurde das Projekt 2011 als Teil des Wettbewerbs „Google Lunar X-Prize“. Präsident von SpaceIL ist der israelische Milliardär Morris Kahn. Er trägt ein knappes Drittel der Gesamtkosten von umgerechnet 84 Millionen Euro. SpaceIL erhält auch Unterstützung von der israelischen Raumfahrtbehörde (ISA) und Israel Aerospace Industries (IAI).

  • tt
  • dpa
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