70 Jahre Kernspaltung Der Tag, an dem die Bombe möglich wurde

Es ist eine der spektakulärsten wissenschaftlichen Entdeckungen des vergangenen Jahrhunderts. Und eine der unheilvollsten: Die Entdeckung der Kernspaltung vor 70 Jahren in Berlin. Mit ihrer Hilfe versorgen unzählige Kraftwerke Millionen von Menschen mit Strom. Doch auch die Atombombe konnte so entwickelt werden.
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Mit der Entdeckung der Kernspaltung wurde der Bau jener Bomben möglich, die im August 1945 Hiroshima und Nagasaki verwüsteten. Foto: dpa Quelle: dpa

Mit der Entdeckung der Kernspaltung wurde der Bau jener Bomben möglich, die im August 1945 Hiroshima und Nagasaki verwüsteten. Foto: dpa

(Foto: dpa)

dpa BERLIN. Der Chemiker Otto Hahn ahnte nichts von der Tragweite seiner Entdeckung, als er am Abend des 19. Dezembers 1938 von Berlin aus einen Brief an seine vor den Nationalsozialisten geflohene Forscherkollegin Lise Meitner schickt. Darin berichtete er von einem scheinbar seltsamen Befund bei ihren gemeinsamen Experimenten. Erst Meitner verstand im schwedischen Exil, was Hahn ihr da schrieb: Wird ein Urankern mit Neutronen beschossen, zerbricht er und setzt Energie frei.

Dieser wissenschaftliche Durchbruch kam für die Wissenschaftler überraschend, hatte sich zuvor doch nur eine große Enttäuschung angekündigt: Hahn und Meitner experimentierten bereits viele Jahre in ihrem Labor im Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie im schmucken Villenviertel im Süden Berlins. Beide waren anerkannte Forscher. Hahn galt als sehr korrekter Chemiker, die Physikerin Meitner war durch den sogenannten Beta-Zerfall - eine bestimmte Form der Radioaktivität - berühmt geworden.

„Seit Beginn der 30er Jahren führten die beiden auch Experimente mit Uran durch“, berichtet der Physiker und Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer von der Universität Konstanz. Hahn und Meitner beschossen gemeinsam mit ihrem Kollegen Fritz Straßmann Urankerne mit Neutronen. „Die Idee dahinter war, dass das Neutron vom Urankern eingefangen und dieser dadurch größer wird.“ Reine Grundlagenforschung also. Doch irgendwie wollten die Experimente nicht gelingen, es entstanden einfach keine erhofften „Transurane“.

Mit dem Erstarken der Nationalsozialisten wurde es für die Jüdin Meitner zu gefährlich in Berlin. Sie floh 1938 nach Schweden und ließ Hahn und ihre gemeinsamen Experimente zurück. „Da hat Hahn gemacht, was Chemiker gut können: Er hat gemessen, was bei den Versuchen genau passiert ist“, sagt Fischer. Dabei fiel ihm etwas Sensationelles auf: Beim Versuch, mit Neutronen auf Uran zu schießen, war Barium entstanden - und Barium ist nur halb so groß wie Uran.

„Hahn war die Sache völlig unverständlich“, erzählt Fischer. Deswegen schrieb Hahn am 19. Dezember 1938 den besagten Brief an Meitner: „Es ist nämlich etwas bei den Radium-Isotopen, was so merkwürdig ist, daß wir es vorerst nur Dir sagen. (...) Vielleicht kannst Du irgendeine phantastische Erklärung vorschlagen.“

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