Der quantifizierte Mensch
(Foto: Marie Emmermann/Skizzomat)

Algorithmen In diesen 7 Branchen ist künstliche Intelligenz heute schon Alltag

Verbrechensbekämpfung, Industrie, Pflege: In zahlreichen Branchen spielt künstliche Intelligenz bereits jetzt eine wichtige Rolle. Ein Überblick.
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  • KI auch bei den staatlichen Institutionen längst auf dem Vormarsch.
  • Digitale Helfer in der Pflege könnten Entlastung bringen – doch ihr Einsatz so nah am Menschen birgt auch Risiken.
  • Alle großen Autohersteller und -zulieferer arbeiten an der flächendeckenden Einführung von Algorithmen in ihren Fahrzeugen.

1. Öffentlicher Bereich: Algorithmen gegen Verbrechen

Wer sich „Predictive Policing“ ansehen will, der fährt nach Hartford, einem Städtchen mit 124.000 Einwohnern im US-Bundesstaat Connecticut. Dort stieg die Mordrate im vergangenen Jahr. Der Bürgermeister Luke Bronin ließ daraufhin zahlreiche Kameras installieren, insgesamt gibt es 700 Stück. Für 2,5 Millionen Dollar kaufte er Drohnen wie vom Typ Aero Surveillance 30-470, die über der Stadt summen und wachen. Die Software ist in der Bilderkennung so gut, dass Mörder und Einbrecher nach einer Tat identifiziert werden können.

Noch mehr: Dort, wo Verbrechen stattfinden könnten, schlägt das System Alarm. „Wie alle Städte in Amerika suchen wir nach Wegen, mit neuer Technologie unsere Bürger sicherer zu machen“, sagte Bronin. „Zugleich sind wir uns der Bedenken einer Verletzung der Bürgerrechte bewusst“.

Staat und seine Behörden – wohl die wenigsten Menschen werden bei den Themen Innovationen, Big Data oder gar künstlicher Intelligenz an den öffentlichen Bereich denken. Dabei ist KI auch bei den staatlichen Institutionen längst auf dem Vormarsch.

Das wohl prominenteste Beispiel ist die Verbrechensbekämpfung à la „vorhersagende Polizeiarbeit“: Aus der Verbrechensstatistik werden Daten ausgewertet, um damit künftige Kriminalitätsschwerpunkte zu bestimmen. Wo etwa werden Einbrecher verstärkt zuschlagen? Ist das erst einmal prognostiziert, kann die Polizei vor Ort durch höhere Präsenz abschrecken und Täter festnehmen.

Die Analysesoftware kommt seit drei Jahren in Deutschland zum Einsatz, etwa in Hamburg, Berlin, Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen. Einige Bundesländer nutzen vorgefertigte, angepasste Systeme. Nordrhein-Westfalen hat dagegen eine eigene Software entwickelt.

Projektleiter Tobias Knobloch, der beim Berliner Thinktank „Stiftung Neue Verantwortung“ auch zum Thema „Predictive Policing“ forscht, prognostiziert einen steigenden Trend. „Ich gehe davon aus, dass es in Zukunft noch mehr Anwendungen in dem Bereich geben wird und mehr Polizeibehörden Predictive Policing nutzen werden.“

Bislang kommen die neuen Softwaresysteme bei der Verhinderung von Einbrüchen und Kfz-Diebstählen zum Einsatz. Aber auch bei den Themen Körperverletzung oder Raubüberfälle dürfte sich die Polizei künftig unterstützen lassen.

Ob Predictive Policing tatsächlich Straftaten verhindern kann, ist allerdings nicht leicht nachweisbar. Denn sinkt die Kriminalitätsrate, kann das verschiedene Gründe haben. Zudem kritisieren einige Experten, dass die Software die Beamten durchaus in die falsche Richtung lotsen könne. „Die große Gefahr ist, dass sich die Polizisten zu sehr auf die Datenanalyse verlassen. Solche Prognosen müssen immer hinterfragt werden“, mahnt Knobloch.

Big Data soll nicht nur die Verbrechensbekämpfung erleichtern: Auch in der Amtsstube soll die Analyse großer Datenmengen den Alltag erleichtern. Wie eine Umfrage der Unternehmensberatung KPMG gemeinsam mit Bitkom Research ergab, spielt die Technologie eine immer größere Rolle. 78 Prozent der Behörden- und Abteilungsleiter sehen Datenanalysen zunehmend als „entscheidenden Baustein“ für ihre Arbeit.

So verwenden die Finanzämter Algorithmen, um Steuererklärungen auf ihre Richtigkeit zu überprüfen – und zwar in einem deutlich höheren Umfang, als es die Beamten könnten. Behörden werten zudem gezielt Daten aus, um beispielsweise ihre eigenen Prozesse zu verbessern.

„Der Trend zur stärkeren Nutzung von Daten bei Behörden ist ungebrochen, vor allem bei Landes- und Bundesbehörden und zur Bearbeitung von Standardprozessen“, sagt Mathias Oberndörfer, Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor bei der Unternehmensberatung KPMG. „Die höchsten Hürden sind dabei noch die Datensicherheit und der Datenschutz.“ Die Vorteile liegen für Berater Oberndörfer auf der Hand: Wenn ein Algorithmus richtig programmiert ist, sei er unvoreingenommen und prüfe allein anhand von Fakten.

Andere Staaten setzen die Technologie weitaus offensiver ein. In Australien beispielsweise lässt die Wohlfahrtsbehörde ihre Zahlungen von einer Software überprüfen – entdeckt sie unrechtmäßige Überweisungen, fordert sie diese automatisch zurück. Allerdings war das Programm zwischendurch fehleranfällig: 2016 und 2017 verschickte es 200.000 Schreiben, von denen 20.000 falsche Zahlen enthielten, wie australische Medien berichteten. Die „Roboterschulden“ – wie es im Volksmund hieß – stürzten viele Menschen zwischenzeitlich in Existenzängste.

Am weitesten geht China. Das Regime in Peking arbeitet an einem Bewertungssystem für die Bürger. Es erfasst nicht nur die finanziellen Verhältnisse der Bürger, sondern auch deren Verhalten. Schon wer bei Rot über die Ampel geht, erhält Minuspunkte, sofern Kameras mit Gesichtserkennung das Delikt filmen. Proteste gegen das System werden erst recht sanktioniert. Noch sind das Pilotprojekte. Aber die Regierung will die Bürger per Algorithmus erziehen.

Nicht nur der Staat und Unternehmen greifen auf die Daten zu: Sogar die Nutzer eines Dating-Portals können ihren Punktestand anzeigen – der Heiratsmarkt ist schließlich umkämpft. Bislang gibt es regionale Projekte, bis 2020 soll das Bewertungssystem landesweit laufen.

2. Verarbeitende Industrie: Vorausschauende Wartung
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