Archäologie Kein Kollaps auf der Osterinsel

Mit seinem Buch „Kollaps“ hat der US-Anthropologe Jared Diamond die These vom Zusammenbruch der Osterinsel-Gesellschaft noch vor Ankunft der Europäer populär gemacht. Eine aktuelle Studie stellt dies nun aber infrage.
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Typisch für die Osterinsel sind die gigantischen Steinköpfe, die Moai. Ihnen verdankt die Insel, dass sie zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Quelle: dpa

Typisch für die Osterinsel sind die gigantischen Steinköpfe, die Moai. Ihnen verdankt die Insel, dass sie zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

(Foto: dpa)

Auf der Osterinsel im Pazifik hat es offenbar keinen gesellschaftlichen Zusammenbruch vor Ankunft der Europäer gegeben. Ein Forscherteam um Christopher Stevenson von der Virginia Commonwealth University fand zwar Hinweise darauf, dass die Nahrungsmittelproduktion an einigen Orten auf der Insel um das Jahr 1700 stark zurückging. Dies müsse aber nicht zwangsläufig auf einen inselweiten Kollaps der Gesellschaft zurückgeführt werden, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal PNAS.

Die am Ostersonntag 1722 von niederländischen Seefahrern entdeckte Insel ist einer der am weitesten vom Festland entfernten Orte der Welt. Die Osterinsel, auch Rapa Nui genannt, war Jahrhunderte zuvor von Polynesien aus besiedelt worden. Sie ist vor allem bekannt berühmt für die riesigen Steinstatuen.

Warum die Welt der Maya unterging
The Caana pyramid in Caracol, Belize is pictured in this undated handout photo
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Ein halbes Jahrtausend lang blühte die Hochkultur der Maya in den Regenwäldern Zentralamerikas – eine Zivilisation, die beeindruckende Ruinen hinterließ und mit ihren astronomischen und kalendarischen Berechnungen noch heute Menschen in ihren Bann schlägt.

Um 1000 n. Chr. geriet die Maya-Gesellschaft jedoch in eine Krise, die schließlich zum Untergang der Hochkultur führte. Wie es zu dieser katastrophalen Entwicklung kam, haben US-Forscher jetzt enträtselt.

Stalagmites and stalacites from the Yok Balum cave in Belize are pictured in this undated handout photo
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Schon länger war diskutiert worden, inwieweit eine Reihe von Dürreperioden für den Niedergang der Maya verantwortlich gewesen sein könnte. Das Team um Douglas Kennett von der Pennsylvania State University untersuchte nun Tropfsteinsäulen in der Yok Balum-Höhle in Belize, wo vor über einem Jahrtausend die Maya-Kultur blühte.

A stalacite from the Yok Balum cave in Belize is pictured in this undated handout photo
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Anhand des Gehalts von Sauerstoff-Isotopen in den langsam, aber stetig wachsenden Tropfsteinen lässt sich die Regenmenge rekonstruieren, die zu verschiedenen Zeiten dort niederging. Diese Zeitkarte des Regens verglichen die Forscher mit Schriftquellen der Maya, die Rückschlüsse auf den Zustand ihrer Kultur zulassen.

The Caana pyramid in Caracol, Belize is pictured in this undated handout photo
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Aus dieser Gegenüberstellung konnten die Forscher ein deutliches Muster für die Jahre 300 bis 1100 ablesen: Danach erlebte die Maya-Kultur zwischen 400 und 660 eine Periode der kulturellen Blüte, des verstärkten Städtebaus und allgemeinen Wohlstands. Genau diese Periode zeichnete sich auch durch reichhaltige Regenfälle aus.

Maya
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Danach folgte allerdings eine Zeit wiederkehrender Dürrejahre, während der die Agrarproduktion nachließ. Die Folge war ein Zusammenbruch der Zentralmacht, die Aufspaltung in verschiedene Gemeinschaften und ein allgemeiner politischer und gesellschaftlicher Niedergang.

Maya
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Das endgültige Aus für die einst hoch entwickelte Maya-Kultur fiel schließlich zusammen mit zwei besonders starken Dürreperioden um die Jahre 1020 und 1100. Sie trafen die bereits stark angegriffene und in Kleinstaaten aufgespaltene Gesellschaft vernichtend.

A Maya stucco frieze in Caracol, Belize is pictured in this undated handout photo
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„Die vorhergehenden Bedingungen, die die Komplexität der Gesellschaft förderten, bauten sozusagen die Bühne auf für die späteren Probleme und den Niedergang der politischen Institutionen“, so das Fazit von Studienleiter Douglas Kennett.

Mehrere hundert dieser sogenannten Moai finden sich in Gruppen verteilt über die ganze Insel. Wegen dieser Relikte aus der Vergangenheit wurde die Osterinsel 1995 zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Geschichte der Insel vor der Entdeckung durch die Europäer ist umstritten. Nach einer bekannten Theorie ereignete sich ein gesellschaftlicher Zusammenbruch infolge von Überbevölkerung und Abholzung der vormals reich bewaldeten Insel, um neue Ackerflächen zu gewinnen. Auch für den Transport der Moai auf Schlitten oder Rollen – die genaue Art ist umstritten – vom Steinbruch zu den Aufstellplätzen mussten immer wieder Bäume gefällt werden, was die Bodenerosion förderte.

Die These vom selbst verursachten Zusammenbruch der Osterinsel-Kultur wurde vor allem durch das 2005 erschienene Buckh „Kollaps“  des US-amerikanischen Anthropologen Jared Diamond populär. Andere Forscher sehen dagegen als Grund für den starken Bevölkerungsrückgang auf der Osterinsel erst die von Europäern eingeschleppten Krankheiten an wie Pocken, Syphilis und Tuberkulose.

Verminderte Landnutzung, aber kein Kollaps
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