Ariane 6 Streit um Europas Mega-Rakete

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In Industriekreisen herrscht Fassungslosigkeit
Wie der deutsch-französische Streit um die Zukunft der Ariane 6 ausgehen könnte, vermag derzeit niemand zu prognostizieren. Quelle: AFP

Wie der deutsch-französische Streit um die Zukunft der Ariane 6 ausgehen könnte, vermag derzeit niemand zu prognostizieren.

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Das derzeitige Konzept sieht eine Unterstufenkombination aus vier Triebwerken mit jeweils rund 135 Tonnen Festtreibstoff vor, die vor allem in Frankreich gebaut werden würden. In Paris stoßen die deutschen Überlegungen daher auf offene Ablehnung. Wörners französischer Amtskollege Jean-Yves Le Gall machte zuletzt mehrfach deutlich, dass er grundsätzlich lieber auf die Weiterentwicklung der Schwerlastrakete Ariane 5 zur Ariane 5ME verzichten würde als auf das aktuelle Projekt für die Ariane 6.

Frankreich sieht letztere vor allem als Antwort auf die Falcon 9 des US-Unternehmens SpaceX. Dieser neue Träger kann bis zu 4,85 Tonnen schwere Telekommunikationssatelliten ins All bringen und ist deutlich günstiger in der Herstellung als die aktuelle europäische Technik.

Wörner sieht diesen Ansatz kritisch. Eine nach französischen Vorstellungen konzipierte Ariane 6 werde noch immer deutlich teurer sein als die Falcon 9, warnt der promovierte Ingenieur und wirbt für die Weiterentwicklung der Ariane 5, die zwei schwere Satelliten gleichzeitig ins All bringen kann. Die modernisierte Ariane-5-Version soll bis zu zwölf Tonnen Nutzlast in die geostationäre Transferbahn bringen können und die Kosten pro Kilogramm im Vergleich zur aktuellen Trägerrakete um 20 Prozent reduzieren. Der erste Start ist für 2017/2018 geplant.

Sehr heftige Diskussionen - und keine Einigung

In Industriekreisen herrscht angesichts des politischen Streits Fassungslosigkeit. Vertreter vonseiten kommerzieller Satellitenbetreiber kritisieren, weder die deutschen noch die französischen Pläne würden ihre Interessen ausreichend berücksichtigen. Um auf dem freien Markt langfristig gegen aufstrebende private Konkurrenten wie SpaceX bestehen zu können, müsse die europäische Raumfahrt schnellstens ihre Entscheidungs- und Fertigungsprozesse ändern, heißt es.

Gemeint ist damit unter anderem das Prinzip, nach dem die Esa-Staaten über die Höhe ihrer Investitionen bestimmen, welche Raketenteile in welchem Land gebaut werden und welche Technologie genutzt wird. Eine Abkehr davon scheint jedoch unwahrscheinlich. „Das ist industriepolitisch nicht gewollt“, sagt Wörner offen.

Wie der deutsch-französische Streit um die Zukunft der Ariane 6 ausgehen könnte, mag derzeit niemand zu prognostizieren. In der kommenden Woche wollen sich die zuständigen Regierungsvertreterinnen, die Wirtschaftsstaatssekretärin Brigitte Zypries und für Frankreich Geneviève Fioraso, treffen. Wörner räumt ein, es habe bereits vor der jüngsten Esa-Ministerratssitzung „sehr heftige Diskussionen“ gegeben – und keine Einigung.

  • dpa
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