Asteroid 2004BL86 Kosmischer Streifschuss für die Erde

Knapp daneben ist glücklicherweise auch vorbei: Am Montag erhält die Erde Besuch von einem Asteroiden, der bei einem Einschlag das Potenzial hätte, ein Gebiet von der Größe Deutschlands auszulöschen.
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Auch kleinere Bomben aus dem All haben große Zerstörungskraft: Vor knapp zwei Jahren explodierte über dem russischen Tscheljabinsk ein Asteroid, dessen Druckwelle rund 1600 Menschen verletzte. Quelle: dpa

Auch kleinere Bomben aus dem All haben große Zerstörungskraft: Vor knapp zwei Jahren explodierte über dem russischen Tscheljabinsk ein Asteroid, dessen Druckwelle rund 1600 Menschen verletzte.

(Foto: dpa)

BerlinDie Erde bekommt Besuch von einem kosmischen Schwergewicht: In nur gut dreifacher Mondentfernung rast am Montag ein Asteroid an unserem Planeten vorbei. Diesmal handelt es sich nicht um einen der kleinen 20- oder 30-Meter-Brocken, die fast täglich an der Erde vorbeischrammen. Astronomen schätzen den Durchmesser des heranrasenden Geschosses auf mindestens einen halben Kilometer.

„Der Einschlag eines solchen Asteroiden könnte ein Land wie Deutschland komplett zerstören“, sagt Alan Harris vom deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Eine solche Naturkatastrophe hätte unsere Zivilisation noch nicht erlebt.“ Harris leitet das internationale Projekt NEO-Shield zur Abwehr von drohenden Asteroiden-Einschlägen.

Mit Weltraum-Paintball gegen kosmische Killer
Killer aus dem All
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Killer aus dem All

Was tun, wenn ein riesiger Asteroid auf die Erde zurast? Welche Zerstörungskraft solche kosmischen Geschosse entwickeln können, zeigte nicht zuletzt der Brocken, dessen Einschlag vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier und zahllose andere Tier- und Pflanzenarten auslöschte. Weltweit suchen Forscher nach Wegen, solche Killer aus dem Weltraum zu entschärfen. Ein Überblick über einige der vorgeschlagenen Methoden.

Kernwaffen
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Kernwaffen

Hinfliegen und kaputtmachen - der Klassiker unter den Abwehr-Szenarien: Eine Kernwaffenexplosion auf oder nahe bei einem Astroiden soll diesen auf eine ungefährliche Bahn schubsen. Befürworter dieser Methode ist unter anderem die US-Weltraumbehörde Nasa. Problem dabei: Eine solche Explosion könnte den großen Brocken in mehrere Teile zerlegen, die dann immer noch groß genug sind, um ganze Landstriche zu verwüsten.

Sonnenlicht
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Sonnenlicht

Ein möglicher Helfer im Kampf gegen kosmische Geschosse ist unsere Sonne: Auf Raumschiffen montierte Spiegel könnten Sonnenlicht gebündelt auf den Astroiden richten und einen Teil seines Gesteins verdampfen. Über Monate hinweg ließe sich der Brocken so allmählich umlenken.

Laserstrahlen
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Einen ähnlichen Effekt könnten Laserlicht erzielen: Gepulste Laserstrahlung würde einen Teil des Asteroiden verdampfen und so einen Schub erzeugen, der die Flugbahn des Himmelskörper verändert.

Weltraum-Paintball
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Weltraum-Paintball

MIT-Forscher Sung Wook Paek möchte die gefährlichen Himmelskörper mit gigantischen Kugeln voll heller Farbe beschießen und so die Fähigkeit der Asteroiden-Oberfläche, Sonnenlicht zu reflektieren, erhöhen. Wenn mehr von der Sonne einfallende Lichtteilchen von der Oberfläche „abprallen“, würde dies die Flugbahn des Asteroiden über Jahre hinweg messbar beeinflussen, argumentiert der Forscher. Klingt ziemlich exotisch, doch konnte Paek mit seiner Idee immerhin einen von der UNO ausgelobten Wettbewerb gewinnen.

ESA-Projekt Don Quijote
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ESA-Projekt Don Quijote

Keineswegs exotisch ist dagegen die Idee hinter dem ESA-Projekt Don Quijote: Die europäische Weltraumbehörde möchte im Gefahrenfall eine Sonde starten, die einen potenziellen Killer unter Feuer nimmt. Ein auf den Asteroiden abgefeuertes konventionelles Geschoss soll den Brocken aus seiner gefährlichen Bahn schleudern.

Nasa-Sonde Deep Impact
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Nasa-Sonde Deep Impact

Die Esa-Forscher können dabei auf Erfahrungen der Nasa zurückgreifen: 2005 hatte US-Weltraumbehörde ihre Sonde Deep Impact ein rund 370 Kilogramm schweres Projektil auf den Kometen Tempel 1 abfeuern lassen.

Am Montag besteht zwar keine Gefahr für die Erde – der Asteroid mit der Bezeichnung 2004BL86 wird in einem Sicherheitsabstand von rund 1,2 Millionen Kilometern Entfernung Sekunde an unseren Planeten vorbeirasen. Doch in kosmischen Maßstäben ist dies fast ein Streifschuss. Derzeit gehen die Astronomen davon aus, dass erst im Jahr 2027 ein kosmischer Brocken dieser Größenklasse der Erde wieder so nahe kommen wird.

Der Asteroid 2004BL86 ist einer von unzähligen Gesteinsbrocken, die als Überbleibsel der Entstehung unseres Planetensystems vor gut 4,6 Milliarden Jahren um die Sonne rasen. Dabei kommen manche von ihnen der Erde sehr nah: Bisher wurden mehr als 12.000 erdnahe Himmelsobjekte entdeckt, jeden Monat kommen Dutzende hinzu.

Die meisten dieser Brocken sind klein, rund 3500 allerdings weisen Durchmesser von 500 Metern und mehr auf. „Beim Einschlag eines Asteroiden mit einem Kilometer Durchmesser rechnen wir bereits mit globalen Auswirkungen“, sagt Harris.

Mit zehn Kilometern Durchmesser noch deutlich größer war das Geschoss, das vor 65 Millionen Jahren im Meer vor Mexikos Halbinsel Yucatán einschlug, einen tiefgreifenden Klimawandel auslöste und so höchstwahrscheinlich das Aussterben der Dinosaurier einleitete.

Auch kleine Bomben aus dem All haben große Zerstörungskraft
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