Astro-Alex trainiert für die ISS Überlebenskampf im Sternenstädtchen

Demnächst darf Alexander Gerst die Raumstation ISS kommandieren – als erster Deutscher überhaupt. Für diese Mission trainiert „Astro-Alex“ dort, wo schon Russlands Raumfahrtlegende Juri Gagarin übte. Ein Besuch.
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Der deutsche Astronaut Alexander Gerst (r.) und seine Kollegen, der Russe Sergej Prokopjew und die US-Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor, während einer Trainingspause vor dem Simulator einer Sojus-Raumkapsel. Quelle: dpa
Training im Kosmonauten-Zentrum

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst (r.) und seine Kollegen, der Russe Sergej Prokopjew und die US-Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor, während einer Trainingspause vor dem Simulator einer Sojus-Raumkapsel.

(Foto: dpa)

Swjosdny GorodokIm Sternenstädtchen bei Moskau steht Alexander Gerst, dem nächsten deutschen Astronauten im All, an diesem Vormittag ein Kampf ums Überleben bevor. Er absolviert eine Trainingseinheit im Simulator einer Sojus-Raumkapsel im berühmten Kosmonauten-Trainingszentrum vor den Toren der russischen Hauptstadt.

„Wir trainieren sehr hart an diesem Fahrzeug“, sagt Gerst. „Manchmal lassen die Trainer 10 bis 15 Probleme gleichzeitig auf uns einprasseln, während auf einem echten Flug normalerweise gar nichts passiert.“

Während der Übungen gehe die Crew an seine Grenzen. „Es gibt immer wieder Tage, wo man aus dem Trainer herauskommt, und man ist schweißnass gebadet“, erzählt Gerst. Im weißen Sokol-Raumanzug gleitet der athletisch gebaute „Astro-Alex“ – sein Twitter-Name ist längst zum Spitznamen geworden – durch die Luke in den Simulator. Die Übung beginnt.

Deutsche Weltraumlegenden
Sigmund Jähn wird 80
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Der erste Deutsche im All war ein DDR-Bürger. Mit der Rakete „Sojus 31“ startete Sigmund Jähn am 26. August 1978 vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus, gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski (82). Sieben Tage, 20 Stunden und 49 Sekunden blieb er im All. Am Montag (13. Februar) feiert Jähn nun seinen 80. Geburtstag – ganz privat.

Sigmund Jähn (M.) im September 1978 in Berlin
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Für größere Aktionen fehle ihm einfach die Zeit und auch die Stimmung, teilte der einstige Kosmonaut mit. Dabei ist er nach wie vor sehr populär: Nach seiner Rückkehr aus dem All wurde er in der DDR als Held gefeiert, und auch bei seinen seltenen öffentlichen Auftritten heute ist er vor allem in Ostdeutschland regelmäßig von Autogrammsammlern umlagert.

Sigmund Jähn
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125 Mal umkreiste Jähn den Planeten. An Bord erledigte er seinerzeit zahlreiche Experimente und machte Aufnahmen von der Erde mit der Multispektral-Fotokamera MKF-6 aus Jena. Er hatte auch den Status eines „Angestellten der Deutschen Post im Weltraum“: Mit einer für das All geeigneten Apparatur stempelte er Sonderpostwertzeichen ab.

Sigmund Jähn und Waleri Bykowski
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Am 3. September 1978 landeten Jähn und Bykowski mit einer Kapsel wohlbehalten in der kasachischen Steppe. Der damals 41-Jährige behielt allerdings Schäden an der Wirbelsäule zurück, wie er Jahre später eingestand.

Ulf Merbold und Sigmund Jähn
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Erst 1983 folgte als zweiter Deutscher Ulf Merbold aus dem Westen. Er war als einziger Deutscher dreimal im All. Der Astronaut Merbold und der Kosmonaut Jähn sind seit Jahren befreundet.

Ulf Merbold
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Mehr als 30 Jahre ist es her, dass Ulf Merbold als erster Westdeutscher ins All flog. 1983 war das, beim Jungfernflug des europäischen Raumlabors „Spacelab“. Und er war der erste Ausländer an Bord eines US-Raumschiffs überhaupt. „Erleichtert und glücklich“ sei er damals gewesen, unter mehr als 2000 Bewerbern ausgewählt worden zu sein, sagt Merbold heute.

Gefragter Gesprächspartner
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Dass Ulf Merbold als einziger Deutscher dreimal im Weltall war und auch sonst mit Rekorden aufwarten kann, lässt ihn auch nach mehr als zehn Jahren im Ruhestand nicht los. Noch immer ist der deutsche Raumfahrer ein gefragter Gesprächspartner. Dabei mahnt er vor allem immer wieder die Europäer, sich stärker einzubringen bei der Erforschung des Alls – und den Weltraum nicht den Russen, Chinesen und US-Amerikanern zu überlassen.

Die Nachfolger der beiden ersten deutschen Raumfahrer sind längst zu gefragten Experten im Weltraum geworden, wie der folgende Überblick belegt.

40 Jahre nach dem ersten Raumflug eines Deutschen, des DDR-Kosmonauten Sigmund Jähn im August 1978, bereitet sich der 41-jährige Gerst auf seine zweite Mission im All vor. Als der Geophysiker aus dem baden-württembergischen Künzelsau 2014 zum ersten Mal die Erde verließ, war er der elfte deutsche Raumfahrer und der dritte Deutsche auf der Raumstation ISS.

Gemeinsam mit dem Russen Sergej Prokopjew und der US-Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor startet Gerst nun voraussichtlich Anfang Juni für gut fünf Monate zur ISS. Dabei wird dem Astronauten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA eine besondere Ehre zuteil: Im zweiten Teil seiner Mission „Horizons“ wird er für einige Monate als erster Deutscher Kommandant der ISS.

Das bedeutet für Gerst nicht, das Team herumzuscheuchen. „Viele Leute denken, als Kommandant gibst du Kommandos. Aber so ist es überhaupt nicht“, sagt er. Natürlich sei er es, der im Notfall die Entscheidung treffen müsse. „Aber die meiste Zeit ist es meine Rolle, den Kollegen zu helfen, sicherzustellen, dass sie haben, was sie brauchen.“

Der Ort, an dem Gerst in den vergangenen Jahren viel Zeit verbracht hat, um sich auf seine Missionen „Blue Dot“ (2014) und „Horizons“ vorzubereiten, umweht der Geist der Geschichte. Schon der sowjetische Raumfahrtpionier Juri Gagarin hatte hier für seinen legendären Flug von 1961 geübt. Heute trägt das Trainingszentrum seinen Namen.

Generationen von Kosmonauten und Astronauten wurden seit den 1960er Jahren im Sternenstädtchen (Swjosdny Gorodok) ausgebildet. Bis heute ist es ein streng abgeriegelter Ort. Wachleute kontrollieren am Schlagbaum Pässe. Nur wer angemeldet ist, darf rein. „Auch ehemalige Kosmonauten wohnen hier noch“, sagt Dmitri Schukow, der hünenhafte Sprecher des Zentrums.

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