Astronomie Ein galaktischer Serienkiller

60 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt treibt ein Killer sein Unwesen, dem Astronomen am La Silla-Observatorium der Europäischen Südsternwarte ESO jetzt auf die Spur gekommen sind.
Kommentieren
NGC 1316 und ihre kleinere Nachbarin NGC 1317 (r.). Quelle: ESO

NGC 1316 und ihre kleinere Nachbarin NGC 1317 (r.).

(Foto: ESO)

BerlinZwei ferne Galaxien haben Astronomen  mit dem 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile ins Visier genommen. Die beiden Sterneninseln sind – in kosmischen Maßstäben betrachtet – direkte Nachbarn, und doch könnten die Unterschiede zwischen ihnen kaum größer sein: Die kleine Spiralgalaxie NGC 1317, das verrät ihre gleichmäßige Gestalt, hat ein vergleichsweise ruhiges Leben hinter sich, während ihre deutlich größere Schwester NGC 1316 etliche Narben einer stürmischen Vergangenheit aufweist.

Tatsächlich dürfte sich die auch als Fornax A bekannten NGC 1316 als eine Art galaktischer Serienkiller betätigt haben. Andere Galaxien, die ihr zu nahe kamen, hat sie mit ihrer Schwerkraft eingefangen und zerstört. Darauf deuten die ungewöhnlichen Staubbänder entlang des galaktischen Zentrums. Sie entstanden, als sich Fornax A vor etwa drei Milliarden Jahren eine andere, sehr staubreiche Spiralgalaxie einverleibte.

Europas Auge ins All
huGO-BildID: 7118125 Sunset view seen from the Paranal hill next to one of the four optical telescopes of the European Austral Observatory (ESO) 22 A
1 von 21

Am 5. Oktober 1962 unterzeichneten Deutschland, Belgien, Frankreich, die Niederlande und Schweden die Gründungsvereinbarung der Europäischen Südsternwarte Eso. Es war die Geburtsstunde einer der erfolgreichsten europäischen Forschungseinrichtungen.

Vor zehn Jahren begann die "Jagd" auf Planeten
2 von 21

Die Europäische Südsternwarte (Eso) betreibt in der chilenischen Atacama-Wüste an drei Standorten Teleskope, darunter das hier abgebildete VLT (Very Large Telescope). Es besteht aus vier Teleskopen, die miteinander kombiniert werden können, um Objekte noch in extremer Entfernung sichtbar werden zu lassen. Mit dem VLT ließe sich eine Ein-Euro-Münze aus einer Entfernung von 5000 Kilometern erkennen.

ESO
3 von 21

Die Bedingungen für astronomische Beobachtungen sind in der chilenischen Wüste besonders gut: Die Luft ist klar und trocken, zudem liegen die Teleskope weitab von größeren Städten mit ihren störenden Lichtquellen. Kein Wunder, dass den Astronomen immer wieder einzigartige Schnappschüsse von tief im Weltall verborgenen Objekten gelingen. Die folgende Bilder zeigen eine Auswahl.

hb_eso100
4 von 21

Diese aus mehreren Bildern verschiedener Teleskope zusammengesetzte Aufnahme zeigt die 14 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie Centaurus A. Neben dem auffälligen Staubband, das die Galaxie durchzieht, sind auch die beiden "Fontänen" gut erkennbar, die aus dem Zentrum der Sternenwelt ragen. Dabei handelt es sich um Gasströme, die durch ein Schwarzes Loch im Zentrum der Galaxie mit extremer Geschwindigkeit ins All geschossen werden.

hb_eso100
5 von 21

Ein Blick ins Herz unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Beherrschend das dunkle Staubband, in dem verborgen das Zentrum der Galaxis liegt. Eingebettet im Staub liegen - rötlich leuchtend - einige bekannte Sternentstehungsgebiete der Milchstraße wie der Lagunennebel und der Trifidnebel. Auch die farbenfrohe Region auf der rechten Bildseite enthält eine bekannte Sternenwiege, die Rho-Ophiuchi-Molekülwolke.

hb_eso100
6 von 21

Der Katzenpfoten-Nebel, rund 5500 Lichtjahre von der Erde entfernt, hat eine Ausdehnung von etwa 50 Lichtjahren. In seinem Inneren bilden sich ständig neue, sehr massereiche Sterne.

hb_eso100
7 von 21

Zu den Klassikern der Astrofotografie zählt der Pferdekopfnebel. Die auffällige Dunkelwolke, rund 1.500 Lichtjahre von der Erde entfernt, wurde von Astro-Fans bei einer Umfrage der Nasa als das Objekt bestimmt, das vom Hubble-Teleskop zu seinem 11. "Geburtstag" fotografiert werden sollte.

Die hier gezeigte ESO-Aufnahme lässt erkennen, dass der Pferdkopf kein starres Gebilde ist. Seine Staub- und Gaswolken sind in ständiger Bewegung, so dass der Nebel seine charakteristische Form in einigen Jahrtausenden verloren haben wird.

Außerdem sind um die Galaxie sehr lichtschwache Gezeitenschweife erkennbar: lange Ausläufer in Streifenform oder kugelförmige Schalen aus Sternen, die aus ihrer ursprünglichen Umgebung herausgerissen und in den intergalaktischen Raum geschleudert wurden. Diese Merkmale entstehen durch komplexe Gravitationseffekte auf die Umlaufbahnen der Sterne, wenn eine andere Galaxie ihrer eigenen zu nahe kommt.

All diese Zeichen lassen auf eine gewalttätige Vergangenheit schließen. Und nicht deutet darauf hin, dass Fornax A in Zukunft von ihrem destruktiven Verhalten Abstand nehmen wird. Denn in ihrem Zentrum arbeitet ein Motor mit extremer Zerstörungskraft: ein supermassives Schwarzes Loch.

Dessen Wüten können Astronomen anhand von Radiostrahlung nachweisen. Die Strahlung entsteht, wenn Material im Schwarzen Loch verschwindet – Material, das unter anderem von den Opfern des galaktischen Serienkillers stammt. Welche Kräfte hier am Werk sind, wird an der Intensität der Strahlung deutlich: Die 60 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernte Galaxie ist die vierthellste Radioquelle am gesamten Himmel.

  • tt
Startseite

0 Kommentare zu "Astronomie: Ein galaktischer Serienkiller"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%