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Aufbau digitaler Bibliotheken Wem gehört das Wissen der Welt?

Wer an Bibliotheken denkt, sieht Büchertempel vor sich. Regale aus dunklem Holz, staubige Buchrücken, vergilbtes Papier. Es könnte jedoch sein, dass man in einigen Jahren nur noch Internetseiten vor dem inneren Auge hat. Seit sich die amerikanische Suchmaschinenfirma Google für Bücher interessiert, ist die Welt der Bewahrer des literarischen Erbes der Menschheit aus den Fugen geraten.
  • Eva-Maria Schnurr
Werden Bibliotheken bald vollständig virtuell sein? Foto: dpa

Werden Bibliotheken bald vollständig virtuell sein? Foto: dpa

HB HAMBURG. 15 Millionen Bücher will das kalifornische Unternehmen bis 2015 digitalisieren. Internetnutzer sollen Informationen künftig nicht nur auf Web-Sites, sondern auch in den Volltexten eingescannter Bücher finden können, verspricht Google. Gestartet hat das Unternehmen mit Werken, die Verlage ihm zur Verfügung stellen. Und mit solchen aus den Bibliotheken der Universitäten Stanford, Harvard, Oxford und Michigan sowie der New York Public Library. Irgendwann einmal sollen alle existierenden Bücher im Netz stehen und über "Google Book Search" zu finden sein.

Ein Traum? Oder doch eher ein Albtraum? Das Projekt sei ein Quantensprung, vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks, schwärmt Ronald Milne, Chef-Bibliothekar der Oxforder Bodleian-Bibliothek. Von ungeahnter Demokratisierung des Wissens ist die Rede, weil künftig auch Nutzer aus Entwicklungsländern Zugriff auf die Bibliotheksbestände hätten. Google-Konkurrenten Microsoft und Yahoo starteten ein gemeinsames Gegenprojekt; sie wollen 100 000 Bände der British Library einscannen.

Doch noch lauter als die Jubelrufe schrillen die Proteste. Der amerikanische Autorenverband Authors Guild reichte ebenso Klage gegen das Projekt ein wie der amerikanische Verlegerverband Association of American Publishers - sie fürchten, dass Google Urheberrechte verletzt.

Der lauteste Protest kommt aus Frankreich. Jean Jeanneney, -Noël Direktor der französischen Nationalbibliothek, warnt davor, das kulturelle Erbe Europas könne in Vergessenheit geraten, weil nicht-englischsprachige Bücher auf Googles Agenda eine untergeordnete Rolle spielten. Kultur und Wissen würden durch Google weiter amerikanisiert und zudem von einer Privatfirma kommerzialisiert und monopolisiert.

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