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Aufbau eines neuen Instituts Ineos spendet 100 Millionen Pfund an Uni Oxford für Antibiotika-Entwicklung

Antibiotika-Resistenz tötet im Jahr genauso viele Menschen wie Corona. Die Universität Oxford und der Chemiekonzern Ineos wollen nun erstmals seit Jahrzehnten neue Antibiotika entwickeln.
19.01.2021 - 00:23 Uhr Kommentieren
Antibiotika-Forschung ist teuer und bringt für Pharmaunternehmen wenig Gewinne. Quelle: dpa
Tabletten, Kapseln und Pillen

Antibiotika-Forschung ist teuer und bringt für Pharmaunternehmen wenig Gewinne.

(Foto: dpa)

London Es ist eine der größten Spenden in der Geschichte der Universität Oxford. Der britische Chemiekonzern Ineos unterstützt die Gründung eines neuen Instituts für antimikrobielle Resistenz mit 100 Millionen Pfund. Das Geld soll die Arbeit der Forscher für fünf Jahre finanzieren.

Die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Forschern und Regierungen sei entscheidend, um die wachsende Antibiotikaresistenz in der Welt zu bekämpfen, sagte Ineos-Chef Jim Ratcliffe am Dienstag. Das neue „Ineos-Institut“ an der britischen Spitzenuniversität soll Antibiotika für Menschen und Tiere entwickeln sowie einen bewussteren Umgang mit den Medikamenten weltweit fördern.

Die Resistenz gegen Antibiotika sei die „stille Pandemie“, sagt David Sweetnam, einer der drei Initiatoren des Projekts, dem Handelsblatt. Sie töte geschätzte 1,5 Millionen Menschen im Jahr. „Wenn wir nichts unternehmen, werden im Jahr 2050 zehn Millionen Menschen sterben, weil sie gegen Antibiotika resistent sind“, sagt der praktizierende Arzt.

„Statt mit einem plötzlichen Erdbeben wie bei Corona haben wir es hier mit einem langsamen Tsunami zu tun. Das Wasser hat sich schon vom Strand zurückgezogen, und es wird uns irgendwann treffen.“

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    Der letzte große Durchbruch auf dem Feld liegt schon Jahrzehnte zurück. Eine neue Antibiotika-Klasse sei zuletzt in den 1980er-Jahren entwickelt worden, sagt Sweetnam. Er sieht bei seiner täglichen Arbeit als Chirurg, wie die einstigen Wundermittel immer weniger Wirkung zeigen. Weil die Entwicklung teuer ist und die Gewinne gering, haben Pharmafirmen keinen großen Anreiz zu forschen.

    Coronakrise als Weckruf

    Die Coronakrise soll nun als Weckruf dienen. „Die Pandemie hilft uns auf eine perverse Weise“, sagt Sweetnam. Die Bevölkerung lerne gerade, was es bedeute, wenn eine Krankheit außer Kontrolle sei. „Die Menschen verzeihen es ihren Regierungen nur einmal, unvorbereitet zu sein. Sie werden es kein zweites Mal verzeihen.“

    Die Krise zeige, dass sich die jahrelange Forschung von Firmen wie Biontech und Universitäten wie Oxford auszahle. „Wenn die Forscher nicht schon vor Jahren die Grundlage für die Impfstoffe geschaffen hätten, säßen wir noch mindestens ein weiteres Jahr im Lockdown“, sagt Sweetnam. Das Gleiche gelte für Antibiotika. Wenn die Menschen auf die alten Antibiotika nicht mehr reagierten, könne man nicht mal eben schnell neue entwickeln. „Wir müssen jetzt die Grundlagen legen.“

    Das neue Institut in Oxford soll zunächst in fünf Jahren ein Antibiotikum für Tiere entwickeln. Denn vier Fünftel aller für Menschen bestimmten Antibiotika würden weltweit in der Landwirtschaft angewendet, sagt Sweetnam. Das Ziel sei „realistisch“, sagt Sweetnam. „Wenn wir das schaffen, wäre es ein größerer wissenschaftlicher Erfolg als der Corona-Impfstoff.“

    Die 100 Millionen Pfund von Ineos sind nur das Startkapital. Um die Forschung langfristig zu finanzieren, sind mehrere hundert Millionen nötig. Die Forscher hoffen auf die Unterstützung der britischen Regierung, die das Land nach dem Brexit zu einer „wissenschaftlichen Supermacht“ machen will. Auch mit Stiftungen wie der Gates-Stiftung und dem Wellcome Trust sei man im Gespräch, sagt Sweetnam.

    Die Studien werden möglicherweise in China stattfinden. So könne man die „europäische Bürokratie“ umgehen, sagt Sweetnam. Der Forschungsleiter, Mikrobiologe Tim Walsh, hat gute Kontakte nach Peking, mehrere seiner ehemaligen Studenten bekleiden inzwischen Führungspositionen in der Regierung.

    Mehr: „Größte Spende seit der Renaissance“: Hedgefonds-Milliardär beschenkt Universität Oxford

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