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Automatisierung Roboter als rollende Mini-Bar: Robotise gewinnt erste Hotelketten als Kunden

Das Münchener Start-up hat alle Zertifizierungen für seine Service-Roboter erhalten. Das Interesse bei Hotels ist groß. Auf längere Sicht ist ein Börsengang geplant.
17.07.2021 - 11:41 Uhr Kommentieren
Bislang stießen Service-Roboter hierzulande eher auf Skepsis. Das wird sich nun ändern, glaubt Robotise.
Service-Roboter auf einem Hotelgang

Bislang stießen Service-Roboter hierzulande eher auf Skepsis. Das wird sich nun ändern, glaubt Robotise.

München Lange haben sich Service-Roboter nicht so recht durchsetzen können. In Hotels und Krankenhäusern etwa wollten Menschen lieber von Menschen versorgt werden. Der japanische Softbank-Konzern stoppte sogar mangels Nachfrage die Produktion seines menschenähnlichen Partner- und Kommunikationsroboters „Pepper“.

Oliver Stahl hingegen glaubt, dass Service-Robotern bald der Durchbruch gelingen könnte. „Corona hat bei der Akzeptanz noch einmal einen Schub gegeben“, sagt der Mitgründer und CEO des Münchener Start-ups Robotise. In Pandemie-Zeiten hilft Service-Automatisierung schließlich auch beim Abstandwahren. Zudem ist die Technik wie Sensoren und Kameras günstiger geworden.

Robotise bringt aktuell seinen Service-Roboter Jeeves großflächig auf den Markt. Schon vor drei Jahren ist das erste Pilotprojekt in München gestartet. Seit wenigen Monaten liegen nun alle notwendigen Zertifizierungen vor, alle Sicherheitsstandards sind erfüllt.

Im Radisson-Hotel am Züricher Flughafen und im Sheraton am Düsseldorfer Airport ist die Maschine bereits als rollende Minibar in den Fluren unterwegs. Der Roboter bringt den Kunden auf Anruf gekühlte Getränke und Snacks, sogar den Aufzug kann Jeeves vollautonom nutzen.

„Die Minibar ist für die meisten Hotels ein Minusgeschäft“, sagt Stahl. Jeeves könne 200 Minibars ersetzen und die Getränke auch gleich abrechnen. Der Roboter könne auch warme Essen in Hotels, Krankenhäusern oder Büros ausfahren.

Neu in der Flotte ist das Modell Jooles, das Räume und Gänge desinfizieren und leicht umgebaut zum Beispiel auch Verbrauchsmaterialien auf die Stockwerke bringen kann. „Ein Roboter kann den Menschen 700 Kilometer Laufwege im Monat abnehmen“, sagt der Robotise-Mitgründer.

Mit Service-Robotern gegen eine dünne Personaldecke

Bei den Hotels ist das Interesse groß. Robotise ist mit mehreren Ketten im Gespräch. Das Unternehmen bietet die Maschinen je nach Ausstattung und Laufzeit in einer Art „Robotic-as-a-Service“-Modell für monatlich etwa 1500 bis 2500 Euro für Hotels im deutschen Markt an und könnte laut Branchenschätzungen im zweiten Jahr des Produktstarts auf Umsätze in siebenstelliger Höhe kommen.

20 Roboter sind bislang unterwegs, 2022 sollen es über 100 sein. Zweistellige Millionenumsätze seien dann bald möglich, ist Stahl überzeugt. „Der potenzielle Markt ist riesig.“ Weltweit gebe es 185.000 Hotels und 120.000 Krankenhäuser. Vielen von ihnen fehle Personal.

Jeeves könne 200 Minibars ersetzen und die Getränke auch gleich abrechnen, sagt der Robotise-Chef. Quelle: Robotise
Roboter Jeeves im Radisson-Hotel am Züricher Flughafen

Jeeves könne 200 Minibars ersetzen und die Getränke auch gleich abrechnen, sagt der Robotise-Chef.

(Foto: Robotise)

Bislang stießen Service-Roboter – Stahl spricht lieber von kommerziellen Robotern – besonders in Deutschland und Europa auf Skepsis. Manche Unternehmen stellten ihre Entwicklungen wieder ein. Die Befürchtung ist, dass Servicetätigkeiten nur noch von Robotern erledigt werden und zum Beispiel Patienten weniger menschliche Fürsorge erhalten. Bei Robotise sieht man das ganz anders. Das menschliche Personal habe so mehr Zeit für die Patienten oder die Kundschaft, heißt es.

Autoindustrie hält sich mit Bestellungen zurück

Die Robotik-Branche kann Impulse aus dem Service-Segment gut gebrauchen. Nach jahrelanger Rekordjagd hatte die Industrie in ihren Stammgeschäften schon vor der Coronakrise erste Ermüdungszeichen gezeigt.

In der Pandemie hielten sich dann vor allem die Autobauer und ihre Zulieferer mit der Bestellung von schweren Industrierobotern zurück. Der Umsatz der deutschen Roboterhersteller etwa sank im vergangenen Jahr laut Branchenverband VDMA um 23 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro.

Der Roboter kann, so wie hier im Radisson-Hotel am Züricher Flughafen, den Aufzug vollautonom nutzen. Quelle: Robotise
Komfortabler Zugang

Der Roboter kann, so wie hier im Radisson-Hotel am Züricher Flughafen, den Aufzug vollautonom nutzen.

(Foto: Robotise)

Zuletzt hatte der Weltmarkt für professionelle Serviceroboter ein Volumen von mehr als elf Milliarden Dollar. Der Weltverband IFR rechnet mit einem jährlichen Wachstum von 31 Prozent auf 537.000 verkaufte professionelle Service-Roboter im Jahr 2023. Helfer in privaten Haushalten wie automatisierte Staubsauger oder Rasenmäher sind da nicht mit eingerechnet.

Gerade deren Siegeszug in Heim und Garten habe aber geholfen, die Akzeptanz der Service-Roboter zu erhöhen, sagt Robotise-Chef Stahl. „Ich stoße kaum noch auf Skepsis.“ So sieht sich das Münchener Start-up in einer guten Ausgangsposition für den erhofften Boom. Konkurrenten gibt es vor allem in China (Keenon Robotics) und den USA (Savioke, Aethon).

Robotise wurde als Projekt aus der TU München heraus gegründet. „Roboter haben mich immer fasziniert, ich habe schon als Kind viel Science-Fiction gelesen“, sagt Stahl, der bereits mehrere Unternehmen gegründet und bei Accenture in der Beratung gearbeitet hat. Der Name Jeeves ist letztlich auch der eines eilfertigen Dieners in Romanen des englischen Autors Pelham Grenville Wodehouse.

Robotise hat den Börsengang im Hinterkopf

Auch auf Investorenseite stößt das Geschäftsmodell auf Interesse. Robotise sammelte vor einem Jahr einen höheren einstelligen Millionenbetrag ein. „Wir sind überzeugt, dass Service-Robotik gerade in Zeiten besonderer wirtschaftlicher und personeller Herausforderungen in vielen Bereichen, vor allem auch in der Gesundheitsbranche, eine zentrale Rolle spielen wird“, sagte Georg Ried, Geschäftsführer von Bayern Kapital, das sich neben Family-Offices und Einzelinvestoren engagierte.

Gerade bereitet Robotise die nächste Finanzierungsrunde im Herbst vor. Doch die richtig großen Summen ließen sich in Deutschland allein nur schwer gewinnen, sagt der Robotise-CEO, insbesondere auch für Deep Tech und Produktunternehmen in der frühen Phase. Geduldige Venture-Capital-Geber, die nicht schon auf den Exit schielten, gebe es eher aus den USA. Um das Münchener Robotik-Unternehmen so richtig groß zu machen, wird daher wohl ein Börsengang eines Tages Thema werden.

Mehr: Deutsche Robotik-Branche kommt glimpflich durch die Krise.

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