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Autonomes Fahren Bosch will Lidar-Technologie für den Massenmarkt tauglich machen

Der Autozulieferer will Lidar-Sensoren künftig selbst entwickeln. Die Laserradar-Technologie ist unverzichtbar für die höchsten Stufen des autonomen Fahrens.
02.01.2020 Update: 02.01.2020 - 17:22 Uhr Kommentieren
Auch Bosch steigt in die Entwicklung der Laserradar-Sensoren ein. Quelle: via REUTERS
Lidar-Sensor auf einem Testfahrzeug

Auch Bosch steigt in die Entwicklung der Laserradar-Sensoren ein.

(Foto: via REUTERS)

Stuttgart Der weltgrößte Autozulieferer Bosch setzt bei der Entwicklung des automatisierten Fahrens künftig auch auf das sogenannte Laserradar (Lidar) und steigt dafür in die Serienentwicklung solcher Sensoren ein. Lidar, kurz für Light Detection and Ranging, sind Laser-Scanner, die in der Lage sind, die komplette Fahrzeugumgebung zu erfassen. Sie gelten für die höchsten Stufen des autonomen Fahrens als unverzichtbar und ergänzen Kamera- und Radarsysteme.

Lidar-Sensoren sind zudem bislang die mit Abstand teuersten Komponenten für künftige Roboterautos. Die heutigen Systeme kosten allein so viel wie ein Mittelklassewagen. Dennoch sind viele Systeme noch zu groß und nicht robust genug.

„Bosch schließt die Sensorlücke und macht automatisiertes Fahren somit erst möglich“, sagt Geschäftsführer Harald Kröger. Der Bosch-Manager würde sich so kaum äußern, wenn Bosch intern nicht schon weiter wäre.
Mithilfe von Skaleneffekten will Bosch den Preis für die aufwendige Technik senken und diese für den Massenmarkt tauglich machen.

Die hohen Kosten für die Lidar-Systeme sehen Experten neben Sicherheitsthemen als einen der Hauptgründe, warum der Durchbruch des komplett autonomen Fahrens noch auf sich warten lässt.

Die Schwaben haben nach eigenen Angaben sämtliche Anwendungsfälle automatisierter Fahrfunktionen vom Autobahnassistenten bis zum voll automatisierten Fahren in der Stadt untersucht. Wie andere große Zulieferer sind sie jetzt auch zu der Erkenntnis gekommen, dass es ohne Lidar nicht geht.

Wenn sich beispielsweise an einer Kreuzung ein Motorrad mit höherer Geschwindigkeit einem automatisierten Fahrzeug nähere, brauche es zusätzlich zu Kamera und Radar ein Lidar-System, um das Zweirad zuverlässig zu erfassen. Denn eine schmale Silhouette und Kunststoffverkleidungen seien für ein Radar schwer zu erkennen.

Schon heute führend bei Sensoren

Auch erkennt ein Radar Gegenstände auf der Fahrbahn, die kein Metall enthalten – beispielsweise einen Stein – nicht. Eine Kamera liefert im Idealfall die besten Informationen, kann aber durch ungünstigen Lichteinfall geblendet werden.

Beim Lidar sendet der Sensor Laserimpulse aus und empfängt das zurückgestreute Laserlicht. Aus der gemessenen Zeit, die das Licht für die zurückgelegte Strecke benötigt, berechnet der Sensor die Entfernung.

Bosch ist zuversichtlich, temperaturbeständige Lidar-Systeme bauen zu können, die auch ein ganzes Fahrzeugleben überdauern. Bosch zählt schon heute zu den führenden Sensorherstellern im Radar- und Kamerabereich. Die Schwaben sehen künftig einen Wettbewerbsvorteil darin, mit Lidar die komplette Sensorik für Roboterautos anbieten und optimal aufeinander abstimmen zu können.

Der Stiftungskonzern hat generell den Anspruch, Schlüsseltechnologien bei elektronischen Fahrzeugkomponenten und Systemen mit hoher Wertschöpfung selbst zu beherrschen und zu bauen. Das Unternehmen entwickelt und fertigt seit vielen Jahren millionenfach Ultraschall-, Radar- und Kamerasensoren für Fahrerassistenzsysteme im eigenen Haus. Mit diesen Systemen hat Bosch 2019 seinen Umsatz um zwölf Prozent auf rund zwei Milliarden Euro gesteigert.

Auch Künstliche Intelligenz kommt immer mehr zum Einsatz, etwa bei der neuesten Kamerageneration, die Fahrzeuge, Fußgänger oder Fahrräder erkennt und deren Bewegungen analysiert.

Auch andere Unternehmen setzen stark auf die Kombination von Lidar und weiteren Technologien, darunter die Google-Schwesterfirma Waymo, die als besonders weit bei der Entwicklung selbstfahrender Autos gilt. Tesla-Chef Elon Musk hingegen hält nichts von Lidar-Systemen.

Bosch will es ohne Zukäufe schaffen

Der jetzige Vorstoß von Bosch zeigt aber, wie wichtig es dem Konzern ist, auf Dauer auf diesem Feld der US-Konkurrenz Paroli zu bieten. Bosch will die Schlüsseltechnologie jedenfalls in Europa entwickeln.
Konkurrent ZF geht einen etwas anderen Weg. Der drittgrößte deutsche Zulieferer setzt stärker auf Kooperationen und Beteiligungen. „Wir müssen nicht alles selbst machen“, betont ein Sprecher.

Neue Kamerasysteme entwickeln die Friedrichshafener mit der Intel-Tochter Mobileye. Lücken beim Lidar versucht ZF mit dem Hamburger Laser-Spezialisten Ibeo zu schließen. Und am Ottobrunner Radarspezialisten Astyx hat sich das Unternehmen auch beteiligt.

Das autonome Fahren dürfte für die Zulieferer ein großer, aber hart umkämpfter Markt werden. Die Investmentbank Woodside Capital Partners erwartet, dass die Autoindustrie bereits bis 2024 allein für die Sensoren 4,9 Milliarden Dollar ausgibt. Und das ist erst der Anfang auf dem langen Weg zum Roboterauto.

Auch Firmen wie Valeo, Robosense und Valodyne arbeiten seit Jahren an Lidar-Technologie, mehrere Risiko‧kapitalgeber gehen große Wetten darauf ein: Start-ups haben in den vergangenen fünf Jahren 1,2 Milliarden Dollar erhalten, wie der Marktforscher CB Insights erhoben hat.

Neben Ibeo gibt es auch Start-ups wie Blickfeld, das einen nur wenige Hundert Euro teuren Lidar-Sensor bauen will. Der Spiegel, der die Laserstrahlen lenkt, wird mit Halbleitertechnologie auf einem Siliziumchip gefertigt. „Wenn sich das Verfahren bewährt, ist es vielversprechend“, sagt Daniel Göhring, Professor für Informatik an der Freien Universität Berlin, der auf die Wahrnehmung von Robotern spezialisiert ist.

Wer am Ende die Nase vorn hat – US-Spezialisten, aufstrebende Start-ups oder große Zulieferkonzerne wie Bosch –, wird spannend. Die ehrgeizigen Schwaben kommen spät, aber wollen es ohne Zukäufe schaffen.

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