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Bahntechnik Wenn die Weiche nach dem Techniker ruft

Mit neuer Digitaltechnik will die Bahn Technikpannen verhindern, die für viele Ausfälle und Verspätungen verantwortlich sind. Weichen etwa rufen neuerdings selber nach Hilfe, wenn ein Problem droht.
05.07.2017 - 15:12 Uhr Kommentieren
Bis 2020 sollen Sensoren an 30.000 Weichen bundesweit installiert sein, die bei Problemen Alarm schlagen. Quelle: dpa
Bahn will Strecken automatisch warten

Bis 2020 sollen Sensoren an 30.000 Weichen bundesweit installiert sein, die bei Problemen Alarm schlagen.

(Foto: dpa)

Hannover Eben auf der App gucken, wo die Weiche klemmt: Mit digitaler Technik will die Deutsche Bahn die für Reisende ärgerlichen Störungen an ihrem Schienennetz bekämpfen, die für rund ein Drittel aller Verspätungen und Ausfälle von Zügen verantwortlich sind. „Infrastruktur 4.0“ nennt die Bahn das Vorhaben, bei dem die Weichen an eine Art Dauer-EKG angeschlossen werden.

Sensoren sollen bis 2020 an 30.000 Weichen bundesweit installiert sein und über die reguläre Wartung hinaus Alarm schlagen, noch bevor es zu einer Störung kommt. Erfolgversprechendes Pilotprojekt im Norden ist der Hauptbahnhof Hannover, wo wichtige Weichen beim Techniker Alarm schlagen, idealerweise ehe sie ausfallen.

Das sind die aktuellen Superzüge
China: Fuxing
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Der neue Hochgeschwindigkeitszug Fuxing soll ab September 2017 auf der Strecke Peking - Shanghai eingesetzt werden. Chinas Superzug ist 350 km/h schnell und darf diese Geschwindigkeit jetzt auch wieder fahren, nachdem es über Jahre hinweg ein „Tempolimit“ von 300 km/h auf Chinas Gleisen gab.

(Foto: dpa)
China: Fuxing
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Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung war ein schwerer Unfall im Jahr 2011: Beim Zusammenstoß zweier Schnellzüge starben damals Dutzende Menschen.

(Foto: AP)
Deutschland: ICE
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Ende 2017 soll die vierte Generation des ICE in den Regelbetrieb aufgenommen werden, mit besseren Klimaanlagen, größeren Fenster und Stellplätzen für Fahrräder. Kostenloses WLAN in der 2. Klasse wird es bis dahin schon geben – das verspricht jedenfalls die Bahn.

(Foto: dpa)
Italien: Alstom Pendolino
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In Italien konkurrieren zwei Anbieter von Schnellzügen um die Kunden. Neben der Staatsbahn Trenitalia gibt es seit 2012 auch die privaten Italo-Züge. Italo bedient mit seinen schnellen und modernen Zügen des französischen Konzerns Alstom weniger Strecken als Trenitalia, setzt aber vor allem auf Komfort und Service. So gibt es in der ersten Klasse Essen am Platz, dazu kommen WLAN und die Möglichkeit eines eigenen Unterhaltungsprogramms. (Foto: pr)

Italien: Frecciarossa 1000
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Trenitalia hat vor kurzem seinen neuen Frecciarossa 1000 präsentiert, der bis zu 400 Stundenkilometer schnell fährt. Die Freccia-Züge setzen eher auf gute Verbindungen, hohe Geschwindigkeit und wenige Haltepunkte. In den Schnellzügen beider Anbieter gilt generell eine Reservierungspflicht. (Foto: dpa)

Spanien: AVE
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In Spanien hebt das staatliche Eisenbahnunternehmen Renfe vor allem die Pünktlichkeit der mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 310 Stundenkilometern fahrenden Schnellzüge hervor. Ab Herbst sollen die Waggons zunächst auf der Strecke zwischen Madrid und Barcelona mit WLAN ausgestattet werden. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE hat im Juli 1,84 Millionen Reisende transportiert und damit einen neuen Rekord aufgestellt.

(Foto: AP)
Spanien: AVE auf Jungfernfahrt (1992)
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Mit einem Streckennetz von knapp 3150 Kilometern ist das AVE-System im europäischen Highspeed-Sektor führend. In den kommenden Jahren soll das Netz für rund zwölf Milliarden um weitere 1850 Kilometer erweitert werden. Geplant sind außerdem 30 neue Züge im Wert von 2,65 Milliarden Euro.

In den drei Ampelfarben grün, gelb und rot sind die Weichen auf dem Tablett-Computer mit der App entsprechend ihres Status dargestellt. „Das ist ein Frühwarnsystem, wir können Störungen an Weichen um bis zu 50 Prozent reduzieren“, sagt Karsten Prautzsch, Diagnose- und Analyse-Referent bei der Bahn. Und das soll helfen, die Pünktlichkeit der Züge, die im ersten Halbjahr auf mehr als 81 Prozent gestiegen ist, noch zu verbessern.

Damit ein Zug an einer Weiche abbiegt oder geradeaus fährt, wird ein Schienenstück, die sogenannte Weichenzunge, nach rechts oder links bewegt, und zwar von einem Elektromotor. Dessen Kraftaufwand messen und übermitteln die Sensoren. Erreicht oder überschreitet der benötigte Stellstrom einen vorher festgelegten Grenzwert, deuten sich Probleme an. Gelb oder rot werden diese Weichen in der App markiert.

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    „Die Diagnose zielt bis auf einzelne Bauteile, das ist ein lernendes System“, meint Prautzsch. Aus der App lässt sich eine Meldung für den Techniker generieren, dieser kann über ein mobiles Endgerät den Auftrag dazu abgerufen.

    Vor Einführung des neuen Diagnosesystems DIANA wurden die Weichen – mit sechsstelligen Beschaffungskosten ein teures Bauteil im Schienennetz – in einem festen Turnus gewartet, je nach Belastung mehr oder weniger häufig. Den vorgeschriebenen Prüfrhythmus gibt es weiterhin, ergänzt aber um die Wartung zwischendurch, wenn die Messwerte auf drohende Probleme hinweisen. In das Diagnosesystem investiert die Bahn bundesweit und einmalig einen zweistelligen Millionenbetrag.

    Auf Regionalstrecken ist weiter Muskelkraft gefragt
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