Bahntechnikmesse Innotrans Chinesischer Bahn-Konkurrent CRRC hält die Branche im Bann

Der chinesische Konzern sorgt mit einem futuristischen Metrozug für Aufmerksamkeit. Die europäische Konkurrenz fühlt sich von der Politik ausgebremst.
Kommentieren
Der Herausforderer von Alstom und Siemens aus China will Aufmerksamkeit. Quelle: dpa
U-Bahn-Zug von CRRC auf der Innotrans

Der Herausforderer von Alstom und Siemens aus China will Aufmerksamkeit.

(Foto: dpa)

BerlinHenri Poupart-Lafarge, Chef des französischen Bahntechnikkonzerns Alstom und designierter CEO des deutsch-französischen Industriechampions Siemens Alstom, ist unsicher: Soll er überhaupt beim großen chinesischen Konkurrenten CRRC vorbeischauen? Schließlich ist sein Terminkalender auf der weltgrößten Bahntechnikmesse Innotrans in Berlin prall gefüllt.

Doch Poupart-Lafarge nimmt sich die Zeit, und tatsächlich lohnt sich der Gang: An Stand 4/109 ist der schwarz lackierte „Cetrovo“ zu sehen, den der Hersteller CRRC nicht ganz uneitel als „Next Generation“ der Metrozüge bezeichnet. Ein mit rotem Tuch halb verhüllter Publikumsmagnet. Weniger, weil der Zug 140 Kilometer in der Stunde fahren kann, wo gängige Metros allenfalls mit 80 Kilometern unterwegs sind.

Viel interessanter sind die Fenster des ausgestellten Zuges. Es sind Displays. Während der Fahrt werden dort Filme oder Informationen aufgespielt, Fahrgäste können auf dem Riesentouchscreen ihr eigenes Programm zusammenstellen.

Wenige Meter weiter präsentiert Siemens Mobility seinen Rhein-Ruhr-Express (RRX), derzeit der Stolz des Technologiekonzerns. Im Dezember startet der Regelbetrieb zwischen Dortmund und Düsseldorf. Ein Milliardenauftrag und technischer Clou: Die wärmegeschützten Fenster blockieren Mobilfunk nicht mehr, sie verstärken sogar die Leistung. Der mobile Fahrgast von heute dürfte das allerdings schon als selbstverständlich ansehen.

CRRC dagegen spielt mit der Zukunft. Wozu genau digitale Fenster im praktischen Betrieb der Züge gut sein sollen, weiß noch niemand. Sicher ist: Der Herausforderer von Alstom und Siemens aus dem Reich der Mitte will Aufmerksamkeit. Und er bekommt sie auch.

Grafik

Der Riese aus China (Bahntechnikumsatz 18 Milliarden Euro) ist einer der Gründe dafür, warum Siemens Mobility und Alstom fusionieren wollen. Überall in der Welt seien starke Konkurrenten entstanden, sagte Alstom-Chef Poupart-Lafarge in Berlin am Rande der Bahntechnikmesse.

In China, Japan, Korea und Indien. CRRC war erst vor zwei Jahren aus der Fusion zweier Unternehmen gebildet worden. Und in Japan wird gerade eine weitere Neuordnung der Branche diskutiert, aus der Hitachi gestärkt hervorgehen könnte. In den USA wollen sich der Lokbauer GE Transportation und der Ausrüster Wabtec zusammenschließen.

Bereits viele Deals mit europäischen Unternehmern

Das verschärft die Konkurrenz für Alstom und Siemens und sollte die Wettbewerbskommission der Europäischen Union dazu bewegen, ihre starken Bedenken gegen einen Zusammenschluss aufzugeben. Davon jedenfalls ist Poupart-Lafarge überzeugt. Die letzte Prüfung des Bahntechnikmarktes liege schon lange zurück, seitdem hätten sich die Wettbewerbsbedingungen stark verändert. Einen Plan B, falls Brüssel die Fusion vereitelt, hat Alstom jedenfalls nicht: „Ich erwarte nicht, dass der Plan gestoppt wird“, sagte er.

Im Juli hatte die Wettbewerbskommission eine vertiefte Prüfung der Fusion angekündigt. Und bei dieser Gelegenheit auch gesagt, sie glaube nicht, dass CRRC schon bald in Europa Fuß fassen und die Industrie Europas bedrängen werde. Poupart-Lafarge sieht das ganz anders: „Sie sind schon da.“

Der Alstom-CEO verweist auf eine Vielzahl von Deals mit europäischen Unternehmen. So habe CRRC gerade der Deutschen Bahn Rangierlokomotiven verkauft, die Übernahme des tschechischen Lokbauers Skoda sei nur knapp gescheitert.

Auch das jüngste Geschäft mit der Deutschen Bahn nutzt CRRC, um sich in Berlin in Szene zu setzen. Gerade einmal drei Monate nach Vertragsunterzeichnung steht die „DE-Hybrid Shunting Locomotive“ schon zur Besichtigung bereit. Allerdings muss sie noch zugelassen werden auf deutschen Schienen.

Die Bahnindustrie ist ohnehin besorgt, dass nach ihrer Ansicht staatlich gestützte Konkurrenten wie CRRC und der wachsende Protektionismus in vielen Ländern die bislang führende europäische Industrie in Schwierigkeiten bringen könnten. 450.000 Menschen beschäftigt die Branche laut Verband Unife in Europa, gut 50.000 sind es in Deutschland.

Drei große Spieler haben ihren Sitz in Europa: Siemens in Deutschland, Alstom in Frankreich, und auch Bombardier Transportation, Tochter des kanadischen Bombardier-Konzerns, ist in Berlin angesiedelt.

Die Industrie fordert deshalb von der EU und den Nationalstaaten besseren Schutz, etwa gegen Anbieter aus Ländern, die selbst Protektionismus betreiben.

Startseite

0 Kommentare zu "Bahntechnikmesse Innotrans: Chinesischer Bahn-Konkurrent CRRC hält die Branche im Bann"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%