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Biologie Eine Fliege wird zum Ameisenhenker

Eine kleine Fliege hat eine makabre Art der Brutpflege entwickelt: Ihre Jungen ernähren sich von Gehirn winziger Ameisen – und enthaupten ihre Opfer dabei.
03.07.2012 - 14:10 Uhr Kommentieren
Für Ameisen kann die Begegnung mit Buckelfliegen tödlich enden. Quelle: picture-alliance

Für Ameisen kann die Begegnung mit Buckelfliegen tödlich enden.

(Foto: picture-alliance)

Heidelberg Die winzigen Buckelfliegen sind nicht zimperlich: Sie unterwandern gewohnheitsmäßig Ameisenstaaten, um deren Einwohner als lebende Fleischtheke für den eigenen Nachwuchs zu missbrauchen. Dazu legen die Fliegen ihre Eier in die unglücklichen Koloniebewohner – sobald die Maden schlüpfen, beginnen sie sich durch den Wirt zu futtern, bis sie das Gehirn fast völlig verspeist haben. Schließlich fällt der Kopf der Ameise ab, und die satten Jungfliegen verlassen ihr Opfer durch die Bruchstelle.

Sehr kleine Sechsbeiner, dachten Forscher bisher, sollten vor solchen Attacken allerdings geschützt sein – und zwar schlicht, weil sie den Fliegenschmarotzern nicht genug Platz und Futter bieten würden. Aus Thailand bringt der Entomologe Brian Brown nun aber schlechte Nachrichten für alle Freunde der Miniameisen mit: Dort lebt mit der bislang unbekannten kleinsten Buckelfliege der Welt wohl auch der winzigste aller Ameisenhenker.

Der Buckelfliegenforscher vom Naturhistorischen Museum des Bezirks Los Angeles hatte die neuen Mikrofliegen der Art Euryplatea nanaknihali beim Durchmustern der südostasiatischen Fauna beinahe übersehen, weil sie gerade einmal 0,4 Millimeter messen. Das macht sie zum kleinsten bekannten Zweiflügler; der bisherige Rekordhalter, auch eine Buckelfliege, ist fast doppelt so lang.

Der winzige Neufund erreicht gerade einmal die Dimensionen eines Komplexauges unserer Stubenfliege – und ist somit auf jeden Fall klein genug, um seine Larve bequem im Kopf auch der winzigsten thailändischen Ameisen unterzubringen.

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    Ob die Minibuckelfliege tatsächlich Ameisen parasitiert, bleibt bisher aber unklar, gibt Brown zu bedenken: In flagranti hat er die Fliegenlarven noch nicht erwischt. Eine bohrstachelartige Apparatur am Hinterleib der Fliegen spricht allerdings Bände, und da nahezu alle näheren Verwandten von E. nanaknihali Ameisen köpfen, ist von der kleinen Buckelfliege keine Ausnahme zu erwarten.

    Der Minischmarotzer dürfte sich vielmehr auf die winzigen, von anderen Buckelfliegen vernachlässigten Wirtsarten spezialisiert haben, vermutet Insektenkundler Brown. Die passende Größe hätte in Thailand zum Beispiel die Ameise Crematogaster rogenhoferi, die selbst rund zwei Millimeter lang ist – mit Kopf.

    • Jan Osterkamp
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