Biologie Markierte Fische sind leichtere Beute

Um die Wanderungen von Tieren zu untersuchen, markieren Wissenschaftler gerne einzelne Exemplare mit Peilsendern. Zumindest für Fische kann diese Kennzeichnung aber höchst fatale Folgen haben, wie Forscher ermittelten.
Kommentieren
Kegelrobben sind sehr lernfähig und machen sich die Geräusche der Peilsender für ihre Beutezüge zunutze. Quelle: dpa

Kegelrobben sind sehr lernfähig und machen sich die Geräusche der Peilsender für ihre Beutezüge zunutze.

(Foto: dpa)

Mit einem Sender markierte Fische, deren Wanderungswege die Wissenschaft erforschen will, werden offenbar zur leichten Beute für Robben: Versuche mit Kegelrobben in Gefangenschaft hätten ergeben, dass diese rasch lernten, den von den Sendern ausgestrahlten Ton als Zeichen für eine leichte Beute zu erkennen, berichteten britische Forscher am Mittwoch im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

In Untersuchungen zum Überleben oder zur Wanderung von Fischen werden solche Sender mit Ultraschallfrequenz häufig eingesetzt. Frühere Studien hatten bereits die Vermutung erbracht, dass die Töne der Sender, die für die Fische nicht wahrnehmbar sein sollen, von manchen natürlichen Feinden gehört werden können. Die nun veröffentlichte Untersuchung ist aber die erste Studie, die nachweist, dass Robben es sogar lernen können, diese Töne als Zeichen für eine leichte Beute einzuordnen.

Ein Frosch für Prinz Charles
spektrum4
1 von 10

Hyloscirtus princecharlesi

Dieser kleine Frosch ist ein echter Prinz, oder zumindest heißt er wie einer. Hyloscirtus princecharlesi wurde nach dem britischen Thronfolger Prinz Charles benannt. Gut zu erkennen ist der Frosch an seiner markanten Färbung: Orange Tupfen auf schwarzem Untergrund.

Der ungewöhnliche Name soll auf die Naturschutzprobleme im Heimatland des Tieres aufmerksam zu machen. Der knapp sieben Zentimeter große Frosch ist in den Regenwäldern Ecuadors zu Hause. Dort hält er sich in Büschen und Sträuchern rund um Wasserläufe auf. Prinz Charles setzt sich seit Jahren für die Erhaltung und den Schutz des Lebensraums bedrohter Amphibien im Regenwald ein und ist damit der ideale Namenspate.

spektrum8
2 von 10

Anophthalmus hitleri

Als dieser blinde Höhlenkäfer 1937 erstmals beschrieben wurde, nannte ihn der Entdecker nach seinem großen Idol: Adolf Hitler. Anophthalmus hitleri ist ein räuberisch lebender Höhlenbewohner, seine Heimat ist Slowenien. Die Art ist bei Sammlern aus bestimmten Kreisen sehr beliebt: Nicht nur Museumsexemplare werden entwendet, A. hitleri wird auch aus seiner natürlichen Umgebung gefangen, auch wenn das verboten ist.

Von der Wissenschaft dagegen wird der Laufkäfer weitestgehend ignoriert. Viele Museen weigern sich sogar, das 5 Millimeter große Tier auszustellen. So kommt es, dass die Art A. hitleri inzwischen vor der Ausrottung steht, weil sich niemand für seine Rechte stark machen will. Eine Umbenennung wurde zwar häufig gefordert, doch nie durchgesetzt. Denn bei der Benennung neuer Arten gilt das Recht des Erstbeschreibers.

spektrum15
3 von 10

Wunderpus photogenicus     

Die englischsprachigen Entdeckern des gestreiften Oktopusses ließen sich von der deutschen Sprache inspirieren: Der "Wunderpus" ist ein "wunderbarer Oktopus". Oder, wenn man es noch wörtlicher nehmen will, ein "Wunderfuß", denn "pus" leitet sich vom griechischen Wort für Fuß ab. Als ob das nicht genug wäre, hängten die Entdecker dem hübschen Tier noch noch den Begriff "photogenicus" an.

Wunderpus photogenicus lebt vor allem in den Gewässern zwischen den malaysischen und indonesischen Inseln. Dort jagt er meist bei Morgen- oder Abenddämmerung und überrascht kleine Krustentiere und Fische im Sand. Manchmal steckt er auch seine langen Arme in kleine Höhlen und sucht dort nach Beute. Die auffällige Zeichnung von Wunderpus photogenicus ist besonders gut sichtbar, wenn er gestört wird oder Angst hat. Sie dient dann als abschreckende Signalfarbe.

spektrum14
4 von 10

Zyzzyxdonta 

Diese beiden Schneckengattungen mogeln sich an Anfang und Ende jeder alphabetischen Aufzählung: Aaadonta und Zyzzyxdonta. Ihr Entdecker Alan Solem schrieb, die beiden Schneckenhäuser hätten so unterschiedliche Formen, dass es nur logisch sei, wenn ihre Namen ebenso weit auseinander lägen.

Aaadonta und Zyzzyxdonta sind beide Landlungenschnecken, die auf kleinen Inseln im pazifischen Ozean leben. Sie können dort unter Steinen, auf Pflanzen oder Bäumen gefunden werden. Allerdings sind viele Arten beider Gattungen vom Aussterben bedroht und werden auf der roten Liste der bedrohten Tierarten geführt.

spektrum3
5 von 10

Scaptia beyonceae     

Ihre Namenspatin hat ein Faible für glitzernde Bühnenoutfits und einen berühmten Hintern – kein Wunder, dass die Fliege mit dem goldenen Hinterteil nach Sängerin Beyonce Knowles benannt wurde. Das Insekt ist nur neun Millimenter groß und gehört zu dem Bremsen. Sie ist in Australien beheimatet und es wurden erst drei Exemplare ihrer Art gefunden, alle weiblich. Noch dazu wurde das erste Tierchen 1981 in Beyoncés Geburtsjahr gefunden.

Diese Gemeinsamkeiten reichten dem Wissenschaftler Bryan Lessard von der australischen Insektensammlung in Canberra aus, um die Fliege 2011 nach seinem Lieblingspopstar zu benennen. Lessard ist es wichtig, den eher schlechten Ruf der Pferdebremse zu bessern und betont, dass nicht alle Bremsen fiese Blutsauger sind. Die Art, die er Popstar Beyoncé widmete, ernähre sich von Nektar und helfe so beim Bestäuben von Blüten, ähnlich wie Hummeln.

spektrum5
6 von 10

Basfia succiniciproducens     

Basfia sollte eigentlich eher BASFia geschrieben werden. Das Bernsteinsäure produzierende (succinic = Bernsteinsäure) Bakterium wurde tatsächlich nach dem großen deutschen Chemiekonzern benannt. Basfia succiniciproducens ist ein stäbchenförmiges, unbewegliches Bakterium. Es lebt anaerob, kommt also ohne Sauerstoff aus und zersetzt normalerweise den Nahrungsbrei in Kuhmägen. Im Ludwigshafener Labor von BASF isolierte man Basfia succiniciproducens erstmals 2008 aus einem Rindermagen.

Die Forscher hatten gezielt nach einem Bakterium gesucht, das durch Gärung Bernsteinsäure herstellen kann, denn diese ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die chemische und pharmazeutische Industrie. B. succiniciproducens wurde also zu Ehren des Unternehmens "das von der BASF isolierte, bernsteinproduzierende Bakterium" genannt. Inzwischen hat sich der Chemiekonzern sein Bakterium patentieren lassen und stellt damit in industriellen Mengen Bernsteinsäure her.

spektrum6
7 von 10

Denhama aussa

"Den haben wir raus!" oder "denhama aussa", wie man in Wien sagen würde, soll der österreichische Zoologe Franz Werner gerufen haben, als er die Stabschrecke 1912 endlich bestimmt hatte. Die Geschichte erzählt weiter, dass Werner das Insekt nach seinem freudigen Ausruf benannte. Da das Tier in Denham, Australien gefunden wurde, könnte allerdings auch eine Ortsangabe hinter dem Namen stecken.

Stab- oder Gespenstschrecken sind pflanzenfressende Insekten, die durch ihre seltsamen Körperformen an Äste oder Blätter erinnern. Die weibliche Form von Denhama aussa ist bis zu sechs Zentimeter lang, die Männchen sind etwas kleiner. Man findet sie sowohl im Westen als auch im Süden Australiens.

Für den Versuch wurden zehn junge Kegelrobben, die zuvor nie mit solchen Sendern in Berührung gekommen waren, in einem Wasserbecken mit zwanzig Kästen ausgesetzt. In die Kästen wurden markierte und unmarkierte Fische nach dem Zufallsprinzip eingesetzt; dann wurden 20 „Fressversuche“ gestartet. Wie sich zeigte, fanden die Kegelrobben die markierten Fische in den späteren Versuchen deutlich schneller. Die Robben hätten somit „die angelernte Nutzung der akustischen Markierung für das Auffinden von Essen“ aufgezeigt, so die Forscher.

Bei jedem neuen Versuch benötigten die Kegelrobben rund fünf Prozent weniger Zeit, um den Kasten mit dem Sender darin zu finden. Und sie schwammen sehr viel häufiger zu den Kästen mit den markierten Fischen als zu leeren Kästen oder zu Kästen mit Fischen ohne Sender.

Die Wissenschaftler vermuten, dass ähnliche Auswirkungen auf das Ökosystem auch für andere vom Menschen markierte Tierarten wahrscheinlich seien. So könnten markierte Haie womöglich weniger erfolgreich bei der Jagd nach Beute sein, weil Robben oder andere potenzielle Beutetiere das Signal registrieren und rechtzeitig die Flucht ergreifen. Daher sollten bei der Nutzung von akustischen Markierungen alle Auswirkungen auf die Umwelt bedacht werden, raten die Forscher.

  • afp
  • Paris
Startseite

0 Kommentare zu "Biologie: Markierte Fische sind leichtere Beute"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%