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Biotechnologie Start-up Origin Bio will Petrochemikalien überflüssig machen

Nachhaltig produzierte Rohstoff-Alternativen könnten vor einem Boom stehen. Jens Klein sammelt mit seiner Biotech-Firma nun bei Investoren 15 Millionen Dollar ein.
29.05.2021 - 11:30 Uhr Kommentieren
Der Chef von Origin Bio sieht für seine synthetischen Rohstoffe viele Einsatzmöglichkeiten, von Autos über Kosmetik bis zu Lebensmitteln. Quelle: Origin Bio
Jens Klein

Der Chef von Origin Bio sieht für seine synthetischen Rohstoffe viele Einsatzmöglichkeiten, von Autos über Kosmetik bis zu Lebensmitteln.

(Foto: Origin Bio)

München Als Chef der Firma Amsilk hat Jens Klein synthetische Spinnenseide produzieren lassen. Nun will er Rohstoffe für Produktionsprozesse biologisch nachbilden, die normalerweise von der Chemieindustrie unter Einsatz von Öl gefertigt werden. „Auf längere Sicht wollen wir Petrochemikalien komplett überflüssig machen“, sagt Klein dem Handelsblatt.

Eine Reihe von Investoren konnte Klein jetzt von seiner Idee überzeugen. Unter Führung von EQT sammelte das von ihm mitgegründete Start-up Origin Bio jetzt 15 Millionen Dollar ein. Mit dabei sind der bisherige Investor Blueyard Capital sowie mehrere neue Geldgeber.

Origin Bio ist auf dem Feld der synthetischen Biologie aktiv. Das Start-up entwickelt Mikroorganismen, die die gleichen und verbesserte Rohstoffe herstellen können, wie sie die Petrochemie herstellt. „Wir brauchen alternative Herstellungsformen für Materialien, die aus natürlichen Ressourcen gefertigt werden, ebenso wie bei künstlich Produzierten“, sagt Klein.

Der Energieverbrauch sei bei Einsatz industrieller Biotechnologie geringer und es entstehe viel weniger Abfall. Für Klein geht es „um den Weg vom explorativen Wirtschaften hin zu einem generativen Wirtschaften“.

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    Potenzielle Einsatzbereiche sieht Klein viele. So lassen sich mit biotechnologischen Methoden zum Beispiel Schmierstoffe für Großgeräte oder Autos herstellen. Vorstellbar ist auch die Produktion von Fettsäuren durch mikrobielle Fermentierung. Diese könnten in Lippenpflegestiften verwendet werden, in denen bei Tests aromatische Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl nachgewiesen wurden.

    Als weiteres Beispiel nennt Klein Geschmacksstoffe wie Vanille. Auf natürlicher Basis sei diese sehr teuer. Daher werde oft synthetische Vanille verwendet, ein Nebenprodukt aus der Papierindustrie oder ein Derivat aus Steinkohleteer. Biotechnologisch könne man ein Bio-Vanillin durch mikrobielle Fermentierung herstellen.

    Nachhaltigkeit ist derzeit vor allem in der Konsumgüterindustrie das große Thema. So bringt Adidas in diesem Jahr einen Stan-Smith-Schuh aus regenerativem Pilzmyzel heraus. Bis 2025 sollen neun von zehn Artikeln des Konzerns mit nachhaltigen Materialien hergestellt sein.

    Klein will den Erfolg von Amsilk wiederholen

    Mit Origin Bio bewegt sich Klein auf ähnlichem Terrain wie zuletzt bei Amsilk. Die natürliche Gewinnung von Spinnenseide – das Melken von Seidenspinnen – ist aufwendig und teuer. Zudem müssen laut Tierschutzorganisation Peta für ein einziges Seidenkleid 50.000 Raupen getötet werden.

    Für die künstliche Seide werden Kolibakterien genetisch so manipuliert, dass sie in großen Stahltanks den Eiweißstoff produzieren. Am Ende der Nutzungsdauer sind die Produkte komplett abbaubar. Zum Einsatz kommt die synthetische Spinnenseide in der Kosmetikindustrie, bei Implantaten und in Textilien. Amsilk hat es unter Kleins Führung zu Millionenumsätzen gebracht. Diese Erfolgsgeschichte will er jetzt wiederholen.

    Klein hatte in Deutschland Betriebswirtschaft studiert und in New York seinen MBA gemacht. Später arbeitete er unter anderem für eine Unternehmensberatung und einen Mittelständler, der von Evonik übernommen wurde. Für den Chemiekonzern war er dann in Führungspositionen tätig.

    Die Investoren sind überzeugt, dass Origin Bio in dem neu entstehenden Markt eine wichtige Rolle spielen kann. „In Europa herrscht das richtige politische Klima, um einen globalen Champion hervorzubringen“, sagte Gregory Bernstein von EQT. „Es steht ein neues Zeitalter in der Herstellung von Gütern bevor, in dem synthetische Biologie das Potenzial hat, die Beziehung der Menschheit zur Natur und deren begrenzten Ressourcen zu erneuern.“

    Den Erlös aus der Finanzierungsrunde will Klein vor allem in die Weiterentwicklung der Technologie und den Aufbau eines Mitarbeiterstabs stecken. Langfristig hat er große Ziele. „Unsere Ambition ist es, in zehn Jahren in einer Liga mit BASF, Bayer und Dupont mitzuspielen.“

    Mehr: Aktionäre von Exxon Mobil fordern mehr Nachhaltigkeit.

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