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Blue Origin Ambitionierter Weltraumflug geglückt: Amazon-Gründer Jeff Bezos kehrt sicher zurück zur Erde

Die New Shepard ist wieder auf der Erde gelandet. Doch der erste bemannte Flug von Blue Origin ist nur ein kleiner Schritt zu einem viel ehrgeizigeren Vorhaben: dem Wettbewerb mit Elon Musk.
20.07.2021 Update: 20.07.2021 - 15:56 Uhr 1 Kommentar

Jeff Bezos kehrt nach Weltraumausflug sicher auf die Erde zurück

New York „Three, two, one and Lift off.” Amazon-Gründer Jeff Bezos ist am Dienstag erfolgreich in den Weltraum gestartet. Die Trägerrakete New Shepard seines Unternehmens Blue Origin verließ das Launch-Pad mit leichter Verspätung um 15.12 Uhr deutscher Zeit und katapultierte Bezos und seine drei Mitstreiter in den Weltraum.

„Oh, wow, wow, wow“, jubelte Bezos wenige Minuten später. Alles funktionierte nach Plan. Sieben Minuten nach dem Start landete die Rakete wieder in Texas, nachdem die Kapsel mit Bezos und Team gut vier Minuten lang Schwerelosigkeit genießen konnte. Kurz danach öffneten sich die Fallschirme, mit denen die Kapsel langsam und sanft wieder auf der Erde landete.

Touchdown war um 15.22 deutscher Zeit. „Willkommen auf der Erde“, begrüßte die Bodencrew die Astronauten. „Der beste Tag aller Zeiten“, fasste Bezos seine ersten Eindrücke über Lautsprecher zusammen.

Begleitet wurde Bezos von seinem Bruder Mark, der prominenten Pilotin und Ausbilderin Mary Wallace Funk sowie von dem 18-jährigen Niederländer Oliver Daemen, dessen Familie die Teilnahme in einer Auktion erworben hat. Bezos hatte den Sitz im Juni versteigert. Funk ist mit 82 Jahren nun die älteste Person, die im Weltraum war. Daemen ist die jüngste Person.

Eine Reihe von Astronauten vor ihnen sind bereits in den Weltraum gereist. Doch es ist das erste Mal, dass ein Zivilist mit seinem eigenen Unternehmen die sogenannte „Kármán-Linie“ überschreitet, die 100 Kilometer über dem Meeresspiegel liegt und von einigen Experten als wahre Grenzline zum All bezeichnet wird.

Der Start war um 15.12 Uhr deutscher Zeit.
Trägerrakete New Shepard

Der Start war um 15.12 Uhr deutscher Zeit.

Für Blue Origin war es der erste bemannte Flug. Das Datum hat Bezos, der reichste Mann der Welt, bewusst gewählt: Es ist der 52. Jahrestag der Mondlandung und der Amazon-Gründer erfüllte sich damit einen Lebenstraum.

Alles war perfekt inszeniert. Hubschrauber kreisten vor dem Start um das Launch-Pad, um möglichst viele gute Bilder festzuhalten. Überall waren Fotografen mit dabei. Blue Origin hatte seinen eigenen Livestream mit eigenen Moderatoren und Experten. Medien waren nicht vor Ort zugelassen.

Zu den maßgeschneiderten blauen Raumfahrtanzügen trugen Bezos und Co. Cowboyhüte und Omega-Uhren, die mit ihrem Namen und dem Logo von Blue Origin graviert sind. Kurz bevor sie das Trainingszentrum verließen, bekam jeder noch eine spezielle Münze, die sie mit in den Weltraum nahmen.

Die New Shepard startete von der texanischen Wüste aus, nahe dem 1800 Einwohner großen Ort Van Horn im Südwesten des Bundesstaats.

Bezos ließ sich nach der Landung im Champagnerbad feien. Doch der Flug am Dienstag ist nur ein kleiner Schritt zu einem viel ehrgeizigeren Vorhaben: Blue Origin will Regierungsaufträge bekommen und somit SpaceX Konkurrenz machen. Doch es wird schwierig werden, das Unternehmen von Elon Musk einzuholen.

Insgesamt waren Bezos und seine Begleiter etwa elf Minuten unterwegs. Quelle: Blue Origin
Die Sitze in der Rakete

Insgesamt waren Bezos und seine Begleiter etwa elf Minuten unterwegs.

(Foto: Blue Origin)

Seit der Gründung von Blue Origin im Jahr 2000 hat Bezos Milliarden in sein Unternehmen gesteckt. Die Wachstumsaussichten für die Branche sind verlockend: Schätzungen von Morgan Stanley zufolge soll sich das Geschäft mit dem Weltraum bis 2040 verdreifachen, auf über eine Billion Dollar – vorausgesetzt, es gibt keine Rückschläge bei den technologischen Entwicklungen. Mondlandungen könnten dann zur Routine werden, genauso wie Weltraumtourismus und „Asteroid Mining“, bei dem in Asteroiden vorhandene Rohstoffe abgebaut werden.

Die großen Regierungsaufträge, auf die es Blue Origin abgesehen hat, sorgen nicht nur für hohe und verlässliche Umsätze, sondern auch für Glaubwürdigkeit in der Branche. Bezos, dessen Vermögen auf 204 Milliarden Dollar geschätzt wird, scheut dafür keine Kosten. Jedes Jahr hat er Amazon-Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar verkauft, um Blue Origin zu finanzieren. Nach der Gründung des Start-ups kaufte er riesige Flächen Land im Westen von Texas.

Das Unternehmen mit seinen 3500 Mitarbeitern hat heute auch Ableger in Florida, Kalifornien, Alabama und Washington DC. Die Zentrale liegt außerhalb von Seattle, wo auch Amazon sein Hauptquartier hat. Finanzdaten veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Grafik

Schon bei Amazon war Bezos für seine großen Investitionen in Innovation und Infrastruktur bekannt. Nun wendet er die Strategie auch bei Blue Origin an. Doch SpaceX ist weit voraus: Musk konnte in den vergangenen 14 Jahren 52 Aufträge von der Weltraumbehörde Nasa und vom US-Verteidigungsministerium für sich gewinnen, im Wert von insgesamt 2,8 Milliarden Dollar.

Blue Origin konnte ebenfalls bereits Aufträge abgreifen. Im April etwa war Bezos’ Unternehmen eines von dreien, das im Auftrag der US-Regierung ein Konzept für ein Raumfahrzeug mit Atomantrieb entwickeln sollte. Insgesamt belaufen sich die Umsätze aus insgesamt 33 Regierungsaufträgen jedoch nur auf knapp 500 Millionen Dollar, wie aus einer Analyse des „Wall Street Journal“ hervorgeht.

Streit um Auftrag der Nasa

Mit SpaceX streitet sich Blue Origin aktuell um einen Auftrag der Nasa, um die nächste Mondlandefähre zu bauen. Musks Unternehmen hatte den 2,9 Milliarden Dollar schweren Zuschlag bereits erhalten. Es soll zum ersten Mal seit 1972 Astronauten auf den Mond bringen.

Doch Blue Origin legte Widerspruch ein, weil das Vergabeverfahren angeblich fehlerhaft gewesen sei und die Anforderungen in letzter Minute geändert worden sein sollen. Eine Entscheidung wird nun für Anfang August erwartet. Möglicherweise muss die Nasa den Auftrag neu ausschreiben.

Drei riesige Fallschirme haben die Kapsel abgebremst und sanft zurück auf die Erde gebracht. Quelle: Blue Origin
Flug ins Weltall

Drei riesige Fallschirme haben die Kapsel abgebremst und sanft zurück auf die Erde gebracht.

(Foto: Blue Origin)

Wie SpaceX will auch Blue Origin wiederverwertbare Raketen einsetzen, um die Kosten zu senken. Zuletzt gab es jedoch immer wieder Verzögerungen. Während die Trägerrakete New Shepard speziell für Weltraumtouristen entworfen wurde, zielt die New Glenn dagegen auf schwere Cargo-Ladungen ab, die Blue Origin in den Orbit transportieren will. Der erste Flug musste verschoben werden und ist nun für Ende 2022 geplant.

Während sich Bezos als Astronaut inszeniert, knirscht es offenbar an anderer Stelle. Für die United Launch Alliance (ULA), ein Joint Venture der Rüstungskonzerne Boeing und Lockheed Martin, entwickelt Blue Origin einen Raketenantrieb, der Satelliten für das Pentagon und für Geheimdienste ins All bringen soll.

Doch die Entwicklung sei verspätet, wie der Branchendienst „Ars Technica“ berichtete. Das sorge bei ULA für Frust, wie ein Brancheninsider dem Bericht zufolge beklagte: „Man macht sich große Sorgen, dass Blue Origin dem Projekt nicht genügend Aufmerksamkeit und Priorität einräumt.“

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1 Kommentar zu "Blue Origin: Ambitionierter Weltraumflug geglückt: Amazon-Gründer Jeff Bezos kehrt sicher zurück zur Erde"

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  • Wie pervers muss man denn sein, um ein Champagnerbad zu nehmen? Wie abgehoben sind diese Typen eigentlich? Für den Rest der Menschheit wäre es wahrscheinlich besser, wenn die nächsten Aktionen dieser Art schiefgehen.

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