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Colin Angle iRobot-CEO: „Vorwerk ist in einer schwierigen Situation“

Der US-Saugroboterhersteller iRobot musste Teile der Produktion wegen des Handelskriegs verlagern. CEO Colin Angle glaubt dennoch, dass seine Roboter der deutschen Konkurrenz überlegen sind.
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Der Gründer und CEO von iRobot sieht seine automatisch putzenden Roboter gut für die Zukunft gerüstet. Quelle: Reuters
Colin Angle

Der Gründer und CEO von iRobot sieht seine automatisch putzenden Roboter gut für die Zukunft gerüstet.

(Foto: Reuters)

Hamburg Staubsaug-Roboter sind ein Milliardengeschäft: 5,6 Milliarden Dollar erreichte der Markt 2018, für 2025 prognostizieren Marktforscher 19 Milliarden Dollar. Colin Angle hat seine neuste Kollektion mitgebracht in den Konferenzraum eines Hamburger Hotels: zwei kleine Wischroboter, zwei mittelgroße Staubsaugroboter – und ein ziemlich klobiger Rasenmäh-Roboter.

„Wir geben 150 Millionen Euro im Jahr für Forschung und Entwicklung aus und reklamieren für uns, jedes neue Feature als erste gehabt zu haben“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dabei muss sich iRobot auch dem weltweiten Konkurrenzkampf stellen, insbesondere dem mit günstigeren Geräten.

„Die Zeiten, in denen die billigen Geräte gar nicht funktionieren, sind vorbei“, weiß Angle, der gleichzeitig auch die Nachteile für Anbieter von günstigeren Geräten sieht. „Dabei werden die Hersteller von billigen, aber nicht-intelligenten Robotern unter 200 Euro kaum etwas verdienen“, sagt er.

Schwierigkeiten brachte seiner Firma auch der lange andauernde Handelskonflikt zwischen den USA und China, wo die selbstständig putzenden Roboter hergestellt werden.

Während auch er auf eine baldige Einigung der beiden Großmächte hofft, hatte iRobot bereits einen Alternativplan versucht und „eine Ausnahme von den Zöllen beantragt – schließlich sind wir der einzige große amerikanische Hersteller von Haushaltsrobotern.“, erklärt Angle. Der Amerikaner ist in der Stadt, um mit der dortigen Landeszentrale den einmillionsten in Deutschland verkauften iRobot zu feiern.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Herr Angle, Sie sind gewissermaßen der Veteran der Staubsauger-Roboter…
Ja, ich habe iRobot vor 29 Jahren direkt nach meinem Studium am M.I.T gegründet. Mein Ziel war die Roboter zu entwickeln, die uns die Popkultur längst versprochen hatte.

Womit haben Sie begonnen?
Zunächst ging es um Roboter für den Weltraum. Wir haben das Gerät mitentwickelt, das später mit der Rover-Mission auf den Mars geflogen ist. Auf dem Nachfolger stand sogar mein Name. Wir haben uns dann alle möglichen Felder angesehen: Roboter fürs Militär, zur Minensuche, Roboter für Ölquellen und als Spielzeug, auch Roboter-Autos.

Gelandet sind Sie dann ausgerechnet bei Staubsaugern.
Ja, 2016 haben wir die Militärsparte verkauft und uns ganz auf den schnell wachsenden Markt der Haushaltsroboter konzentriert. Das geht schon jetzt über Staubsauger hinaus: Wir haben bereits Wisch-Roboter und bringen zum Jahresende unseren Rasenmäher-Roboter auch auf den deutschen Markt. Ein großes Feld werden Roboter sein, die Senioren helfen, länger im eigenen Zuhause leben zu können.

Was schwebt Ihnen da vor?
Erste Herausforderung für Senioren ist es, ihr Zuhause allein in Schuss halten zu können. Dazu braucht es Roboter, die sich nicht mehr nur am Boden bewegen, sondern in die dritte Dimension vorstoßen. Die können dann aufräumen, den Tisch abräumen und Möbel putzen.

Wann könnte es diese Geräte geben?
In fünf Jahren könnte es soweit sein, dass wir sie zu einem marktfähigen Preis, also unter 2000 Euro, anbieten können.

Wie groß muss so ein Roboter sein?
Ich denke, er müsste schon 1,5 Meter hoch sein und so breit, dass er auch beladen stabil durch die Wohnung fährt – zugleich natürlich möglichst leicht und kompakt.

Was ist die größte Hürde auf dem Weg dahin?
Das größte Problem sind nicht die Roboter an sich, sondern die fehlenden Informationen über die Wohnung. Der Roboter muss wissen, wo die Küche ist, wo der Kühlschrank, wo ein Glas steht und wo eine Getränkedose. Wir brauchen viel mehr Informationen über das Haus.

Die Roboter werden also Kameras haben?
Ja, die Technik ist so weit, dass zuverlässig Objekte erkannt werden. Schon heute erstellen unsere Staubsauger Karten von der Wohnung und teilen sie in Räume auf, die die Nutzer benennen können. Der Roboter spricht dann ihre Sprache, sie können ihn in die Küche oder ins Schlafzimmer schicken.

Das sind sehr intime Informationen. Wie steht es um den Datenschutz? Sie teilen ja Daten etwa mit Google…
Datenschutz und Privatsphäre sind für uns zentral, damit die Nutzer uns vertrauen und unsere Geräte überhaupt nutzen. Wir gehen Partnerschaften mit Dritten ein, aber die Nutzer müssen ausdrücklich zustimmen, wenn wir Daten teilen. Dabei geht es darum, mehr Nutzen für unsere Kunden zu schaffen.

Was soll das denn bringen?
Unter Smart Home haben viele zunächst verstanden, dass sie Licht und Heizung mit dem Smartphone fernsteuern können. Doch was ist, wenn sie nicht mehr nur eine smarte Glühbirne haben, sondern fünf oder zehn? Dann wird es kompliziert. Wenn wir aber eine automatisch erstellte Karte der Wohnung haben, können wir Sprachassistenten wie Alexa und dem Google Assistenten automatisch mitteilen, wo die Lampen sind.

Künftig werden die Nutzer wollen, dass ihr Smart Home von allein funktioniert. Deshalb etwa leert sich der Staubbehälter unserer neusten Sauger selbst an der Ladestation – damit die Geräte einige Monate ohne Wartung automatisch laufen.

Laut CEO Colin Angle benötigen die kleinen Putz-Roboter zur Weiterentwicklung mehr Informationen über ihren Arbeitsplatz – das Haus. Quelle:  iRobot
Staubsauger von iRobot

Laut CEO Colin Angle benötigen die kleinen Putz-Roboter zur Weiterentwicklung mehr Informationen über ihren Arbeitsplatz – das Haus.

(Foto:  iRobot)

Trotz solcher Innovationen ist ihre Aktie im Sommer eingebrochen, weil der Absatz schwächelt.
Der Markt ist gesund, wächst in Deutschland beispielsweise um 50 Prozent. Immer mehr Nutzer erkennen, dass ein Staubsaug-Roboter für den Boden und ein kleiner Handstaubsauger für die Möbel ausreichen. Der traditionelle Staubsauger ist tot. Aber die Strafzölle der USA für Güter aus China, wo wir produzieren, machten uns zu schaffen.

Inwiefern?
In den USA kamen 25 Prozent Zoll auf unsere Geräte. Sie wurden entsprechend teurer. Daher haben wir dort – anders als in Europa und Japan – an Schwung verloren. Und in China, wo das Wachstum bislang am höchsten war, stagniert die Nachfrage, ebenfalls wegen des Handelskriegs.

Das Problem könnte bald gelöst sein.
Ich hoffe, dass es schnell eine Einigung gibt. Falls nicht, haben wir bereits eine Ausnahme von den Zöllen beantragt – schließlich sind wir der einzige große amerikanische Hersteller von Haushaltsrobotern. Zudem lassen wir einen unserer Produktionspartner, Jabil, eine Fabrik in Malaysia aufbauen. Diese wird künftig den US-Markt beliefern – dann treffen uns die Zölle nicht mehr.

Diese Produktionsverlagerung ist also eine Folge des Zollstreits?
Wir haben die Pläne schon vor den Zöllen begonnen, aber der Handelskrieg hat die Umsetzung sehr deutlich beschleunigt. Ich hoffe allerdings sehr auf die Ausnahmeregelung – dann würden wir geschätzte 100 Millionen Dollar Zölle zurückerstattet bekommen. Das wäre ein sehr guter Tag für die iRobot-Aktionäre.

Wann könnte diese Entscheidung fallen?
Eigentlich jederzeit, aber ich erwarte sie nicht vor kommendem Sommer.

Wird sich die Aktie dann erholen?
Fundamental hat sich bei uns nichts geändert, nicht an unserer Marktführerschaft, nicht am Marktpotenzial.

Hoffen Sie nicht auf eine schnelle Lösung für ihre Zollprobleme, nachdem sich im jüngsten Treffen eine Einigung zwischen den USA und China abgezeichnet hat?
Wir bleiben hoffnungsfroh, dass die weise Entscheidung fällt, iRobot eine Ausnahme zuzugestehen. Darüber hinaus ist die Annäherung ein Schritt in die richtige Richtung. Ich bin optimistisch, dass die beiden Seiten einen Deal hinbekommen. Noch ist aber unklar, ob diese jüngste Entwicklung eine Auswirkung auf uns haben wird.

Setzt Ihnen nicht mindestens ebenso sehr wie die Zölle die erstarkende Konkurrenz zu?
Tatsächlich waren wir anfangs der einzige Anbieter von Saugrobotern und haben alles vom Preiseinstieg bis zum Premiumsegment abgedeckt. Jetzt konzentrieren wir uns auf den mittleren und oberen Preisbereich. Wir geben 150 Millionen Euro im Jahr für Forschung und Entwicklung aus und reklamieren für uns, jedes neue Feature als erste gehabt zu haben.

Chinesische Marken wie beispielsweise Roborock sind aber einfach günstiger…
Das ist eine der Marken, die Funktionen einfach kopieren und so sicherlich zum starken Wachstum der Kategorie beitragen. Diese Vielfalt ist Teil davon, dass die Branche reif wird. Sicherlich wächst der günstige Bereich deutlich, am stärksten allerdings der mittlere. Dabei werden die Hersteller von billigen, aber nicht-intelligenten Robotern unter 200 Euro kaum etwas verdienen.

Auch der deutsche Hersteller Vorwerk verkauft seine Roboter schlechter. Verlieren die Premium-Marken?
Der Markt an sich ist aber gesund – nur nicht für diejenigen Premium-Hersteller, die nicht ausreichend investieren. Vorwerk beispielsweise ist in einer schwierigen Situation, weil sie mit chinesischen Marken konkurrieren, die die Funktionalität abgeschaut haben. Wir haben eine ganz andere Strategie. Wir sehen iRobot als Plattform – so wie etwa das Elektroauto Tesla regelmäßig durch Software-Updates neue Funktionen bekommt. Erst diesen Monat haben wir zum Beispiel die Möglichkeit in unsere App eingebaut, Sperrzonen in der Wohnung einzurichten – etwa dort, wo Kabel herumliegen.

Diese Funktion haben andere Hersteller wie Roborock, die sie als Kopisten beschreiben, doch schon längst…
Ja, aber es reicht nicht aus, das irgendwie zu haben und auf die Verpackung zu schreiben. Ich denke, dass wir es besser umgesetzt haben als die anderen. Das ist wie die Konkurrenz zwischen Apple und Microsoft: Zunächst haben beide versucht, sich mit Funktionen zu übertrumpfen. Letztlich hat es Apple geschafft, die Diskussion auf Nutzerfreundlichkeit zu drehen. Ich bin überzeugt davon, dass bei uns mehr Menschen Funktionen wie Sperrzonen tatsächlich nutzen als bei der Konkurrenz, weil es einfacher ist.

In dieser Logik müssten die günstigeren Hersteller dem Markt schaden, weil sie neugierige Käufer davon überzeugen, dass Staubsaug-Roboter nichts taugen…
Die Zeiten, in denen die billigen Geräte gar nicht funktionieren, sind vorbei. Die Hoffnung von Erstkäufern, dass die Wohnung sauber wird, erfüllen inzwischen alle. Doch mit der Zeit wollen die Nutzer, dass sich die Geräte nirgendwo in der Wohnung festfahren. Schließlich sollen sie auch dann saugen, wenn niemand zu Hause ist. Und dann steigen sie auf teurere Geräte um.

Herr Angle, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr: Thomas Nedder hatte sich vom Kauf eines kalifornischen Saugroboter-Start-ups viel erhofft. Jetzt soll der Ex-Sony-Manager die flauen Geschäfte voranbringen.

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