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Concorde-Jungfernflug vor 50 Jahren Unternehmen basteln an neuen Überschall-Fliegern

Wirtschaftlich war die Concorde nie ein Erfolg, trotzdem faszinierte der Überschalljet, der vor 50 Jahren erstmals abhob, viele Flugbegeisterte. Bald könnte er Nachfolger finden.
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Vor 50 Jahren hob der Überschalljet zu seinem Jungfernflug ab. Quelle: dpa
Concorde

Vor 50 Jahren hob der Überschalljet zu seinem Jungfernflug ab.

(Foto: dpa)

New YorkGerade einmal 29 Minuten dauerte der Flug, aber er ging in die Luftfahrtgeschichte ein: Am 2. März vor genau 50 Jahren startete das Überschallverkehrsflugzeug Concorde im französischen Toulouse zu seinem Jungfernflug. Acht Jahre später nahmen Air France und British Airways den Linienverkehr nach New York auf.

Der elegante, schneeweiße Jet mit spitzer Nase hatte zahlreiche Fans, bis heute schwärmen frühere Passagiere von dem unvergleichbaren Flugerlebnis – dreieinhalb Stunden von Paris nach New York, nach Sonnenuntergang in Europa los, vor Sonnenuntergang in den USA.

Aber rein wirtschaftlich war die Concorde nie ein Erfolg: zu teuer, zu laut, immens hoher Kerosinverbrauch. Und dann kam im Juli 2000 die Katastrophe: Kurz nach dem Start vom Flughafen Paris verunglückte eine Concorde, alle 109 Insassen, darunter 97 Deutsche, sowie vier Menschen am Boden starben.

Ursache des Unglücks war ein auf der Startbahn liegender Blechstreifen. Der Anfang vom Ende der „Königin der Lüfte“. Hinzu kamen die Luftfahrtkrise nach dem 11. September 2001 und rasant steigende Wartungskosten. 2003 war Schluss mit der Concorde. Der legendäre Überschalljet ist heute nur noch in Museen zu bewundern.

Umstrittene Königin der Lüfte
Königin der Lüfte
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Manche nannten sie „Donnervogel“, andere sprachen vom „fliegenden Kugelschreiber“ oder sogar von einer „Königin der Lüfte“. Vor fast 50 Jahren, am 2. März 1969, startete das Überschallflugzeug Concorde im französischen Toulouse zu seinem 29 Minuten langen Jungfernflug. Gut einen Monat danach, am 9. April, folgte der Erstflug des britischen Prototyps. (Foto: ap)

Von Anfang an umstritten
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Die Concorde war von Anfang an umstritten. Ihre zahlreichen Fans waren von der Technik des 62,10 Meter langen Flugzeug mit einer Spannweite von nur 25,55 Metern und einer Höchstgeschwindigkeit von 2405 Stundenkilometern begeistert. (Foto: ap)

Als Umweltverschmutzer verschrien
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Andere sahen in der Concorde eine Krachmacherin und Umweltverschmutzerin. So lag der Treibstoffverbrauch auf der Strecke Paris-New York bei 17 Litern pro 100 Passagierkilometern (bis zu 23.000 Liter Kerosin in der Stunde). Zum Vergleich: Das Riesenflugzeug Airbus A380 fliegt heute im Bereich von drei Litern Treibstoff pro Passagier auf 100 Kilometer. (Foto: rtr)

Geringe Reichweite
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Der erste Linienflug der Concorde erfolgte am 21. Januar 1976 zwischen Paris und Rio de Janeiro. Nur wenig später wurde die Strecke Paris-Caracas mit einem technischen Aufenthalt in Santa Maria gestartet. Doch beide Dienste wurden bereits am 1. April 1982 eingestellt. Die relativ geringe Reichweite der Concorde (6.250 Kilometer) stellte ein Problem dar – sie machte bei Langstrecken zeitraubende Zwischenstopps notwendig. (Foto: dpa)

Lästiger Überschallknall
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Zudem war die Concorde besonders laut: Der charakteristische Knall beim Durchbrechen der Schallmauer führte dazu, dass die meisten Länder dem Jet nur eine Überfluggenehmigung für Geschwindigkeiten unter der Schallgrenze erteilten. So konnte der Pilot nach dem Start in Europa erst auf dem Atlantik richtig Gas geben. Das schränkte die Einsatzmöglichkeiten und den Zeitgewinn erheblich ein. (Foto: ap)

Stars und Sternchen waren Dauergäste
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Dennoch gab es zur Einsatzzeit kaum einen Staatsmann von Bedeutung, der nicht einmal mit einer Concorde flog. Stars und Sternchen waren Dauergäste, allen voran die Formel-1-Fahrer und die Tennisstars. Margaret Thatcher fühlte sich an Bord genauso wohl wie Queen Elizabeth oder Papst Johannes Paul II., der mit der französischen Concorde F-BTSC am 2. Mai 1989 von La Réunion nach Lusaka in Sambia flog. (Foto: dpa)

In dreieinhalb Stunden von Europa nach New York
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Wer zwischen 10 und 11 Uhr morgens Europa verließ, kam rechtzeitig zum Frühstück um 9 Uhr in New York an. Gewöhnlich dauerte ein Flug von Europa nach New York rund dreieinhalb Stunden. Manchmal ging es sogar noch schneller. Ganz selten wurde eine Flugzeit von unter drei Stunden erreicht. Das waren 30 Stunden weniger als Charles Lindbergh 1927 bei seiner berühmten Nordatlantiküberquerung benötigt hatte. (Foto: ap)

Die Faszination am Fliegen mit Überschallgeschwindigkeit ist aber ungebrochen. Immer wieder wurden neue Ideen und Projekte entwickelt, aber marktreif umgesetzt bislang keines. Derzeit präsentiert sich unter anderem das US-Start-up Boom als ganz weit vorn. Es arbeitet an „Overture“, einem Jet für bis zu 55 Fluggäste, der schneller und deutlich effizienter als die Concorde sein soll.

Anfang des Jahres sammelte das Unternehmen noch einmal rund 100 Millionen Dollar (rund 88 Millionen Euro) von Investoren ein. „Die Ticketpreise sollen denen der heutigen Business-Class ähneln, sodass der Horizont von Millionen von Reisenden erweitert werden kann“, sagte Firmenchef Blake Scholl in einer Mitteilung.

„Letztendlich ist unser Ziel, dass jeder sich einen Überschallflug leisten können soll.“ Noch in diesem Jahr sollen Testflüge starten, es gebe auch schon Vorbestellungen von Fluglinien.

Nasa will den Überschallknall dämpfen

Auch die 2002 gegründete US-Firma Aerion entwickelt mit Unterstützung von Airbus einen Geschäftsflieger für bis zu zwölf Passagiere, der anderthalbfache Schallgeschwindigkeit erreichen soll. Auf seiner Webseite präsentiert das Unternehmen schon einmal stolz Dutzende mögliche Streckenverbindungen und die gesparte Zeit beim Flug. Wann der Jet abheben könnte, ist aber bislang noch nicht klar.

Bei einer möglichen neuen Ära für den Überschall will auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitmischen. Gemeinsam mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin feilt sie an einem Konzept für einen Überschalljet ohne Überschallknall.

Denn das Problem bleibt: Durchbricht ein Flugzeug in der Luft die Schallmauer, gibt es einen sehr lauten Knall. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat deshalb auch bis auf Weiteres alle zivilen Überschallflüge über den USA untersagt.

Die Nasa will nun den Knall in ein „Plopp“ verwandeln und hat bereits erste Tests für das „X-Plane“ gestartet. Ein Prototyp soll bis Ende 2021 fertiggestellt sein. Der Jet soll in etwa 16 Kilometer Höhe mit rund 1.500 Kilometer pro Stunde fliegen – und anstelle eines lauten Knalls nur ein Geräusch erzeugen, das so laut ist wie das Zuschlagen einer Autotür.

Für die Entwicklung erhält der Rüstungskonzern Lockheed Martin rund 247,5 Millionen Dollar (etwa 217 Millionen Euro). Ab 2022 will die Nasa bei Flügen über ausgewählten Regionen der USA weitere Daten sammeln.

„Wir sprechen über eine Zukunft, in der Menschen weniger Zeit mit dem Reisen und mehr Zeit an ihren Zielorten verbringen können – mit der Familie, bei der Arbeit oder beim Besuchen neuer Orte“, sagte Nasa-Wissenschaftler Jonathan Rathsam. „Es ist ein Weg, die Welt zu schrumpfen, und es ist aufregend, ein Teil dieser Zukunft zu sein.“

  • dpa
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