Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Deutscher Wirtschafts-Nobelpreisträger Reinhard Selten im Alter von 85 gestorben

Er war der einzige deutsche Träger des Nobelpreises für Wirtschaft. Nun wurde bekannt, dass Reinhard Selten bereits im August verstorben ist. Er zählt zu den Pionieren der experimentellen Wirtschaftsforschung.
Selten gilt als einer der Pioniere der Spieltheorie. Noch bis 2014 war er an Forschungsvorhaben beteiligt. Quelle: dpa
Nobelpreisträger Reinhard Selten gestorben

Selten gilt als einer der Pioniere der Spieltheorie. Noch bis 2014 war er an Forschungsvorhaben beteiligt.

(Foto: dpa)

Reinhard Selten, der einzige deutsche Träger des Nobelpreises für Wirtschaft, ist tot. Selten sei bereits am 23. August in Posen (Polen) gestorben, teilte die Universität Bonn am Donnerstag mit. Der Mathematiker und Volkswirt war 1994 zusammen mit den Amerikanern John Nash und John Harsanyi für seine Beiträge zur sogenannten Spieltheorie ausgezeichnet worden.

„Reinhard Selten war einer der bedeutendsten deutschen Wissenschaftler mit höchster internationaler Reputation“, sagte der Rektor der Uni Bonn, Prof. Michael Hoch. Der 1930 in Breslau geborene Selten zählt zu den Pionieren der experimentellen Wirtschaftsforschung.

„Die Wirtschaftswissenschaft hat Herrn Selten grandiose Antworten und wichtige Fragen in der Spieltheorie und Verhaltenswissenschaft zu verdanken, die die Forschung noch für Jahrzehnte beschäftigen werden“, sagte der Kölner Ökonom Axel Ockenfels, einer von Seltens Schülern, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitagsausgabe). In der Spieltheorie werden mit Hilfe der Mathematik Erkenntnisse über das Verhalten bei Spielen wie Schach oder Poker auf die Wirtschaft übertragen.

Umstrittene Nobelpreise der Vergangenheit
Nobelpreis-Medaille
1 von 10

In dieser Woche werden die Preisträger der wohl begehrtesten Auszeichnung weltweit bekanntgegeben. Die Vergabe der Nobelpreise feuert immer wieder die Debatte an, ob die Ausgezeichneten sie tatsächlich verdient haben. Hier einige der umstrittensten Preisträger seit der ersten Vergabe im Jahre 1901

(Foto: dpa)
Friedensnobelpreis 1935
2 von 10

Im Rückblick stellt wohl niemand die Rechtmäßigkeit in Frage, den Pazifisten und Journalisten Carl von Ossietzky zu ehren. Er war von den Nationalsozialisten inhaftiert und schwer misshandelt worden, weil er über die geheime Wiederaufrüstung der damaligen Reichswehr berichtet hatte und ihm daraufhin Spionage vorgeworfen wurde.

Zur damaligen Zeit jedoch löste diese Entscheidung des Komitees eine heftige Debatte aus. Kritiker sahen darin eine Einmischung in innere Angelegenheiten Deutschlands und eine Provokation des Nazi-Regimes. Tatsächlich schäumten die braunen Machthaber in Berlin: Von Ossietzky durfte den Preis nicht in Empfang nehmen, zudem verbot das Hitler-Regime allen Deutschen, künftig Nobelpreise anzunehmen. Zwei Mitglieder des Nobelkomitees traten damals zurück.

Literaturpreis 1970
3 von 10

Den Literaturnobelpreis auf der Höhe des Kalten Kriegs an den sowjetischen Dissidenten Alexander Solschenizyn zu verleihen, musste einfach politische Reaktionen auslösen - auch wenn die Jurymitglieder stets versicherten, ihre Entscheidung habe sich nur auf den literarischen Wert seines Werkes gestützt. Solschenizyn hatte den Horror in den sowjetischen Arbeitslagern beschrieben, in denen tausende Zwangsarbeiter starben. Er galt als Feind der kommunistischen Führung in Moskau, die die Auszeichnung als feindlichen Akt bezeichnete.

Solschenizyn entschied sich, nicht zur Preisverleihung aus der damaligen UdSSR auszureisen aus Angst, er dürfe danach nicht wieder zurückkehren. Doch vier Jahre später akzeptierte er den Preis, nachdem er ins Exil gegangen war.

(Foto: dpa)
Friedensnobelpreis 1973
4 von 10

US-Außenminister Henry Kissinger (l.) und der nordvietnamesische Politiker und Friedensunterhändler Le Duc Tho bekamen die Auszeichnung für ihre Bemühungen um einen Waffenstillstand im Vietnamkrieg. Diese Entscheidung gehört zu den umstrittensten der Jury. Besonders die Gegner des Vietnamkriegs kritisierten sie, da sie in Kissinger einen Kriegstreiber sahen.

Le Duc Tho nahm die Auszeichnung nicht an mit der Begründung, der Krieg sei noch nicht beendet. Kissinger bat den US-Botschafter in Norwegen, den Preis für ihn entgegenzunehmen. Zwei Mitglieder des Komitees traten aus Protest gegen die Entscheidung zurück.

(Foto: ap)
Wirtschaftsnobelpreis 1976
5 von 10

Hunderte Demonstranten protestierten in Stockholm, als dem einflussreichen Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman der Nobelpreis verliehen wurde. Der Ökonom galt als Vertreter eines freien Marktes, seine Sichtweise wurde von jenen kritisiert, die für den Staat eine stärkere Rolle in der Wirtschaft forderten. Linksgerichtete Protestierende hatte zudem der Besuch Friedmans bei der damaligen chilenischen Militärjunta verärgert.

(Foto: ap)
Friedensnobelpreis 1994
6 von 10

Mit der Vergabe der Auszeichnung an Palästinenserführer Jassir Arafat (Bild), Israels Ministerpräsidenten Izchak Rabin und Außenminister Schimon Peres wollte das Nobelpreis-Komitee dem Friedensprozess im Nahen Osten einen weiteren Schub verleihen. Doch der Plan ging nicht auf: Der Friedensprozess geriet ins Stocken, und Rabin wurde 1995 von einem ultranationalistischen Juden erschossen, der gegen seine Friedenspolitik war.

Die Preisverleihung gerade an PLO-Chef Arafat spaltete das Nobelkomitee seinerzeit. Jurymitglied Kåre Kristiansen trat damals zurück mit den Worten, es sei falsch, den „Terroristen“ Arafat auszuzeichnen.

(Foto: ap)
Literaturpreis 2004
7 von 10

„Elfriede - wer?“ war eine der häufigsten Reaktionen, als die Schwedische Akademie die österreichische Autorin Elfriede Jelinek mit dem Nobelpreis bedachte. Die Jury hob damals den „musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen“ der außerhalb des deutschsprachigen Raums weitgehend unbekannten Jelinek in ihren Romanen und Theaterstücken hervor.

Aber nicht alle Komiteemitglieder schätzten den literarischen Wert gleich ein. Ein Mitglied trat zurück. Und die linken Sichtweisen der Autorin brachten den Vorwurf hervor, die Entscheidung sei politisch motiviert - was die Jury zurückwies.

(Foto: dpa)

Nach einem Studium der Mathematik hatte sich Selten 1968 in Frankfurt in Wirtschaftswissenshaften habilitiert. Professuren an der Freien Universität Berlin und der Universität Bielefeld folgte 1984 der Ruf an die Universität Bonn. Noch bis 2014 hatte er das Forschungsprojekt „Rationalität im Lichte der experimentellen Wirtschaftsforschung“ geleitet.

Privat spielte der Forscher nicht: „Ich habe früher mal Skat gespielt, aber die Regeln sind mir zu kompliziert“, sagte er einmal. Dafür widmete er sich der Kunstsprache Esperanto. Mit Hilfe der Spieltheorie hatte er ein Modell zur weiteren Verbreitung der Sprache untersucht. Bei der Europawahl 2009 war er in Nordrhein-Westfalen Spitzenkandidat der Vereinigung „Europa - Demokratie - Esperanto“, die sich für die Verbreitung der Kunstsprache Esperanto einsetzt.

Startseite

Mehr zu: Deutscher Wirtschafts-Nobelpreisträger - Reinhard Selten im Alter von 85 gestorben