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Die Toten von Sandby borg Mysteriöses Massaker stellt Archäologen vor Rätsel

Alle abgeschlachtet, aber das Gold liegen gelassen: Eine ungewöhnliche Gräueltat gibt schwedischen Archäologen Rätsel auf.
27.04.2018 - 08:37 Uhr Kommentieren
Die Überreste eines der Opfer von Sandby borg. (Foto: Kalmar County Museum)
Im Schlaf getötet

Die Überreste eines der Opfer von Sandby borg. (Foto: Kalmar County Museum)

Heidelberg Schwedische Archäologen sind einem Gemetzel auf die Spur gekommen, das noch nach 1500 Jahren seine Spuren in den lokalen Überlieferungen hinterlassen hat. Die Funde in dem Hügelfort Sandby borg an der Ostküste der Insel Öland sind außergewöhnlich und erschreckend, wie die Arbeitsgruppe um Ludvig Papmehl-Dufay vom Landesmuseum Kalmar im Magazin Antquity berichtet.

Obwohl die Forscher dort bereits seit drei Jahren graben, ist erst knapp ein Zehntel der Anlage freigelegt. Trotzdem ist schon jetzt klar: Das Massaker, das den wohlhabenden Ort im Süden der Insel etwa Mitte des 5. Jahrhunderts auslöschte, war selbst nach den Maßstäben jener brutalen Zeit ungewöhnlich grausam. Die bisher gefundenen 26 Opfer wurden in den Häusern und auf den Straßen totgeschlagen und liegen gelassen, wo sie fielen – zusammen mit ihren Wertsachen.

Das Ausgrabungsteam fand römische Münzen, goldene Gewandnadeln, Glas- und Silberperlen und die Überreste der in ihren Ställen verhungerten Haustiere. Offenbar durchsuchten weder die unbekannten Angreifer noch andere Menschen den Ort des Grauens nach Wertsachen. Womöglich, so das Team, sei die Stätte jahrhundertelang nicht betreten worden.

Menschliche Knochen im Antikythera-Wrack
Leiche in antikem Wrack entdeckt
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2000 Jahre lag die Leiche in einem antiken Schiffswrack vor der griechischen Insel Antikythera – jetzt haben Taucher die menschlichen Überreste geborgen. Das im August entdeckte Skelett bestehe aus Teilen des Schädels mit drei Zähnen, zwei Armknochen, einigen Rippenteilen und zwei Oberschenkelknochen, die offenbar alle von derselben Person stammten, so die Forscher des Woodshole Institut für Meereskunde in Massachusetts. (Foto: Brett Seymour/EUA/WHOI/ARGO/dpa)

Seltener Fund
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Skelettfunde im Meer sind äußerst selten, meistens werden die Leichen weggespült oder von Fischen gefressen. Selten bleiben sie über Jahrzehnte erhalten, noch seltener über Jahrhunderte. (Foto: Brett Seymour/EUA/WHOI/ARGO/dpa)

Taucher am Fundort
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Mit Hilfe einer DNA-Analyse sollen jetzt mehr Informationen über den Toten ermittelt werden. Die Analyse könnte Aufschluss über die Herkunft des Toten sowie Haar- und Augenfarbe geben.

(Foto: Reuters)
Forscher untersuchen die Knochen aus dem Wrack
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Vermutlich stammen die Überreste von einem jungen Mann. Die Forscher haben ihm schon einen Namen gegeben: Pamphilos. Dieser Name stand auf einem Weinbecher, der an dem Schiffswrack gefunden wurde. (Foto: Brett Seymour/EUA/WHOI/ARGO/dpa)

Teile des Schädels
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Erfreulich sei, dass am Schädel noch das sogenannte Felsenbein erhalten sei – ein Knochen, der das Innenohr umschließt, so die Forscher. Darin werde das Erbgut zumeist besser erhalten als in anderen Skelettteilen oder Zähnen, so dass es auch nach langer Zeit noch analysiert werden kann. (Foto: Brett Seymour/EUA/WHOI/ARGO/dpa)

Taucher an der Fundstelle
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Die griechische Regierung muss einem DNA-Test noch zustimmen. Sollte Athen grünes Licht geben, wäre es die erste Erbgutanalyse an einem Opfer eines Schiffsuntergangs in der Antike.

(Foto: dpa)
Mechanismus von Antikythera
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Das Wrack des Handelsschiffes in fast 50 Metern Tiefe war im Jahr 1900 von Schwammtauchern entdeckt worden. Es hatte bereits Berühmtheit erlangt, weil in ihm der „Mechanismus von Antikythera“ gefunden worden war. Dieser „Computer der Antike“…

(Foto: Reuters)

Dass diese Fundstätte ein besonderes Grauen birgt, erfuhr das Team schon vor Beginn der Ausgrabungen: Um den alten Hügel am Wasser solle man besser einen großen Bogen machen, warnten Einheimische laut einem Bericht des Guardian. Woher der mit Steinen eingefasste Hügel seinen düsteren Ruf hat, zeigte sich schnell: Das etwa 5000 Quadratmeter große Hügelfort ist vermutlich mit menschliche Überresten übersät, darunter viele Knochen von Kindern und Jugendlichen.

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    Die Toten fielen buchstäblich übereinander, als sie mit stumpfen Gegenständen getötet wurden. Unter den Funden ist auch der Oberschenkel eines wenige Wochen alten Säuglings. Hochgerechnet auf die vermutliche Einwohnerzahl des Ortes, dürften in den etwa 50 Häusern noch mindestens 200 weitere Leichen liegen.

    Die bisher gefundenen Opfer zeigten keinerlei Kampfspuren, was darauf deutet, dass sie von einer großen Gruppe Feinde im Schlaf überrascht wurden. Auch Waffen sind bisher, abgesehen von einigen Schwertteilen, nicht aufgetaucht, sie könnten als Trophäen weggetragen worden sein.

    Das allerdings ist Spekulation. Sicher ist aber, dass die Auslöschung von Sandby borg ein außergewöhnlicher Vorfall gewesen sein muss. Von den mindestens 15 Ringburgen, die auf Öland zu jener Zeit existierten, erlitt keine ein ähnliches Schicksal.

    Untypisch auch, dass der Ort danach nicht nur unbesiedelt, sondern anscheinend auch unberührt blieb, obwohl die Insel selbst dicht besiedelt war. Für die Forschung dürfte die Katastrophe ein Glücksfall sein: Nach dem Massaker blieb auf dem kleinen Hügel quasi die Zeit stehen. Die Ortschaft brannte nicht einmal nieder, sondern verfiel so, wie sie in den letzten Momenten ihrer Bewohner gewesen war: ein skandinavisches Pompeji, nur ohne Vulkan.

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