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Digitalisierung Japaner schicken jetzt Roboter zum Einkauf

Roboter und Avatare halten Einzug in Japans Einzelhandel. Vor Weihnachten rollen sie, per Internet von daheim aus gesteuert, für Kunden durch die Läden.
10.12.2019 - 04:10 Uhr Kommentieren
Schon jetzt interessieren sich viele Kaufhäuser für die Technik. Quelle: imago images/AFLO
ANA-Roboter „Newme“

Schon jetzt interessieren sich viele Kaufhäuser für die Technik.

(Foto: imago images/AFLO)

Tokio Die japanische Airline ANA schickt vor Weihnachten Roboter ins Kaufhaus. In einer Shoppingmall des Einzelhändlers Isetan Mitsukoshi testet sie vor den Feiertagen Onlineshopping der speziellen Art: den Ferneinkauf per Avatar.

In dem Laden rollen Roboter umher, die Kunden per Internet von daheim buchen können. Auf seinen Schultern besitzt der 1,50 Meter große rollende Einkäufer einen Bildschirm, der das Gesicht des eingebuchten Kunden zeigt, und er bewegt sich zwischen den Regalen und lässt sich von menschlichen Verkäufern bedienen.

Newme nennt ANA diesen künstliche Stellvertreter des Menschen, der selbst für Japan eine Neuheit darstellt. Bisher nämlich vertraten Avatare ihre Besitzer nur in virtuellen Welten, wurden in der Onlinewelt von „Second Life“ 2003 sogar zu einem Massenphänomen. Doch von Nippon aus könnten sie nun auch die reale Welt durchdringen. Schon jetzt interessieren sich viele Kaufhäuser für diese Technik.

Besonders die traditionellen Konsumtempel suchen nach neuen Ideen, um angesichts von Onlinehandel und Bevölkerungsschwund neue Kunden anzuziehen. Seit 2010 ist Japans Bevölkerungszahl um 1,6 Millionen auf 126,4 Millionen Menschen gesunken. Und das Tempo beschleunigt sich. Derzeit verliert das Land pro Jahr eine mittlere Großstadt mit 300.000 Einwohnern.

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    Mall als Freilandlabor

    ANAs Partner Isetan Mitsukoshi gilt dabei als Trendsetter der Innovation. Das Unternehmen hat die Devise ausgeben, Online-offline-Plattform des Einzelhandels zu schaffen, indem es neue Informationstechnik mit realen Läden und Verkäufern verbindet.

    Die Shoppingmall im Tokioter Stadtteil Nihonbashi wird dabei zum Freilandlabor. Bis zu den Olympischen Sommerspielen sollen 100 Roboter durch speziell aufbereitete Läden rollen. Insgesamt plant die Fluggesellschaft, 1000 Avatare in die Welt zu setzen. Auf seiner Homepage stellt das Unternehmen bereits einige weitere Ideen vor, etwa einen fernlenkbaren Angelroboter.

    ANA ist nicht der einzige Anbieter von Telemobilität. Der japanische Autobauer Toyota hat einen rollenden, menschhohen Bildschirm entwickelt. Er soll Behinderten während der Olympischen Spiele die körperlose Teilnahme an Events aus der Ferne erlauben – und zwar so, als wären sie selbst vor Ort. Auch andere Ideen warten in den Laboren des prominenten Roboterforschers Hiroshi Ishiguro auf ihren Durchbruch.

    Der Professor der Universität Osaka ist durch die Entwicklung seines maschinellen Doppelgängers weltberühmt geworden. Dieser arbeitet wie eine halb automatische Marionette und sieht Ishiguro zum Verwechseln ähnlich. Der Roboter blinzelt und bewegt Kopf wie Hände autonom. Geist und Wortwitz dagegen haucht ihm Ishiguro über das Internet aus der Ferne ein.

    Das merkwürdig glatte Gesicht ist mit Absicht abstrakt und haarlos gehalten. Dies soll dem Besitzer erlauben, das Gesicht des Gesprächspartners auf den Roboter zu projizieren. Quelle: Martin Koelling
    Handelsblatt-Reporter Martin Kölling mit „telenoird“

    Das merkwürdig glatte Gesicht ist mit Absicht abstrakt und haarlos gehalten. Dies soll dem Besitzer erlauben, das Gesicht des Gesprächspartners auf den Roboter zu projizieren.

    (Foto: Martin Koelling)

    Mit dem „Geminoid“ genannten Wesen hält der Professor aus der Ferne Vorlesungen. Der Nachteil: Das Gerät ist mit seinen Motoren und der notwendigen Hydraulik so schwer und teuer, dass sein Versand, Aufbau und Betrieb beträchtlichen logistischen wie personellen Aufwand erfordern.

    Ishiguro hat das Prinzip allerdings auf mobile Kommunikationsgeräte übertragen. Der 20 Zentimeter große „Elfoid“ besitzt lediglich Stummelärmchen. Doch mit der eingebauten Mobilfunktechnik wird es zu einem scheinbar persönlichen, kuschelfreundlichen Handy für Kinder viel reisender Eltern.

    Die auf 70 Zentimeter vergrößerte Version namens „Telenoid“ kann darüber hinaus die Stummelärmchen, den Kopf und die Lippen bewegen. Zudem ist das Gerät fernbedienbar und nimmt mit Kameras und Sensoren seine Umgebung wahr.

    Der Markt zögert

    Der Telenoid ist für Senioren gedacht, die fernab des eigenen Nachwuchses leben. Das Gerät soll dann eine größere persönliche Nähe erzeugen. Und so funktioniert es: Das merkwürdig glatte Gesicht ist mit Absicht abstrakt und haarlos gehalten. Dies soll es laut Ishiguro dem Telenoid-Besitzer erlauben, das Gesicht des Gesprächspartners auf den Roboter zu projizieren.

    Bislang ist das Gerät nicht im Markt angekommen. Ob es der neuen Generation der Avatare besser gehen wird, die nun im Vorweihnachtsrummel starten, dürfte schon bald der Test in der Shoppingmall in Nihonbashi verraten.

    Mehr: Drei Unternehmen haben sich im Innovationsranking besonders rasant verbessert. Ihre Produktpalette reicht vom 3D-Drucker bis zur Klimaanlage.

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