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Drohnenabwehr Flugsicherung testet Drohnenjagd mit Fangnetz und Störsender

Fast eine Million Drohnen fliegen im deutschen Luftraum – eine Herausforderung für Experten der Deutschen Flugsicherung. Sie haben getestet, wie sich Flugobjekte bei Gefahr vom Himmel holen lassen.
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Bundeswehr testet Abwehr-Drohnen für Flugsicherheit

Manching/Berlin Die Drohne ist nur ein kleiner Punkt am Winterhimmel über dem Flugplatz Manching bei Ingolstadt. „Aber sie könnte ein Flugzeug zum Absturz bringen“, sagt Bundeswehr-Experte Peter Pörsch. Auf den Bildschirmen der Fluglotsen leuchtet ein Alarmsignal auf. Der im wilden Zickzack fliegende Eindringling wird erfasst, eine Abfangdrohne heftet sich an seine Spur und schießt ihn mit einem Fangnetz vom Himmel.

Zwei Monate nach der Blockade des Flughafens London-Gatwick durch Drohnen hat die Deutsche Flugsicherung (DSF) mit der Bundeswehr dieses neue Verfahren zur Drohnenabwehr getestet. Nach erfolgreichen Praxistests bei laufendem Flugbetrieb führten sie am Mittwoch Branchenexperten vor, wie das Ganze funktioniert.

Das Thema brennt ihnen auf den Nägeln. In London-Gatwick waren vor Weihnachten 1000 Flüge mit 140.000 Passagieren ausgefallen, weil Drohnen wiederholt gesichtet wurden. Fast drei Tage lang war der Flugverkehr lahmgelegt.

Auch in Deutschland melden Piloten immer häufiger Zwischenfälle mit Drohnen - im vergangenen Jahr 158 Mal, wie Thilo Vogt von der Deutschen Flugsicherung sagt. Am Kölner Flughafen gab es im April eine kurze Zwangspause, in der Schweiz kollidierte eine Drohne nahe dem Flughafen Locarno mit einem Hubschrauber.

Heute schon schwirren fast eine Million Drohnen im deutschen Luftraum herum. Laut Gesetz müssen sie eigentlich die Umgebung etwa von Flughäfen, Menschenansammlungen oder Wohngebiete meiden. Aber gedankenlose Hobbyflieger oder auch mutwillige Angreifer sorgen immer wieder für Zwischenfälle.

„Für unsere Radarsysteme sind Drohnen bisher unsichtbar“, sagt Vogt. Eine Registrierung und elektronische Erkennbarkeit aller Drohnen sei überfällig.

Zum Beispiel könnten sie mit einer SIM-Karte ausgestattet werden und über das Mobilfunknetz ein Signal aussenden, sodass sie für die Flugsicherung und andere Behörden erkennbar sind. Mit der Deutschen Telekom hat die DFS eine solche Lösung schon ausgearbeitet. Damit können zum Beispiel Drohnen von Energieversorgern oder der Deutschen Bahn, die Stromleitungen und Gleise kontrollieren, leicht erkannt und als harmlos abgehakt werden.

Entdecken und vom Himmel holen

Mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall hat die Flugsicherung jetzt auch eine Lösung gefunden, um versteckt fliegende Drohnen zu entdecken und notfalls vom Himmel zu holen. Mit Infrarot, Laser und elektro-optischen Sensoren „können wir die Drohne entdecken und sogar erkennen, was sie transportiert“, sagt Rheinmetall-Experte Matthias Diehm. Erstmals werden alle Systeme in einem Lagebild zusammengeführt, „das ist der große Durchbruch hier“.

Auch ein ganzer Schwarm von Drohnen werde erkannt und die Bewegung jeder einzelnen verfolgt. Um sie vom Himmel zu holen, können auch Störsignale eingesetzt werden, die die Fernsteuerung der Drohnen aushebeln.

„Wir gaukeln ihnen eine falsche Position vor, indem wir Satellitendaten verfälschen“, sagt Bundeswehr-Experte Pörsch. „Oder wir lassen sie glauben, sie sei am Boden – dann schaltet sie ihre Rotoren aus und stürzt aus 50 Meter Höhe ab.“

Eine andere Möglichkeit wäre, durch Störsignale für eine Überlastung des Kommunikationssystems der Drohne zu sorgen. Die Verbindung zum Drohnen-Navigator wird unterbrochen, das Flugobjekt stürzt ab oder muss notlanden.

Andere Abwehrsysteme arbeiten mit Laserwaffen oder mit Schrotgeschossen. Brasilien setzte zum Schutz seiner Stadien bei den Olympischen Spielen 2016 und der Fußball-WM 2014 auf den deutschen Flakkanonen-Panzer Gepard.

Ohne derart martialische Waffentechnik kommt ein Verfahren aus, das unter anderem in den Niederlanden erprobt wurde: Dort stürzen sich speziell geschulte Greifvögel auf Drohnen und bringen sie zum Absturz.

  • tt
  • dpa
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