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Ehrgeizige Pläne Ein Silicon Valley der Drohnen

Wofür ist der US-Bundesstaat North Dakota bekannt? Da müssen auch viele Amerikaner etwas nachdenken. Reiche Ölvorkommen vielleicht. Oder sehr kalte Winter. Damit hat es sich auch schon. Aber vielleicht nicht mehr lange.
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North Dakota hat sich schon frühzeitig für eine führende Rolle im Drohnen-Geschäft positioniert. Das könnte sich jetzt auszahlen. Quelle: ap

North Dakota hat sich schon frühzeitig für eine führende Rolle im Drohnen-Geschäft positioniert. Das könnte sich jetzt auszahlen.

(Foto: ap)

Washington Der entlegene US-Bundesstaat North Dakota will sich einen neuen Namen machen – als Zentrum eines Industriezweigs, der lukrative Geschäfte verspricht. Es geht um die Erforschung und Entwicklung von Drohnen, jenen unbemannten Flugsystemen, die bei der militärischen Aufklärung und im Antiterrorkampf in den vergangenen Jahren eine immer größere Bedeutung erlangt haben.

Eine verbreitete kommerzielle Nutzung ist längst keine Utopie mehr, an den Rahmenbedingungen wird bereits auf Hochtouren gearbeitet. Und North Dakota im Norden der USA hat sich schon frühzeitig für eine führende Rolle im Drohnen-Geschäft positioniert, was sich jetzt auszahlen könnte.

So erteilte die US-Flugaufsichtsbehörde FAA North Dakota kürzlich als erstem von sechs ausgewählten US-Staaten die Genehmigung zu Testflügen kleiner Drohnen. Der Vertrag gilt vorerst für zwei Jahre, die Tests sollen im Mai beginnen. Die anderen Staaten, die Wege zur Integration von Drohnen in den zivilen Luftraum erforschen sollen, sind Alaska, Nevada, New York, Texas und Virginia.

Flugroboter erobern den Himmel
Drohne Eurohawk
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Aus dem militärischen Alltag sind Drohnen - hier eine Eurohawk-Aufklärungsdrohne der Bundeswehr - nicht mehr wegzudenken. Doch unbemannte Fluggeräte kommen zunehmend auch im zivilen Bereich zum Einsatz.

(Foto: dpa)
Drohne
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Die US-Weltraumbehörde Nasa nutzt unbemannte Hightech-Flieger wie diese Global-Hawk-Drohne zur Erforschung höherer Atmosphärenschichten.

(Foto: Nasa)
Drohne
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Schon ein Museumsstück ist die Aerosonde Laima. Das in Australien entwickelte unbemannte Forschungsflugzeug überquerte 1998 als erste Drohne den Nordatlantik im Nonstop-Flug. Nachfolger des legendären Fliegers werden heute zur Erhebung von Wetter- und Atmosphärendaten eingesetzt.

(Foto: Wikipedia Public Domain)
Drohne
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Auch Archäologen haben längst die Vorteile von Minidrohnen entdeckt. Mit Kameras bestückte Fluggeräte wie der Quadcopter MD4-200 von Microdrone liefern den Ausgräbern die notwendigen Informationen für erfolgversprechende Grabungsprojekte oder 3D-Rekonstruktionen früherer Landschaften.

(Foto: Microdrones)
Drohne
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Das US-Unternehmen Aerovision hat eine Drohne für die Fischerei entwickelt. Die Messinstrumente an Bord sollen Trawler-Kapitänen bei der Aufspürung von Fischschwärmen helfen.

(Foto: Aerovision)
Drohne
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Eine Aufklärungsdrohne in Kolibri-Form entwickelten die Experten des US-Unternehmens Aerovironment. Der künstliche Kolibri kann acht Minuten auf der Stelle schweben und lässt sich dabei auch nicht von Windböen vom Kurs abbringen. Flugroboter in Tierform wären perfekt getarnte Überwachungsinstrumente, entsprechend groß ist das Interesse der Entwickler.

(Foto: Aerovironment)
Drohne
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An der renommierten Harvard University arbeiten Forscher an winzigen Flugrobotern in Bienenform. Künstliche Bienenschwärme könnten vermisste Menschen in Gebäuden suchen oder Schadstoffe nach Chemieunfällen beseitigen. Auch das Militär hat Interesse an den künstlichen Insekten, zu den Geldgebern des Forschungsprojekts zählt auch die US-Armee.

(Foto: Harvard University)

Bisher erlaubt die FAA den kommerziellen Nutzen von Drohnen noch nicht. Aber sie arbeitet an Richtlinien dafür. Die Behörde geht davon aus, dass nach der Regelung eines weitgehenden Zugangs zu den US-Lufträumen innerhalb von fünf Jahren bis zu 7500 kommerzielle Drohnen fliegen könnten.

North Dakota weist Vorzüge auf, die es zu einem geradezu idealen Kandidaten als Drohnen-Zentrum der USA machen. Die Luftwaffenbasis in Grand Forks dient bereits als Ausgangspunkt für militärische Einsätze unbemannter Flugzeuge. Der Staat ist bereit und in der Lage, Geld in diese Industrie zu investieren, und er hat bei seinen Ambitionen Rückhalt in Washington. Die University of North Dakota bietet einen bisher einzigartigen Drohnen-Studiengang an.

Zudem ist das Wetter an vielen Tagen im Jahr für Testflüge geeignet, die Bevölkerungszahl des Bundesstaates ist relativ niedrig und der kommerzielle Luftverkehr spärlich. „Das ist das, was man für Testzwecke will“, sagt Ben Gielow, leitender Rechtsberater der Association for Unmanned Vehicle Systems International (AUVSI), einer Organisation, die für unbemannte Systeme und Roboter wirbt. „North Dakota ist einer der Führer und ein Modell, auf das wir hinweisen.“

Wer jetzt investiert, kann später reichlich profitieren

Bislang ist sein Ölreichtum North Dakotas wichtigster Wirtschaftsfaktor. Doch das könnte sich ändern. Quelle: AFP

Bislang ist sein Ölreichtum North Dakotas wichtigster Wirtschaftsfaktor. Doch das könnte sich ändern.

(Foto: AFP)

Und es geht im Wettrennen um die Spitzenposition in dieser sich entwickelnden Industrie um eine ganze Menge. Nach einem Bericht, den AUVSI im vergangenen Jahr zusammengestellt hat, könnten die Drohnen bis 2025 mehr als 100.000 neue Arbeitsplätze und über 80 Milliarden Dollar (58 Milliarden Euro) an wirtschaftlichem Wachstum mit sich bringen.

Staaten, die jetzt investierten, könnten später reichlich profitieren, sagt Drohnen-Experte Greg McNeal, ein Professor an der Pepperdine University. Im Grundsatz gehe es darum, so etwas wie ein neues Silicon Valley zu schaffen – rund um Drohnen. „Und dieses Silicon Valley könnte in North Dakota sein.“

Der Staat könnte dabei auf seinem Ölreichtum aufbauen. Die Förderung von Schieferöl hat North Dakota in den vergangenen Jahren zu wirtschaftlicher Stabilität, Bevölkerungswachstum und geringer Arbeitslosigkeit verholfen. Jetzt, nachdem die FAA grünes Licht für die Drohnen-Testflüge gegeben hat, hofft man auf weitere Investitionen.

Das sind die Flugzeuge der Zukunft
FanWing
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Das Bild zeigt die Computerillustration eines „FanWing“-Flugzeugs. Das neue Fluggerät ist eine Mischung aus Hubschrauber und Flugzeug. Es wird von großen Ventilatoren angetrieben, die gewaltige Luftmassen unter die Tragflächen befördern. E ist leise, sparsam und braucht nur eine extrem kurze Startbahn.

(Foto: dpa)
Volocopter
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Ende 2013 hob der Volocopter erstmals zu seinem Jungfernflug ab. Der unbemannte Elektro-Senkrechtstarter wird von Elektromotoren angetrieben und per Joy-Stick oder Autopilot gesteuert. Statt eines Propellers, wie beim einem Helikopter, ist er mit mehreren ausgestattet. Langfristig sollen in dem Fluggerät zwei Personen transportiert werden können.

(Foto: dpa)
Clip-Air
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Fliegen geht schneller als Zugfahren. Doch ehe ein Reisender im Flieger sitzt und die Reise wirklich losgeht, vergehen Stunden in Warteschlagen und vor dem Boarding. Dass das Fliegen genau so komfortabel wird, wie das Zugfahren, ist das Ziel eines Schweizer Forscherteams. Dazu haben sie eine Art Luft-Lok an der einzelne Passagier- oder Logistik-Wagen angehängt werden können. Der „Überflügel"“ enthält den Motor, das Cockpit, den Treibstoff und auch das Ausfahrgestell zur Landung. Und die einzelnen Wagen könnten die Reisenden theoretisch überall besteigen. Zum Beispiel auch an einem Bahnhof.

(Foto: Screenshot)
Flynano
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Der finnische Luftfahrtingenieur Aki Suokas hat ein Ein-Mann-Wasserflugzeug aus Karbon entwickelt. Weil es leichter ist als 70 Kilogramm, wäre es theoretisch auch ohne Pilotenschein zu fliegen. Das bis zu 140 Kilometer pro Stunde schnelle Gerät schafft maximal 70 Kilometer Reichweite.

(Foto: PR)
Nurflügler
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So könnte das Passagierflugzeug der Zukunft aussehen: Das Konzept für den Nurflügler wurde im Rahmen des EU-Projekts NACRE (New Aircraft Concepts Research) entwickelt. Bisher ist die Technik vor allem aus dem Militär bekannt. Bereits 1903 entwickelte der Österreicher Ignaz „Igo“ Etrich das erste Flugzeug dieser Art nach dem Vorbild eines Flugsamens.

(Foto: PR)
Solar Impulse
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Das Schweizer Solarflugzeug Solar Impulse ist das aktuelle Projekt des Schweizer Luftfahrtpioniers Bertrand Piccard. Das Flugzeug zieht seine Energie ausschließlich aus Sonnenenergie. Dafür sin Solar-Paneele auf den Flügeln angebracht. Um zu zeigen, dass das Projekt funktioniert, plante Piccard in diesem Jahr einen Flug um die Erde. Wegen technischer Probleme muss der Solarflieger derzeit eine Zwangspause auf Hawaii einlegen..

(Foto: dpa)
Spike Aerospace
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Reise für Reiche: Ein Startup aus Boston entwickelt derzeit den Überschall-Privatjet Spike Aerospace. Damit soll die Flugzeit von New York nach London nur noch drei Stunden dauern. Die gigantischen Panorama-Fenster bestehen aus Displays auf denen das, was draußen vorbei zieht, übertragen wird. Wer schlafen möchte, kann die Bildschirme abdunkeln. Angeblich sollen die Flieger bereits 2018 an den Start gehen.

(Foto: Screenshot)

Dabei zeigte Gouverneur Jack Dalrymple kluge Voraussicht. Drohnen werden in der öffentlichen Diskussion häufig mit Spähaktionen in Verbindung gebracht, und Bedenken um den Schutz der Privatsphäre haben in manchen Staaten die Investitionsbereitschaft gebremst.

Erste Testflüge ab Mai

Grand Forks mit seinem Luftraum- und Technologiepark Grand Sky ist das von der FAA genehmigte Drohnen-Testgelände, und als Dalrymple kürzlich einen Ausschuss zur Aufsicht über die dortigen Operationen einsetzte, verkündete er zugleich Restriktionen zum Schutz der Privatsphäre. Das soll etwaiges Misstrauen eindämmen.

John Villasensor, Mitarbeiter der Denkfabrik Brookings Institution, weist darauf hin, dass „Drohnen viele Aufgaben haben können, die keinerlei Privatschutz-Sorgen aufwerfen, wie etwa das Versprühen von Pflanzenschutzmitteln“. Die ersten von der FAA genehmigten Testflüge ab Mai gehen in diese Richtung. Sie sollen lediglich über staatlichem Gelände erfolgen und der Erforschung möglicher Einsätze in der Landwirtschaft dienen.

North Dakota hofft, das dies nur eine erste Etappe ist – auf dem Weg zum Silicon Valley der Drohnen.

  • ap
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