Eine hessische Firma reinigt und desinfiziert Wasser elektrolytisch mit Hilfe von Kochsalz Strom sorgt ganz ohne Chemie für sauberes Trinkwasser

Die Firma Redo Water Systems macht sich das Prinzip der Elektrolyse zu Nutze. Mit der "Membranzellen-Elektrolyse" gelingt es mit geringem Aufwand, große Mengen Wasser zu reinigen und keimfrei zu machen.
  • Hans Schürmann (Handelsblatt)

DÜSSELDORF. Die Elektrolyse kennt jeder aus dem Chemieunterricht. Mit Hilfe von Strom werden Ionen in einer Flüssigkeit umgewandelt. Aus einer Kochsalzlösung entstehen beispielsweise reaktionsfreudige Teilchen, die zur Desinfizierung von Trinkwasser genutzt werden können. Dieses Prinzip macht sich die hessische Firma Redo Water Systems zu Nutze. Mit der so genannten Membranzellen-Elektrolyse gelingt es mit geringem Aufwand, große Mengen Wasser zu reinigen und keimfrei zu machen.

Die Wasser-Aufbereitungsanlagen sind dabei so kompakt, dass sie in einen Kleintransporter passen. Prototypen fanden so schon ihren Weg in Krisengebiete auf der ganzen Welt: nach China, Nigeria, auf den Balkan oder zur ostdeutschen Flutkatastrophe an der Oder. Die mobilen Anlagen erzielen je nach Größe einen Durchsatz von 5 000 bis 10 000 Litern pro Stunde. Stationäre Anlagen könnten sogar bis zu 500 000 Liter aufbereiten. Ein Mensch braucht zwei bis drei Liter Wasser täglich.

Bei der Reinigung durchläuft das verunreinigte Wasser zunächst ein mehrstufiges Filtersystem und wird von groben Schwebstoffen und organischen Partikeln befreit. Danach werden dem Wasser ein paar Gramm gewöhnliches Koch- bzw. Meersalz beigemischt. Die von patentierte Elektrolysetechnik erzeugt daraus dann Trinkwasser.

„Der innovative Teil der Technik ist die so genannte Diaphragmalysezelle“, sagt Redo-Geschäftsführer Attila Galambodi. Sie besteht aus einer Kathode und Anode und einer dazwischenliegenden Membran, die einen Ionenaustausch zulässt, gleichzeitig aber die Durchmischung der beiden Lösungen verhindert. Durch Anlegen elektrischer Gleichspannung an die beiden Elektroden erfolgt der Ionenaustausch im salzigen Wasser. „Es entstehen im Inneren der Zelle zwei hoch wirksamen Lösungen, die das Wasser reinigen, den pH-Wert regulieren und sämtliche Bakterien, Viren, Keime und Pilze abtöten“, erläutert Galambodi. Schädliche Nitrate, Fluorkohlenwasserstoffe oder Chloride werden restlos eliminiert. Lebenswichtige Mineralstoffe und Enzyme hingegen bleiben erhalten.

Die Idee einer physikalischen Wasseraufbereitung sei zwar nicht neu, sagt Wolfram Thiemann, Leiter des Instituts für Physikalische und Umweltchemie an der Universität Bremen. Doch kein Verfahren würde bislang so gut funktionieren, wie das des hessischen Unternehmens. Die Herausforderung bestehe darin, die Elektrolysezelle robust und haltbar zu bekommen. Redo Water Systems hat es hinbekommen.

Die Betriebskosten für die Aufbereitungsanlagen sind gering: Bei einem Wasserdurchlauf von 1 000 Litern pro Stunde verbrauchen sie rund 16 Watt Strom und 2 bis 4 Gramm Kochsalz. Jeder, der Nudeln kocht, benötigt das hundertfache an Energie und ein zigfaches an Salz.

Das Prinzip des Ionenaustauschs kann jedoch nicht nur zur Trinkwasseraufbereitung genutzt werden, sondern auch zur Reinigung von Schwimmbädern anstelle von Chlor oder zur Desinfektion von Trinkwassertanks. Auch Meerwasser lässt sich mit der Technik entsalzen. Dazu bedarf es noch eines zusätzlichen elektrochemischen Prozesses, der Elektrodialyse. „Der Ionenaustausch wird so lange wiederholt, bis die erforderliche Trinkwasserqualität erreicht ist“, sagt der Redo-Geschäftsführer. Die Entsalzungsanlagen eignen sich mit ihrem Durchlauf von 100 bis 1 000 Liter pro Stunde bislang jedoch nur für die Versorgung einzelner Häuser.

Die bislang größten Kunden von Redo Water Systems in der Bundesrepublik sind die Flughäfen Frankfurt und Hahn im Hunsrück. Dort versorgen die Wasseraufbereitungsanlagen die Flugzeuge mit keimfreiem Trinkwasser. So aufbereitet bleibt es während des langen Fluges frisch, zur Not auch mehrere Tage lang. Die Redo-Technik hat hier eine alte Chlorgasanlage ersetzt. Das spart dem Betreiber die Chemiekosten und erspart dem Passagier den Chlorgeschmack.

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