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Elon Musk macht die Energiewende chic So rechnet sich Teslas Powerwall

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Es rechnet sich

Ein kurzes Rechenexempel zeigt die Attraktivität von Powerwall. Wer über die Garantiezeit von zehn Jahren täglich nur die Hälfte der Akkuleistung für den häuslichen Eigenbedarf nutzt, kommt auf Speicherkosten von etwa 17 Eurocent pro Kilowattstunde. Deutsche Stromversorger verlangen für Ökostrom mindestens 10 Cent mehr. Wer den Strom seiner kleinen Solaranlage (bis 10 Kilowatt Leistung) direkt ins Stromnetz einspeist, erhält in Deutschland derzeit knapp 12,50 Cent Einspeisevergütung pro Kilowattstunde. So rechnet sich der direkte Eigenverbrauch des selbsterzeugten Stroms allemal. Mit dem Tesla-Stromspeicher rangieren die Stromkosten während der sonnenlosen Stunden auf dem gleichen Niveau. Sollte jemand täglich sogar die volle Speicherkapazität ausschöpfen, kann er sich über Speicherkosten von unter 10 Cent pro Kilowattstunde freuen.

Tesla will zwei Versionen ab Mitte des Jahres mit sieben und zehn Kilowattstunden Speicherkapazität anbieten. Die etwa 100 Kilogramm schwere Batterie - verpackt in ein 1,30 Meter hohes, 86 Zentimeter breites und 18 Zentimeter dickes Gehäuse - soll sich einfach in einem Keller oder an der Hauswand installieren lassen. Gespeist mit Solarstrom einer hauseigenen Photovoltaik-Anlage könnte bei nur acht Prozent Verlust mühelos der Strombedarf eines Vierpersonenhaushalts in den dunklen Abendstunden gedeckt werden. Mit einer Spitzenleistung von drei Kilowatt - genug für Kühlschrank, Waschmaschine, Staubsauger und Licht - wäre sogar eine Stromlieferung aus dem Netz überflüssig. Quelle: AFP
Fakten zur Powerwall

Tesla will zwei Versionen ab Mitte des Jahres mit sieben und zehn Kilowattstunden Speicherkapazität anbieten. Die etwa 100 Kilogramm schwere Batterie - verpackt in ein 1,30 Meter hohes, 86 Zentimeter breites und 18 Zentimeter dickes Gehäuse - soll sich einfach in einem Keller oder an der Hauswand installieren lassen.

Gespeist mit Solarstrom einer hauseigenen Photovoltaik-Anlage könnte bei nur acht Prozent Verlust mühelos der Strombedarf eines Vierpersonenhaushalts in den dunklen Abendstunden gedeckt werden. Mit einer Spitzenleistung von drei Kilowatt - genug für Kühlschrank, Waschmaschine, Staubsauger und Licht - wäre sogar eine Stromlieferung aus dem Netz überflüssig.

(Foto: AFP)

Das kalifornische Solarunternehmen Solar City wird den Powerwall-Speicher ab Sommer zusammen mit Photovoltaik-Anlagen anbieten. Solar City, an dem Elon Musk als Mitgründer ebenfalls Anteile hält, rechnet mit einer sehr großen Nachfrage. Um Gewerbekunden über Leasingverträge Solaranlagen und Speicher anbieten zu können, plant Solar City, mit bis zu einer Milliarde US-Dollar in Vorleistung zu gehen. Auch Deutschland als Stammland der Energiewende steht im Fokus von Tesla. Gemeinsam mit dem Hamburger Ökostromversorger Lichtblick soll der Hausakku erst hierzulande und danach EU-weit vertrieben werden.

Lichtblick plant Schwarmspeicher

"Die neuen Tesla-Batterien markieren einen Meilenstein, denn kostengünstige und leistungsfähige Speicher sind eine Schlüsseltechnologie der dezentralen Energie-Revolution", sagt Lichtblick-Chef Heiko von Tschischwitz. Die Akkus lassen nicht nur den Eigenverbrauch von Solarstrom steigen, sondern können sogar zu einem leistungsstarken Schwarm-Strom-Speicher vernetzt werden. Angebunden ans Stromnetz sollen sie intelligent gesteuert werden, um über ganze Regionen Leistungsschwankungen der Wind- und Solarkraftwerke auszugleichen. Millionen installierter Batterien könnten so wertvolle Regelleistung zur Verfügung stellen, die zu lukrativen Preisen an die Stromnetzbetreiber verkauft werden könnte. Die Erlöse will Lichtblick mit den Akkubesitzern teilen.

Ob sich die Anzahl der heute etwa 15.000 in Deutschland installierten Solarstromspeicher mit dem Tesla-Akku vervielfachen wird, lässt sich bisher noch nicht absehen. Auch offizielle Daten zum Material, zur Ladedauer, Sicherheit und Zuverlässigkeit der Powerwall-Speicher sind bislang nicht verfügbar. Tesla verweist bisher auf einen laufenden Praxistest mit ersten Stromspeichern in Kalifornien, bei dem offenbar keine nennenswerten Probleme aufgetreten sind.

Akkupreise könnten stark sinken

Die ersten Powerwall-Module stammen wahrscheinlich aus der kalifornischen Akkufabrik, die auch die Lithium-Ionen-Akkus für die Tesla-Elektromobile zuliefert. Laut Younicos-Ingenieur Schreieder handelt es sich dabei um eine etablierte Technologie auf der Basis von Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Oxid-Zellen. Um die erwartete Nachfrage decken zu können, entsteht derzeit im US-Wüstenstaat Nevada die Tesla-Gigafactory. In Zusammenarbeit mit Panasonic sollen ab kommendem Jahr auf einer Nutzfläche von einem Quadratkilometer Akkus mit mehreren Dutzend Gigawatt Leistung gefertigt werden. Diese Massenfertigung in der dann größten Einzelfabrik der Welt wird auch nötig sein, um die Produktionskosten wie von Experten erwartet um ein Drittel senken zu können.

Die Akkuhersteller in Asien, die heute über die größte Produktionskapazität verfügen, werden dem Vorpreschen von Tesla nicht tatenlos zusehen. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass das Billigangebot von Tesla die Akkupreise schon bald stark sinken lassen könnte. Wichtige Anteile an einem rasant wachsenden Milliardenmarkt - Experten schätzen die Umsätze für 2017 auf gut 19 Milliarden US-Dollar - stehen auf dem Spiel. Um wie Tesla sich als Newcomer auf diesem Markt behaupten zu können, wird die Gewinnspanne für die Powerwall-Module sicher knapp kalkuliert sein. Wenn Tesla in der Anfangsphase nicht sogar draufzahlt und eine erwartete Kostensenkung bei der Produktion vorwegnimmt."Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein subventionierter Preis ist", sagt auch Michael Schreieder.

Ob die Rechnung für Tesla aufgeht, werden die kommenden Jahre zeigen. Mit dem Medienhype um Powerwall hat Musk die erste Etappe jedenfalls erreicht. Ihn - wie in zahlreichen Medien zu lesen - als Energie-Messias zu feiern, mag übertrieben sein. Dennoch braucht eine globale Energiewende solche visionären Akteure, um breite Aufmerksamkeit zu erzeugen. Denn vor ihm ist es keinem gelungen, einem eigentlich schnöden Produkt wie einer Batterie einen Hauch von Glamour zu verleihen.

  • Jan Oliver Löfken
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9 Kommentare zu "Elon Musk macht die Energiewende chic: So rechnet sich Teslas Powerwall"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Schauen Sie sich das an: 70er Jahre Klinkerbau - Kombination aus PV, Stromspeicher, Brauchwasser-WP und Mikro-KWK (sowie künftig Elektroauto). Nach einem Jahr wird deutlich: Das Ding amortisiert sich nach 6 Jahren und der genannte Hausbesitzer hat sogar noch Speicherkapazität hinzugekauft, damit er noch mehr Eigenverbrauch hat. Denn den KWK-Strom ins Netz einzuspeisen (5,7 Cent) lohnt sich nicht.

    Hier entlang: https://drive.google.com/file/d/0B_jRK1zkRfARWUxCMWM2MG5nQ28/view

  • @Thomas Schmidt: Sie sprechen mir aus der Seele. Der Beitrag zeigt die Wirtschaftlichkeit eben gerade nicht im Ansatz. Dabei gibt es in Deutschland längst Menschen, die solch innovative Technik einsetzen, was sich bereits nach sechs (!) Jahren rechnet. Das ist der absolute Wahnsinn, wie die sinkenden Batteriepreise und die PV-Preise sich auswirken.

    Dazu Förderung hier und MWST-Rückerstattung da - und schwupps: Es lohnt sich. Aber eben nicht nur mit PV + Speicher, sondern in Kombination von Brauchwassserwärmepumpen und Mikro-KWK zB in Bauten aus den 70er und 80er Jahren.

    @Jürgen Arp: Die 7 kWh-Batterie schafft 5.000 Ladezyklen, keine 10.000. Und ohne Verluste schafft sie das gerade auch nicht.

  • Für leichte Zweiräder (Motorroller, et. al.) ist dies für den Stadtverkehr sicher richtig. Es gibt Städte, die komplette auf Elektro-Zweiräder umgestellt haben z.B. Peking oder Shanghai. Allerdings wird ja gerade wegen des Wetterschutzes mit dem PKW gefahren, also kommen die Verluste nur gelegen, um den Innenraum zu heizen. Wenn man einmal im strengen Winter einen der früheren Diesel-Direkteinspritzer ohne Zuheizer gefahren ist, dann merkt man dies.

    Warum bloss sollte man Fahrzeuge vor den Häusern komplett elektrifizieren? Vor Jahrzehnten hatten wir die CO2 freie Heizung als Nachtspeicher mit billigem Kernstrom. Die Franzosen machen es heutzutage mit Wärmepumpen, auch CO2 frei.

  • @ Herr Steinweg,
    Was möchten Sie damit ausdrücken?
    Sie haben Recht, 1l Benzin zu 50 ct (vor Steuern) enthält ca 10 kWh. Die Umsetzung in mechanische Energie erfolgt mit ca. 20% Wirkungsgrad. Bleiben also 2 kWh nutzbare Energie, die kWh also zu 25 ct. Also etwa doppelt so viel wie die Stromerzeugung per PV Anlage und immer noch mehr wie PV Erzeugung plus Li-Ionen-Speicher.

  • Es geht um 0.5 € vor Steuer.

  • @ Eberhard Steinweg
    Was soll das heißen?
    Vielleicht sollten Sie etwas weiter denken und auch überlegen wie man mit der Energiedichte umgeht.
    Verbrennt man diese in einem Motor mit bestenfalls 45% Wirkungsgrad oder wird sie in einem Motor mit weit über 90% in Bewegungsenergie umgewandelt?

  • Wieso rechnet sich das?? Es ist faszinierend , wie die Medien jede Marketing-Sprechblase als Fakt weiterverbreiten, die aus dem Hause Tesla kommen. Man kennt noch nicht mal die für einen Privatkunden anfallenden Gesamtkosten, sondern rechnet einfach mal mit dem Einkaufspreis , für die ein Solaranbieter/-Installateur sie beziehen kann. Also ohne dessen Marge (im Regelfall wird er ja auch was dran verdienen wollen), ohne Kosten für Installation/Wartung. Frage auch: Muss dafür nicht sogar noch evtl. ein Strom-Inverter zusätzlich angeschafft werden mit substantiellen Kosten.

    Wäre nett, diese Behauptung (rechnet sich) mal mit einer detaillierten Berechnung zu belegen. Denn bisher hört man von Leuten aus der Energiebranche eigentlich nur unisono, dass sich diese Batterien in Deutschland für Privatkunden nicht profitabel einsetzen lassen

  • Die Wirtschaftlichkeit dürfte sich sogar noch günstiger darstellen. Nimmt man an, dass die Zellen 10.000 Zyklen bei 50% Entladetiefe ohne wesentlichen Kapazitätsverlust verkraften, dann ergeben sich 50.000 kWh Gesamtkapazität (plus Restlebensdauer).
    Das ergibt ca. 7 ct/kWh Kosten nur für die Speicherung. Addiert man 12,5 ct/kWh Erzeugungskosten dazu, so liegt man insgesamt bei unter 20 ct/kWh. Das ist deutlich unter den normalen Bezugskosten in Haushalt und Kleingewerbe.
    Dabei sind sowohl Stromerzeugung wie auch die Speicherung hinsichtlich der technischen Entwicklung noch nicht ausgereizt. Die Photovoltaik wird sein kaum 15 Jahren in nennenswertem Maßstab eingesetzt, die Speicherung steht ganz am Anfang. In diesen 15 Jahren hat sich für die Photovoltaik der Wirkungsgrad verdoppelt, die Kosten sind um ca. 80% gesunken. Wenn man sich die Entwicklungs-Roadmap der führenden Forschungsinstitute wie Fraunhofer ansieht, dann ist bei weiter sinkenden Kosten eine Wirkungsgradsteigerung um ca. 30% in den nächsten 5 Jahren eingeplant. Mittelfristig dürften bei guten technischen Rahmenbedingungen Kosten um 15 ct/kWh für Erzeugung und Speicherung realistisch sein.
    Diese Entwicklung erklärt auch die Härte, mit der inzwischen um den Strommarkt gekämpft wird.

  • 10 kWh sind der Energie-Inhalt eines Liters Benzin.

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