Europäischer Erfinderpreis Ein Drucker für die ganze Welt

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Eine ungeheure Freiheit der Formen
Für seine Pionierarbeit wurde Chuck Hull in den letzten beiden Jahrzehnten mit diversen Auszeichnungen bedacht. Quelle: EPO

Für seine Pionierarbeit wurde Chuck Hull in den letzten beiden Jahrzehnten mit diversen Auszeichnungen bedacht.

(Foto: EPO)

„Der entscheidende Gedanke war, sich Gegenstände aus Schichten aufgebaut vorzustellen“, sagt Hull. Ähnlich wie der Mensch heute beispielsweise im CT Schicht für Schicht vermessen wird, kann ein Gegenstand auch Schicht für Schicht aufgebaut werden. Gegenüber anderen Techniken, die beispielsweise Strukturen aus einem Block Fräsen, eröffnet das ungeheure Freiheit bei den Formen aus einem Guss, weil auch im Inneren eines Körpers jede Position zugänglich wird.

Hulls Prototyp-Drucker war ein Tischgerät. Eine Grundfläche senkt sich in ein Bad flüssigen, photosensitiven Kunststoffs. Wie der Kopf eines Tintenstrahl-Druckers fährt ein UV-Laserstrahl die Stellen ab, die Teil des neuen Gegenstands werden sollen. Dort härtet der Kunststoff aus. Dann senkt sich die Grundfläche erneut und der flüssige Kunststoff überschwemmt wieder alles. Der Laser fährt die nächste Lage ab und härtet so eine nächste Lage Material auf der vorherigen.

Schicht für Schicht wächst so ein dreidimensionaler Körper in die Tiefe, der am Ende nur noch abgespült werden muss. Die Vorlage für das Produkt kann eine 3D-CAD-Zeichnung sein, aber auch – wenn es nur auf die äußere Form ankommt – der Rundum-Scan etwa einer Person, der dann im Computer zu einem 3D-Modell verrechnet wird.

Hull nannte seine neue Technik nicht 3D-Drucker sondern Stereolithografie. „Das sollte physikalischer klingen und bringt ja auch den Raumgedanken zum Ausdruck“, so der Physiker. Mit Unterstützung seiner Firma meldete er 1984 sein erstes Patent darauf an, das 1986 erteilt wurde: das EP0171069 „Method and apparatus for production of three-dimensional objects by stereolithography“.

„Leider konnte es sich die Firma nicht leisten, in die neue Technologie zu investieren“, berichtet Hull. Weil er selbst aber an das Potenzial und den Erfolg glaubte, und sich schon länger für unternehmerische Fragen interessierte, entschied er sich, mit einem Kollegen zusammen ein eigenes Unternehmen dafür zu gründen.

„Wir schrieben einen Businessplan und sprachen mit potenziellen Investoren, aber Mitte der 80er Jahre wollte kaum jemand Venture Capital in eine Produktionstechnologie stecken, IT war angesagt.“ Schließlich wurden sie in Vancouver fündig und so wurde 3D-Systems geboren, die Firma, in der Chuck Hull bis heute arbeitet, und die auch weiterhin Weltmarktführer beim 3D-Druck ist.

„Wir hatten gleich gute Resonanz aus der Automobilindustrie und der Medizintechnik, wo die Fertigung von Prototypen eine wichtige Rolle spielt, und wir konnten große Firmen als Test-Kunden für unser erstes Modell, die SLA-1, gewinnen“, berichtet Hull. 1988 war dann die erste Maschine verkaufsreif, 1993 flossen die ersten Gewinne.

Schnell engagierte sich 3D-Systems auch international und startete 1990 in Deutschland. Mittlerweile gibt es auch R&D-Abteilungen in Europa und Asien, und das Unternehmen ist mit seinen 1000 Mitarbeitern an der Technologiebörse NASDAQ gelistet.

Jede Technologie hat auch Schattenseiten
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1 Kommentar zu "Europäischer Erfinderpreis: Ein Drucker für die ganze Welt"

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  • Das sind immer noch Fertigungs-bzw. Produktionsmaschinen und keine 3D-Drucker.
    Und diese Fertigungsmaschinen haben sich schon lange in der Industrie durchgesetzt.
    Und was solche 3D-Fertigungsmaschinen in einen gewöhnlichen Haushalt zu suchen haben, das erschließt sich mir nicht wirklich.
    30 Jahre hatte dieser Tüftler nun Zeit gehabt sein Produkt (3D-Fertigungsmaschinen Drucker) auf dem Markt zu vermarkten....30 Jahre ging nix! Und jetzt auf einmal soll etwas gehen?!
    Mein Fazit....30 Jahre sind eine lange Zeit um sich am Markt zu beweisen und 30 Jahre konnte sich dieser 3D-Drucker nicht etablieren....somit ist dieses Konstrukt reif für den wirtschaftlichen und technischen Mülleimer. Noch dazu, weil es ja bereits haufenweise solcher 3D-Fertigungsmaschinen auf den Markt gibt. Heißen eben nicht Drucker, sondern wie zu recht FERTIGUNG-PRODUKTION MASCHINEN.

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