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Fischfang Fette Beute

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Die Züchtungserfolge von heute basieren auf den Misserfolgen von gestern: Die ersten Versuche, Fische im großen Maßstab zu züchten, endeten jämmerlich. Noch Ende der Siebzigerjahre wurden bis zu 60 Kilogramm Lachs in einen Kubikmeter Wasser gepfercht. Die Folge: Den Lachsen, die in Freiheit große Strecken zurücklegen, bekam die Enge nicht. Sie bildeten weniger Muskeln aus und wurden anfällig für Infektionen. Seeläuse fielen über die Zuchtlachse her. Norwegens Farmer schütteten in den Siebzigerjahren bis zu ein Kilogramm Antibiotika pro Tonne Lachs ins Meer.

Inzwischen hat sich der Antibiotika-Einsatz dramatisch verringert: Auf eine Tonne Lachs entfallen weniger als fünf Gramm Antibiotika - Tendenz fallend. Zum Vergleich: Die Norweger verbrauchen heute ein Zwanzigstel der Menge an Antibiotika, die deutsche Züchter jährlich für die Aufzucht von Hühnern benötigen. 98 Prozent aller Lachse aus norwegischer Aquakultur kommen sogar niemals mit Antibiotika in Berührung. Auch im übrigen Europa haben sich die Lebensverhältnisse der Zuchtfische spürbar gebessert - nicht nur in Biobetrieben. Heute ist die sogenannte Besatzdichte für Aquakulturen gesetzlich begrenzt. Maximal 25 Kilogramm Lachs oder andere Fischarten sind pro Kubikmeter Wasser zulässig.

Es gibt sogar ökologische Vorteile mariner Eiweißproduzenten gegenüber Rindern, Schweinen oder Hühnern: Zucht- fische verwerten das Futter dreimal so gut wie Schweine. Um ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen, muss eine Kuh sieben Kilo Futter zu sich nehmen, der Karpfen kommt mit zwei Kilogramm aus. Die hohe Effizienz der Futterverwertung erreichen Fische, weil sie als Kaltblüter weniger Energie für die Erhaltung einer konstanten Körpertemperatur verbrauchen als warmblütige Vögel oder Säuger. Zudem vermehren sich Fische schnell. "Ein Schwein kann jährlich ein Dutzend Nachkommen produzieren, ein Huhn 300, ein Fisch Zehntausende", sagt Hilge.

Zwar geht ein Teil der Vorteile wieder verloren, weil beispielsweise Lachse und Karpfen Räuber sind und deshalb als Futter eiweißreiches Fischmehl und Fischöl brauchen. Beides wird aus anderen Meeresfischen und Resten gewonnen und zu Fischtabletten, sogenannten Pellets, gepresst. Das ist teuer und wenig nachhaltig. Inzwischen gibt es Erfolg versprechende Versuche, mit weniger Fischmehl auszukommen. "Bis zu 80 Prozent des tierischen Proteins können durch pflanzliche Futtermittel aus Raps und Soja ersetzt werden", sagt Hilge.

Die Frage ist nur: Wie kann der Verbraucher erkennen, ob Shrimps, Forellen, Lachs, Pangasius oder Muscheln aus nachhaltiger Fischerei oder von einer Bio-Aquafarm stammen? "Beim Wildfisch empfehlen wir das Gütesiegel Marine Stewardship Council (MSC), das für nachhaltige Fischerei steht", sagt WWF-Fachfrau Zucco. Nicht ganz so einfach ist es bei den Aquafarmen: In der EU gibt es bis heute keine entsprechenden Bio-Richtlinien. Das soll sich bis 2009 ändern. Solange müssen dem Verbraucher die strengen Bioland- oder Naturland-Siegel als Orientierung reichen.

Bis dahin haben Forscher vielleicht auch ein anderes Problem gelöst: Immer wieder nagen clevere Seehunde die Seile der Netzgehege durch und bedienen sich an dem reich gedeckten Tisch. Die Fische, die ihnen entkommen, türmen ins offene Meer und sind für die Fischfarmer verloren.



Mehr zum Thema

» www.fao.org - Internet-Seite der Welternährungsorganisation FAO mit Infos zu Fischbeständen in den Meeren

» www.wwf.de Seite der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) mit Fischführer

» www.msc.org Marine Stewardship Council, Organisation für nachhaltige Fischereiwirtschaft

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