Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Fliegende Antennen statt Basisstationen Luftschiffe helfen künftig beim Ausbau des Mobilfunks

Mehr und mehr Menschen nutzen das Internet, immer stärker auch unterwegs. Grundlage dafür ist die mobile Datenübertragung. Mobilfunkmasten sind aber häufig ungern gesehen und teuer - daher gehen diese Antennen nun „in die Luft“.
  • Chris Löwer
Der Mobilfunkmarkt drängt auch ins Internet. (Quelle: dpa) Quelle: dpa

Der Mobilfunkmarkt drängt auch ins Internet. (Quelle: dpa)

(Foto: dpa)

BERLIN. Das Internet durchdringt den Alltag immer mehr. Daten werden nicht nur am Rechner zu Hause abgefragt, sonder zunehmend auch unterwegs auf mobilen Geräten. Noch lässt die mobile Datenübertragung zu wünschen übrig, doch die Mobilfunkfirmen bauen ihre Übertragungskapazitäten weiter aus. Dabei haben sie ein Problem: Zusätzliche Mobilfunkmasten sind vielen Menschen ein Dorn im Auge – und für ein lückenloses Handynetz ist eine teuere Investition. Weltweit suchen Forscher daher nach anderen Lösungen. Eine Idee: Luftschiffe in der Stratosphäre, also zwischen Boden und Orbit, könnten die schnellen mobilen Datenleitungen zur Verfügung stellen.

„Ziel ist, eine neue Art der Infrastruktur in der Stratosphäre aufzubauen“, sagt Joachim Horwarth vom Institut für Kommunikation- und Navigation am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das DLR ist an dem von der EU geförderten Projekt „Capanina“ beteiligt, bei dem ein gutes Dutzend Institute und Unternehmen an einem unbemannten Luftschiff arbeiten, das in einer Höhe von 22 Kilometern per Laser Daten mit einer Übertragungsrate von mehreren Gigabit pro Sekunde übertragen soll.

Im Grunde funktioniert die Datenübertragung wie über Glasfaserkabel, nur eben dass das Übertragungsmedium Luft ist. Die Schwierigkeit dabei: „In der Atmosphäre kommt es zu Turbulenzen, die den Laserstrahl ablenken, was hohe Anforderungen an das Tracking-System stellt, mit dem die Daten empfangen werden“, erklärt der Elektrotechniker. In ersten Tests habe die Übertragung aber über eine kürzere Distanz schon gut funktioniert.

Ein Vorteil des Systems: „Im Gegensatz zu einer Übertragung per Satellit kann das Luftschiff zur Wartung oder einem Update jederzeit auf den Boden zurückgeholt werden“, sagt Horwarth. Außerdem wäre es sehr flexibel. Eine solche Plattform könnte beispielsweise nach einem Erdbeben in Katastrophengebieten helfen, bei zerstörter Infrastruktur schnell ein Kommunikationsnetz für Rettungskräfte aufzubauen. Bis es jedoch einsatzbereit ist, wird es noch einige Zeit dauern.

Das Team um den Luftfahrtingenieur und Chef der Schweizer Firma Stratxx, Kamal Alavi, ist da weiter. Es entwickelt ebenfalls eine fliegende Antenne: Zusammen mit Forschern, unter anderem von der ETH Zürich und der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (EMPA), hat Alavi kürzlich einen ersten Testballon auf 21 Kilometer Höhe gebracht, von wo aus Daten mit der Funktechnik Wimax mit bis zu 40 Megabytes pro Sekunde übertragen werden sollen. Die so genannte X-Station ist ein extrem leichter, heliumgefüllter, 70 Meter langer Zeppelin, der über eine Mobilfunkstation mit Sendeantenne verfügt. Kurskorrekturen übernimmt ein zusammen mit der ETH entwickelter GPS-gestützter Autopilot. Durch Propeller wird das solargetriebene Gefährt in der Spur gehalten.

„Später soll die X-Station in der Stratosphäre positioniert werden und von da aus eine Fläche von 1 000 Kilometern abdecken“, sagt Alavi. Später, das ist nach seiner Einschätzung 2009, wenn das System auf den Markt kommen soll. Der Preis: 20 bis 25 Millionen Euro. „Um Europa abzudecken bräuchte man etwa 20 Luftschiffe“, schätzt der Stratxx-Chef. Neben der Telefonie und Internetverbindungen sollen über die fliegende Antenne auch digitale Radio- und Fernsehensendungen übertragen und Landstriche überwacht werden, etwa waldbrandgefährdete Gebiete.

Insgesamt wird weltweit in 20 bis 30 Projekten an ähnlichen Übertragungstechniken gearbeitet, schätzt DLR-Entwickler Horwarth. Das wahrscheinlich größte läuft beim US-Rüstungskonzern Lockheed Martin, wo das Verteidigungsministerium 30 Mill. Euro in die Entwicklung eines Luftschiffes investiert, das teure Spionage-Satelliten ersetzen soll. Aber auch in Japan, Korea und Europa gibt es vergleichbare Ideen. „Wer zuerst ein marktreifes System vorstellt, wird keine Probleme haben, es zu verkaufen“, ist sich Horwarth sicher. Allein China bekunde großes Interesse, weil weite Teile des Landes noch nicht mit Kommunikationstechnik versorgt sind und ein Netz mit Antennen sehr teuer würde.

Startseite
Serviceangebote