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Flug könnte sich um mehrere Wochen verschieben Technik-Panne verhindert Shuttle-Start

Ein Alarm in der Treibstoffanzeige hat den geplanten Start der Weltraumfähre „Discovery“ am Mittwoch verhindert. Die Weltraumbehörde NASA brach den Countdown am Weltraumbahnhof Cape Canaveral zweieinhalb Stunden vor dem um 21.51 Uhr MESZ geplanten Start ab.
Die Raumfähre Discovery steht an der Startrampe. Foto: dpa

Die Raumfähre Discovery steht an der Startrampe. Foto: dpa

HB CAPE CANAVERAL/WASHINGTON. Verantwortlich dafür war nicht das Wetter. Ein Sensor zeigte eine zu niedrige Wasserstoffmenge in dem Außentank an, teilte die Nasa mit. Der erste Shuttle-Start nach dem Absturz der Weltraumfähre „Columbia“ vor zweieinhalb Jahren stand ohnehin unter keinem guten Stern. Am Abend vorher war eine Fensterverkleidung vom Cockpit des senkrecht auf der Startrampe montierten Shuttle 20 Meter in die Tiefe gefallen und hatte die Außenhaut am Heck beschädigt. Am frühen Mittwoch fiel zunächst ein Lüfter aus, mit dem der Außentank vor dem Betanken gereinigt wird.

Schließlich meldete sich Nasa- Chefmeteorologin Kathy Winter mit der Prognose, die Startchancen seien wegen eines nahenden Unwetters auf 40 Prozent gesunken.

Ein Moderator des Nasa-eigenen Fernsehkanals schloss einen neuen Startversuch am Donnerstag nicht aus. Geprüft werden muss aber, ob der Anzeiger fehlerhaft reagierte oder ein Leck im Tank war. Im schlimmsten Fall kann das Problem nicht auf der Startrampe gelöst werden. Dann müsste das Shuttle völlig abgebaut und in den Hangar zurückgebracht werden, was den Flug um Wochen verschieben könnte. Damit stünde auch der für September geplante Start des deutschen Astronauten Thomas Reiter zur Internationalen Raumstation ISS wieder in den Sternen.

Die Weltraumbehörde hatte nach dem „Columbia“-Unglück 1,1 Milliarden Dollar (rund 910 Millionen Euro) in die Verbesserung der Shuttles und einen völlig neu konzipierten Außentank gesteckt. Von dem Tank der „Columbia“ war vor zweieinhalb Jahren beim Start ein Stück Schaumstoff abgesprengt und hatte den Tragflügel beschädigt. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre traten durch den Riss heiße Gase ein, verglühten Kabel und Leitungen und ließen das Shuttle über Texas auseinander brechen. Die sieben Astronauten an Bord kamen dabei ums Leben.

Die „Discovery“, das Shuttle mit den meisten Flügen, war erst am Mittwochmorgen mit rund zwei Millionen Litern flüssigem Sauerstoff und flüssigem Wasserstoff aufgetankt worden. Allerdings erwärmt sich beides und evaporiert als Gas, weshalb mehrfaches Nachfüllen ohnehin nötig ist, sagte der Sprecher von Lockheed Martin, Marion LaNasa. Die Firma hatte den neuen Treibstofftank gebaut.

Die sieben Astronauten waren bereits in das Shuttle eingestiegen und in ihren Sitzen festgeschnallt, als die Entscheidung zum Abbruch des Starts fiel. Sie kehrten in das Kontrollzentrum am Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) zurück.

Die „Discovery“ soll unter anderem den lang erwarteten Nachschub sowie Ersatzteile zur ISS bringen. Auch die europäische Raumfahrtbehörde ESA setzt große Hoffnungen in die Mission. Bei EADS Space in Bremen lagert das längst fertig gebaute Forschungsmodul „Columbus“ und wartet auf den Transport zur ISS. Nach den bisherigen Plänen soll es Ende 2006 ins All gebracht werden.

Das Interesse am Shuttle-Start ist groß. Foto: dpa

Das Interesse am Shuttle-Start ist groß. Foto: dpa

Die Crew der „Discovery“

Beim ersten Shuttle-Flug nach dem „Columbia“-Absturz stehen die sieben Astronauten an Bord besonders im Rampenlicht. Die zwei Frauen und fünf Männer haben sich in den vergangenen zwei Jahren an den Rummel gewöhnt.

Das Kommando führt Eileen Collins (48), eine erfahrene Air-Force-Pilotin, die schon drei Mal im Weltraum war. Ihre Kollegen rufen sie „Mom“, weil sie sich wie eine Glucke um ihre Crew kümmert. „Ich fliege nichts, was nicht sicher ist“, sagt Collins, die aus Angst in keine Achterbahn steigt. Sie ist mit einem Piloten verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von neun und vier Jahren.

Pilot James Kelly (41) hört als fast unschlagbarer Pokerspieler auf den Namen „Vegas“. Es ist sein zweiter Ausflug ins All. „Man muss sehr entschlossen sein, um sich nach einem Desaster vom Ausmaß des „Columbia“-Unglücks aufzurappeln und wieder ins All zu fliegen“, sagte er in einem Interview. Kelly hat vier Kinder.

Wendy Lawrence (46) heißt „Too Short“ (zu kurz), weil sie vor Jahren von der russischen Raumfahrtbehörde mangels drei Zentimetern Körpergröße für einen Einsatz in der Raumstation MIR abgelehnt worden war. Sie ist Helikopterpilotin und fliegt zum vierten Mal ins All. Für einen Trainingsfilm der Armee zu Überlebenstechniken demonstrierte sie, wie man einen Grashüpfer verspeist. „Flügel und Beine ab, den Rest mit einem Feuerzeug ansengen, um Bakterien abzutöten.“

Stephen Robinson (49) spielt in der Freizeit Bassgitarre in der Astronautenrockband Max Q und trägt deshalb den Spitznamen „Stevie Ray“. Er ist mit zwei vorherigen Weltraumstarts ebenfalls ein alter Hase im All und für die Weltraumausstiege vorgesehen. „Wir müssen wieder fliegen, der Steuerzahler erwartet das“, meinte der Junggeselle trocken.

Andrew Thomas (53), Australier, ist Weltraumveteran und verbrachte schon mal fünf Monate an Bord der MIR. Im „Discovery“-Team war er unter anderem für die Musikauswahl an Bord zuständig („Beethoven, Bach und Beatles“). „Ich will Musiker werden, wenn ich erwachsen bin“, sagte er vor dem Start. Er hat im Frühjahr eine Astronautin geheiratet.

Charles Carmada (52) ist All-Neuling. Der New Yorker ist im Team für sein freches Mundwerk berüchtigt. Der Thermal-Ingenieur hat entscheidend zur Verbesserung des Hitzeschildes der Shuttle beigetragen. „Ich habe mir diesen Flug nicht ausgesucht“, sagte er. „Aber wenn ich mir einen hätte aussuchen können, wäre es dieser gewesen.“ Carmada hat eine erwachsene Tochter und drei Stiefkinder.

Soichi Noguchi (40) ist auch noch nie im All gewesen. Er ist einer von acht japanischen Astronauten und der fünfte, der fliegt. In Japan wird er wie ein Rockstar gefeiert. „Es ist die Herausforderung wert, um den Weltraum weiter zu erforschen“, sagte er. Noguchi hat drei kleine Töchter.

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