Flugsaurier Hatzegopteryx Das wahre Monster aus Transsilvanien

Mit der Spannweite eines Kleinflugzeugs gehörte Hatzegopteryx zu den gewaltigsten Tieren, die in der Erdgeschichte die Lüfte eroberten. Entsprechend groß war seine Beute, wie ein Fund aus Rumänien belegt.
Spitzenräuber des damaligen Ökosystems. (Foto: Mark Witton/ CC BY-SA 4.0)
Flugsaurier Hatzegopteryx

Spitzenräuber des damaligen Ökosystems. (Foto: Mark Witton/CC BY-SA 4.0)

HeidelbergMit einer Spannweite von rund zwölf Metern und einem Gewicht von bis zu 250 Kilogramm gehört Hatzegopteryx zu den größten Flugsauriern der Kreidezeit. Doch während viele seiner Verwandten Fisch und allenfalls kleine Landtiere erbeuten konnte, erlegte dieser Pterosaurier womöglich Beutetiere von der Größe kleinerer Pferde. Das legen zumindest Fossilien nahe, die Darren Naish von der University of Southampton und Mark Witton von der Portsmouth University untersuchen konnten.

Die Überreste, die aus dem heutigen Transsilvanien stammen, deuten an, dass sich Hatzegopteryx gehörig von anderen Flugsauriern unterschied. Während diese sich überwiegend durch lange Hälse und Beine auszeichneten, besaß Hatzegopteryx einen kurzen, kräftigen Nacken mit breiten Knochen und einen sehr breiten Mund.

Urzeitliche Giganten
Riesenwaran trifft Megagans
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Mit einem Gewicht von bis zu 200 Kilogramm und einer Höhe von über zwei Metern konnte der australische Gänsevogel Genyornis newtoni – auch als Donnervogel bekannt – locker mit den heutigen Straußen mithalten. Doch machte ihn diese Größe womöglich auch zu einer begehrten Beute für die ersten menschlichen Siedler auf dem fünften Kontinent: Wahrscheinlich starb die Art vor 45.000 bis 47.000 Jahren aus, also relativ kurz nach der Ankunft der ersten Aborigines. Gleichzeitig änderte sich damals auch das regionale Klima. Australien wurde trockener und wärmer, weshalb sich Buschfeuer mehrten. Unklar ist deshalb, ob die Riesengänse wegen dieses Wandels ausstarben oder doch vor allem durch direkte Nachstellung.

Neuere Studien deuten an, dass vor allem die Eier der Megagans beliebt waren: Sie wurden gekocht und verzehrt, weshalb kaum Nachwuchs den Bestand verjüngte. Sicher ist dagegen, dass der hier ebenfalls im Bild vorhandene Riesenwaran Megalania prisca unschuldig war: Das bis zu sieben Meter lange und eine Tonne schwere Reptil fraß zwar sicherlich auch bei Gelegenheit Eier und ausgewachsene Exemplare der Megagans, doch lebten beide über hunderttausende Jahre ohne Existenzbedrohung nebeneinander. Megalania verschwand wohl fast zur gleichen Zeit wie Genyornis newtoni.

Die Katze mit den Reißzähnen
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Gingen sie wie Löwen als Rudel auf die Jagd – oder lebten sie doch einzeln wie der Jaguar heute? War ihr Biss kräftig – oder sollten die Zähne nur Furcht erregen und Konkurrenten beeindrucken? Leider können wir heute unser Wissen über die Säbelzahnkatzen der Eiszeiten nur anhand von Fossilien mehren: Die ungewöhnlichen Raubtiere starben vor 12.000 Jahren endgültig aus. Säbelzahnkatzen bildeten eine eigene Unterfamilien innerhalb der Katzenartigen, die sich alle neben dem gedrungenen Körperbau vor allem durch ihre dolchartigen Eckzähne des Oberkiefers von ihren heute noch lebenden Verwandten unterscheiden.

Die größten Arten reichten an die Dimension der Löwen heran; sie lebten weltweit außer in der Antarktis und Australien, wo bislang keine Fossilien aufgetaucht sind. Vor allem über die Rolle ihrer Zähne wird spekuliert, da sie nach verschiedenen Studien keinen hohen Beißdruck erreichen konnten und daher womöglich leicht brachen. Dennoch jagten sie wohl aktiv und fraßen nicht nur Aas, wie bisweilen gemutmaßt wird. Eventuell schlitzten sie mit ihren Hauern Halsschlagader und Luftröhre der Opfer auf.

Megalonyx – das bodenlebende Riesenfaultier
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Der Legende nach streift nachts ein riesiges, stinkendes Tier durch die Regenwälder Amazoniens, dessen dichtes Fell sogar die Kugeln von Gewehren abwehrt. Die Mapinguari genannte Kreatur erregte die Aufmerksamkeit von manchem Zoologen. Denn die Tiere erinnern in ihrer Beschreibung an die Riesenfaultiere, die bis zum Ende des Pleistozäns in Nord- und Südamerika gelebt hatten – zum Beispiel Megalonyx, ein etwa rindergroßer Laubfresser, der weite Teile der heutigen USA und Kanadas besiedelte.

Diese Riesenfaultiere waren ein wichtiger Bestandteil der amerikanischen Megafauna, die mit dem Ende der Eiszeit entweder wegen des Klimawandels oder durch den neu eingewanderten Menschen ausgestorben ist. Nur wenige Reste wie die Bisons, Moschusochsen oder Tapire haben dies bis heute überlebt. Es wäre also ein Sensation, sollte doch eine Art in Amazonien überlebt haben.

Riesenschildkröten – Überleben nur auf fernen Inseln
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Außerhalb Afrikas und Asiens – wo sich Riesentiere zusammen mit dem Menschen entwickelten und entsprechend furchtsam waren – überlebten leider nur relativ wenige Gattungen und Arten die epochale Zeitenwende zum Ende des Pleistozäns. Manche wie die Riesenschildkröten der Seychellen und auf Galapagos (hier die mittlerweile verstorbene "Galapagos-Legende" Lonesome George) überlebten wahrscheinlich nur, weil ihre Inseln sehr abgelegen waren und erst spät entdeckt wurden.

Viele ebenso große Verwandte verschwanden hingegen mit der Ankunft der Menschen. Die 2,5 Meter lange Meiolania aus dem australischen Raum überdauerte in ihrem letzten Refugium Neukaledonien immerhin bis vor 2000 Jahren. Die noch gewaltigere – und größte bekannte Landschildkröte aller Zeiten – Megalochelys atlas brachte es sogar auf 2,7 Meter Länge und wohl ein Gewicht von einer Tonne.

Elefantenvogel – der Vogel Rock Sindbads?
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Waren sie das Vorbild für den Vogel Rock (oder Roch) aus Sindbads Abenteuern in "Tausendundeiner Nacht"? Womöglich. Legendär sind die Elefantenvögel Madagaskars jedoch auch ohne literarische Verewigung, denn sie gehören zu den größten Vögeln, die noch in historischer Zeit gelebt haben. Aepyornis maximus brachte es auf eine Höhe von bis zu drei Metern und ein Gewicht von bis zu 400 Kilogramm und wurde in der jüngeren Vergangenheit größenmäßig wohl nur von den ebenfalls ausgestorbenen Moas Neuseelands übertroffen.

Mit Ankunft der Menschen auf den Inseln war jedoch das Schicksal beider Gruppen besiegelt. Um 1650, vielleicht auch erst 1880 waren die Elefantenvögel ausgerottet, doch ihre Knochen und Eierschalen werden bis heute auf Madagaskar gefunden. Neuere DNA-Analysen legen nahe, dass die nächsten Verwandten der Elefantenvögel tatsächlich in Neuseeland leben und nicht die afrikanischen Strauße sind – erstaunlicherweise sind es die Kiwis: die kleinsten überlebenden Laufvögel. (Illustration: Brian Choo)

Beringia-Wolf – der Jäger der Arktis
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Große Pflanzenfresser sorgen über kurz oder lang auch dafür, dass sich große Fleischfresser entwickeln. Es ist also kein Wunder, dass die Mammuts, Bisons und Moschusochsen während der letzten Eiszeiten auch von großen Beutegreifern wie dem amerikanischen Löwen und von Säbelzahnkatzen erlegt wurden. Und in Beringia, der während der großen Vergletscherung vorhandenen Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska, hatte sich eine besondere Form des Wolfs (Canis lupus) entwickelt, die ihresgleichen suchte: der Beringia-Wolf.

Keine anderen Wölfe waren kräftiger als diese Variante mit ihrer besonders kurzen Schnauze und dem kräftigen Kiefer. Wenn sie sich einmal in eine Beute verbissen hatten, konnte das Opfer sie praktisch nicht mehr abschütteln. Nur so gelang es ihnen, auch Mammuts zu erlegen, deren chemische Signale Forscher in erhaltenen Wolfsknochen nachwiesen.

Terrorvögel – Schrecken der Pampa?
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(Die größten ihrer Art erreichten eine Höhe von drei Metern – und standen womöglich bis hinein in die letzte Eiszeit an der Spitze der Nahrungskette der südamerikanischen Steppen und Savannen. Nur wenige Vogelarten waren wohl so beeindruckend wie die Gruppe der Terrorvögel, deren älteste Fossilien bis zurück ins Paläozän vor 60 Millionen datieren. Bislang kennen Paläontologen 18 Arten, von denen Knochenreste gefunden wurden; darunter auch dieser Schädel von Andalgalornis, gegen den unser eigener Kopf und erst recht der eines heutigen Steinadlers zwergenhaft aussehen.

Der 1,4 Meter große und 40 Kilogramm schwere Vogel setzte seinen Schnabel wohl wie ein Boxer seine Faust ein, um Beute k. o. zu schlagen, so die Ableitungen aus dem Schädelbau. Warum sie letztlich ausstarben, ist noch unklar: Vielleicht unterlagen die meisten Arten der Konkurrenz neu eingewanderter hunde- und katzenartiger Raubtiere, die es vor 13 Millionen Jahren über den neu entstandenen Isthmus von Panama von Nord- nach Südamerika schafften. In Europa lebten zur gleichen Zeit übrigens ähnliche Vögel – auf Grund neuer Untersuchungen gelten die Vertreter der Gattung Gastornis mittlerweile aber eher als Vegetarier. (Foto: Ohio University)

Die Art war also wohl eher kompakt gebaut mit starken Rücken-, Schwingen- und Beinmuskeln, die zu seinem hohen Gewicht trotz der leichten Knochen beitrugen. Verstärkt waren die Wirbel durch ein schwammartiges, stabilisierendes Material, das die auftretenden Belastungen bei der Jagd abfederte.

Der riesige Mund ermöglichte den Tieren wohl auch das Erbeuten von sehr viel größerer Beute als bei den anderen Pterosauriern. Der Fundort gehörte vor 70 Millionen Jahren, als Hatzegopteryx lebte, zu einer Insel namens Hateg im Tethys-Meer. Bisherige Fossilienfunde aus der Region werden von kleinen Dinosaurierspezies dominiert, gigantische Fleischfresser tauchten dagegen bislang aus dieser Zeit nicht auf.

Die Pterosaurier waren deshalb wahrscheinlich die Spitzenräuber des damaligen Ökosystems auf Hateg, so Naish und Witton. Ähnlich wie heutige Marabus stolzierten sie wahrscheinlich über die Insel und erlegten die teils ponygroßen Dinosaurier, die sie im Ganzen schlucken konnten.

Nicht alle Flugsaurier wurden allerdings so groß wie Hatzegopteryx oder der verwandte Quetzalcoatlus. Erst 2016 beschrieben Elizabeth Martin-Silverstone von der University of Southampton und ihre Kollegen eine Spezies, die allenfalls die Ausmaße einer Möwe oder eines Adlers erreichte.

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