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Forschung Das Erbe der Sklaverei wird einsehbar

Britische Historiker wollen die Spur der Vermögen von Sklavenhaltern bis heute nachverfolgen. Dabei könnten einige unangenehme Wahrheiten ans Licht kommen. Über die schmerzhafte Aufarbeitung eines dunklen Zeitalters.
  • Ferdinand Knauss
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Künstlerische Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema: Sklavenhandel bildete die Grundlage vieler Volkswirtschaften. Quelle: ap

Künstlerische Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema: Sklavenhandel bildete die Grundlage vieler Volkswirtschaften.

(Foto: ap)

DÜSSELDORF. Das einträgliche Geschäft mit der Sklaverei begründete in Großbritannien (und anderswo) Vermögen, die bis in die Gegenwart nachwirken. Britische Historiker werden jetzt eine "Encyclopaedia of British Slave Owners" als Online-Datenbank erstellen, die jeden britischen Sklavenbesitzer in den 1830er-Jahren erfasst. Damit wollen sie zeigen, wie die durch Sklaven erworbenen Vermögen verwendet wurden. Auch einige heute noch bestehende Unternehmen, Kunstsammlungen und andere Einrichtungen gehen auf Sklavereivermögen zurück.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt ist der erste umfassende Versuch, die Wirkung der Sklaverei auf die Entwicklung des modernen Großbritannien zu erfassen. Die Forschergruppe unter der Leitung von Catherine Hall vom University College London will eine systematische Analyse der Folgen der Sklaverei für Wirtschaft, Handel, Politik, Kultur und Gesellschaft erstellen. Obwohl es viele Einzelstudien über die Sklaverei gebe, fehle bisher noch "das große Bild" für den Überblick über die Bedeutung der Sklaverei, sagt Projektmitarbeiter Keith McClelland.

Der Handel mit Sklaven war britischen Bürgern nach einer langen Öffentlichkeitskampagne der Sklavereigegner 1807 verboten worden. Der Besitz wurde aber erst 1833 verboten. Die englische Marine drängte gewaltsam andere Seefahrtsnationen zur Aufgabe des Sklavenhandels. Dies war die erste humanitär begründete Einmischung in fremde Angelegenheiten. Viele Historiker sehen dahinter allerdings reine (Handels-)Machtinteressen.

Portugal und Spanien, die bei Großbritannien nach den Napoleonischen Kriegen verschuldet waren, willigten erst um die Jahrhundertmitte nach großen Zahlungen ein, den Sklavenhandel einzustellen. Frankreich lehnte den Anspruch Großbritanniens ab, die Meere als Weltpolizist vom Sklavenhandel frei zu halten. Auf französischen Schiffen fand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein umfangreicher Schwarzmarkthandel mit Sklaven statt. 1848 wurde die Sklaverei in den französischen Kolonien verboten. In den amerikanischen Südstaaten bestand sie bis zum Ende des Bürgerkrieges 1865, in Brasilien bis 1888.

"Während der Sklavenbefreiung durch den ,Abolition Act? von 1833 wurden 20 Millionen Pfund - eine enorme Summe zur damaligen Zeit - als Entschädigung an die Besitzer der Sklaven in allen britischen Kolonien gezahlt", berichtet Hall. Die Akten dieses aufwendigen Verfahrens sind erhalten. Demnach ging mehr als die Hälfte der Entschädigungen an abwesende Besitzer und Gläubiger in Großbritannien selbst. Mit den großen Summen wurden oft Unternehmen oder andere Einrichtungen in England gegründet. "Viele davon sind heute noch in Großbritannien zu finden", berichtet Hall.

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