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Forschung im arktischen Packeis Im Notfall müssen die Forscher schießen

Im Herbst lassen sich Forscher für ein Jahr lang einem Schiff im arktischen Eis einfrieren. Neben der richtigen Ausrüstung ist vorab auch das Training von Extremsituationen wichtig – etwa nächtliche Eisbären-Besuche.
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Forschertesten Ausrüstung für die Expedition mit dem Forschungsschiff Polarstern. (Bild: Verena Mohaupt/Alfred-Wegener-Institut, Helmholz) Quelle: dpa
Sicherheitstraining auf Spitzbergen

Forschertesten Ausrüstung für die Expedition mit dem Forschungsschiff Polarstern. (Bild: Verena Mohaupt/Alfred-Wegener-Institut, Helmholz)

(Foto: dpa)

Bremerhaven/Ny-ÅlesundEin Jahr umschlossen von Packeis, ein Forschungscamp auf einer Scholle, monatelanges Dunkel: Die in einem halben Jahr startende Expedition Mosaic ist ein Forschungsvorhaben mit besonderen Herausforderungen.

Etliche Dinge gilt es akribisch vorzubereiten. Bjela König und Verena Mohaupt waren dafür kürzlich in der nördlichsten Siedlung der Welt, in Ny-Ålesund in Spitzbergen.

In Polarnacht und eisiger Kälte fanden die Mitarbeiterinnen des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) die richtigen Bedingungen: Ihre Aufgabe war es, Arbeitsanzüge für die Expedition zu testen, bei der das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ ein Jahr lang umschlossen von Packeis in der zentralen Arktis driften soll.

Während der im September startenden Mission werden Wissenschaftler vieler Länder auf Eisschollen Stationen aufbauen, Eis- und Schneeproben nehmen sowie verschiedene Messwerte aufzeichnen. Hauptziel des 120-Millionen-Euro-Projekts ist es, den Klimawandel genauer zu verstehen.

Für die Arbeiten müssen die Forscher nicht nur technisch gut ausgerüstet, sondern auch optimal angezogen sein. Erfahrungswerte gibt es kaum, denn im arktischen Winter und Frühling sind Forscher normalerweise nicht in der zentralen Arktis unterwegs, die dann wegen des dicken Packeises unzugänglich ist.

Deshalb muss nun erst das passende Material für die Wissenschaftler gefunden werden. Kleidung, die auf dem Schelfeis der Antarktis perfekt ist, kann nicht einfach für die Arktis-Expedition übernommen werden. „Die Bedingungen sind ganz andere“, erklärt die 35-jährige Verena Mohaupt.

Sprung ins eisige Wasser

Die Arktis ist geprägt von Meereis, in dem es Risse und viele Tümpel aus Schmelzwasser gibt. Das Risiko, dass Wissenschaftler beim Arbeiten nass werden oder gar ins Wasser fallen, ist nicht gering.

„Die Anzüge müssen auch im nassen Zustand die Träger noch eine Zeit lang wärmen“, betont die 34-jährige Bjela König. Auch dürfen sie einen ins Wasser gefallenen Forscher nicht in die Tiefe ziehen.

Die beiden AWI-Expertinnen haben Anzüge mit unterschiedlichen Dicken und Isolationsstärken mit nach Norwegen gebracht – und ließen sich damit ins ein Grad kalte Wasser fallen. „So konnten wir sehen, wo Wasser eindringt“, sagt Mohaupt.

Überwindung kostete sie das nicht. „Ich war auch schon zum Spaß bei null Grad im Bikini im Wasser.“ Nach den Tests wärmten sich beide mit einer warmen Dusche und Tee in der gut geheizten deutsch-französischen Forschungsbasis.

Inzwischen sind Mohaupt und König wieder zurück in Deutschland. Demnächst reisen dutzende Kollegen nach Finnland und Alaska, um das standardisierte Arbeiten im Eis zu üben.

Während der Expedition müssen Proben von Meereis und Schnee auf immer die gleiche Weise genommen und protokolliert werden – alle Teilnehmer bleiben aber nur zwei bis drei Monate an Bord der „Polarstern“. Trotz der Wechsel müssten die Standards gleichbleiben, damit die Messdaten vergleichbar sein, so Mohaupt.

Spezielle Vorkehrungen muss es auch dafür geben, dass die Wissenschaftler bei den Probenentnahmen sicher vor Eisbären sind. „Wir sichern Teile der Arbeitsbereiche auf den Eisschollen mit Stolperdraht und Signalkörpern, die hochgehen, wenn sich ein Eisbär nähert“, erklärt AWI-Ingenieurin König.

Im Notfall müsse das Team schießen. Auch das haben Mohaupt und König in der dunklen Polarnacht in Spitzbergen schon trainiert.

  • dpa
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