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Forschung Künstliche Intelligenz in der realen Welt: „Man muss die Menschen stärker mitnehmen“

In einem Fraunhofer-Institut arbeitet Mario Trapp an der Wirtschaft der Zukunft und an KI. Dabei gehe es um Sicherheit – und um Akzeptanz in der Gesellschaft.
10.05.2020 - 18:22 Uhr Kommentieren
Trotz aller Widrigkeiten werde es das „Jahrzehnt der KI“ werden, schätzt Trapp. Quelle: Getty Images
Roboterhand

Trotz aller Widrigkeiten werde es das „Jahrzehnt der KI“ werden, schätzt Trapp.

(Foto: Getty Images)

München Geht es um Künstliche Intelligenz (KI), hat Mario Trapp einen Grundsatz: „Die Maschinen müssen sich anpassen, nicht die Menschen.“ Sonst werde der Roboter zum Risiko für den Menschen.
In einem speziellen Münchener Institut der Fraunhofer-Gesellschaft arbeitet der Informatik-Professor an einer risikoarmen digitalen Infrastruktur – mit 60 Millionen Euro in Szene gesetzt vom Freistaat Bayern.

Trapps Institut für kognitive Systeme (IKS) soll zur entscheidenden Schaltstelle für KI werden, in enger Abstimmung mit den beiden Universitäten der bayerischen Landeshauptstadt und anderen Instituten. Die Zahl der Mitarbeiter steigt von 60 auf 200. Die Spezialität des Fraunhofer IKS ist Sicherheit im Sinne von „Safety“ – mit dem Autoverkehr als „Goldstandard“, auf den alle schauen, sagt Trapp, der geschäftsführende Leiter, für den KI intelligente Handlungen biologischer Lebewesen nachbildet.

Wenn man so will, ist Trapp ein Mann der Zukunft nach der Coronakrise. Zwar sinke derzeit die Attraktion des Themas KI, weiß er, das gelte aber nicht für die operative Bedeutung für Unternehmen. Und es gebe genügend Leute, die sich trotz oder auch gerade wegen Corona darum kümmerten, sagt der IT-Spezialist und verweist auf #Wirvsvirus, einen von der Bundesregierung organisierten Hackathon.

Im Übrigen gebe es beim Thema KI über die Jahrzehnte hinweg eine Wellenbewegung. Nun werde die „Hype-Kurve“ vermutlich bald wieder fallen, ahnt Trapp: „Manche Themen sind bereits auf dem Weg ins Tal der Ernüchterung, zum Beispiel das autonome Fahren.“

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    Gerade hier haben Trapps Leute – in Kooperation mit Autokonzernen, Zulieferern und Intel – ein Haupteinsatzfeld. Der rein datengetriebene Ansatz von US-Firmen wie Apple funktioniere auf Dauer nicht, glaubt Trapp, es sei ja bereits zu Unfällen gekommen. Allein ein neuronales Netz zur Fußgängererkennung habe zehn Millionen Parameter, die zu optimieren seien. „So viele Kilometer können Sie gar nicht fahren!“ Er wolle beide Welten zusammenbringen, die der KI und die der Sicherheit des klassischen Engineerings.

    In naher Zukunft fährt man wohl nicht autonom

    „Auf breitere Anwendungen beim autonomen Fahren müssen wir bis in die 2030er-Jahre warten“, prognostiziert Trapp. Vorher werde sich autonomer Verkehr bei Sonderanwendungen entwickeln, etwa auf „Platoon“-Spuren der Autobahn oder bei Robo-Taxis.

    Trapp kennt sich aus in der Autoindustrie. Schon 2009 hat er mit Audi elektrisches Fahren erforscht und einen Antriebsstrang entwickelt – das verschwand erst mal im Giftschrank. Firmen fühlten sich manchmal im Standardgeschäft zu sicher, offenbart er: „Gerade der Automobilbau ist zäh wie eine Festkörperstruktur. Wir Deutschen kommen aus der Ingenieurskunst, für Tech-Firmen aus Amerika aber sind Autos nur Software auf Rädern.“

    Einen zweiten großen Nutzen von KI sieht Trapp in der Medizintechnik. Hier habe der größte Erfolg gelegen: in der frühzeitigen Krebserkennung. Das Fraunhofer IKS arbeitet daran, Diabetes-Arzneien per Algorithmus zu dosieren oder einen OP-Roboter autonom die Schnitte bei einer Operation ausführen zu lassen. Ein Robodoc mit Skalpell? Man sei nicht so weit, sich das zertifizieren zu lassen, sagt Professor Trapp: „Heute geht es verstärkt darum, dass KI besser nachvollziehbar ist. Man muss ihr beibringen, dass sie weiß, wenn sie etwas nicht weiß. Die KI erkennt bisher Korrelationen in Daten – aber keine Kausalitäten. Sie ahmt einfach nach.“

    Trotz aller Widrigkeiten werde es das „Jahrzehnt der KI“ werden, schätzt Trapp, weil sie „aus dem virtuellen Alltag in die reale Welt kommt“, also in physische Produkte. Problematisch sei das Verhalten der Leute: Einerseits misstrauten sie autonomem Fahren, andererseits benützten sie Autopiloten, um den Pkw allein fahren zu lassen – und bauten Unfälle. Alle müssten begreifen, dass KI keine Form von Weltherrschaft ist, sondern nur Software: „Man muss die Menschen stärker mitnehmen.“

    Mehr: Zu wenig Daten, zu wenig Kompetenz: Banken und Versicherer haben beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz laut Studie großen Nachholbedarf.

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