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Forschung Mit der Mondlandung will Indien einen Milliardenmarkt erobern

Indien will in der Nacht zum Samstag die vierte Nation werden, die es bis zur Mondoberfläche schafft. Der Subkontinent will dadurch einen Milliardenmarkt erobern.
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In der Nacht zum Samstag soll Indiens erste Mondlandung gelingen. Quelle: dpa
Eine Trägerrakete startet mit der Sonde Chandrayaan 2

In der Nacht zum Samstag soll Indiens erste Mondlandung gelingen.

(Foto: dpa)

Bangkok Indiens Regierungschef Narendra Modi ist dafür bekannt, dass er lediglich vier bis sechs Stunden Schlaf pro Nacht benötigt. Das Talent, lange wach zu bleiben, kommt ihm an diesem Wochenende zugute.

In der Nacht zum Samstag will er einen historischen Prestigeerfolg für sein Land feiern: Wenn alles klappt, dann soll zwischen halb zwei und halb drei Uhr morgens indischer Zeit – also zwischen 22 und 23 Uhr in Deutschland – Indiens erste Mondlandung gelingen. Der Subkontinent wäre damit das vierte Land nach den USA, der Sowjetunion und China, das den Erdtrabanten erreicht. „Ich bin sehr aufgeregt“, schrieb Modi wenige Stunden vorher auf Twitter.

Bereits als die Raumsonde Chandrayaan 2 gestartet war, hatte der Premierminister dem Projekt seine volle Aufmerksamkeit gewidmet. Mit ehrfürchtigem Gesichtsausdruck verfolgte er vor einem Flachbildfernseher, wie die Rakete der indischen Raumfahrtbehörde Isro abhob.

Hinter ihm hing dabei die indische Nationalflagge, wie ein später veröffentlichtes Video zeigte. Nach dem geglückten Start war ihm die Freude anzusehen, er klatschte aufgeregt. Modi sieht die Mission als Symbol für den Aufstieg seines Landes.

Wenn das Landemodul Vikram wie geplant an der Mondoberfläche aufsetzt, dann dürfte das aber nicht nur dem indischen Nationalstolz einen Schub geben sowie für Modi eine willkommene Ablenkung von der Krise in Kaschmir und dem jüngsten Konjunktureinbruch bieten.

Die indische Regierung erhofft sich von dem Projekt auch konkrete wirtschaftliche Vorteile. Die schwierige Landung, an der eine israelische Mondmission erst im April scheiterte, soll zur ultimativen Werbung für die Raumfahrtindustrie des Landes werden – und damit neue Kunden anziehen.

Indiens Ambition zum Ausbau seines Marktanteils im milliardenschweren Weltraumgeschäft formulierte die neue Finanzministerin Nirmala Sitharaman vor wenigen Wochen in ihrer ersten Haushaltsrede. Indien habe sich als wichtige Raumfahrtnation etabliert. „Wir haben die Technologie und die Fähigkeiten, Satelliten und andere Anwendungen zu geringen Kosten ins All zu befördern. Es ist jetzt die Zeit gekommen, diese Fähigkeit kommerziell zu nutzen“, sagte die Politikerin.

Wettbewerbsvorteil für Indien

In der Tat hat sich Indien mit seiner Spezialisierung auf Low-Budget-Missionen einen Wettbewerbsvorteil erarbeitet. Die aktuelle Mondmission soll rund 150 Millionen Dollar kosten und ist damit günstiger als Hollywood-Produktionen wie „Interstellar“, die das Leben im Weltall lediglich in Filmstudios nachbildeten.

Als Indien 2013 eine Sonde Richtung Mars schickte, betrug die Rechnung lediglich etwas mehr als 70 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Eine US-Marsmission kostete im gleichen Jahr fast das Zehnfache.

Kunden aus aller Welt vertrauen den Indern unter anderem wegen der Kostenvorteile eine Vielzahl von Satellitenstarts an. Im April brachte eine indische Trägerrakete knapp 30 Satelliten erstmals in drei verschiedene Umlaufbahnen. Transportiert wurden unter anderem Satelliten von Planet Labs, einem privaten Betreiber aus San Francisco.

Einen Rekord hatte Indiens Weltraumbehörde bereits 2017 aufgestellt. Damals transportierte eine einzige Rakete 104 Satelliten ins All – unter anderem aus den USA, den Niederlanden, der Schweiz und aus Israel.

Eine Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley prognostizierte im Juli einen Anstieg der globalen Umsätze mit Weltraumprojekten von derzeit 350 Milliarden Dollar im Jahr auf eine Billion Dollar im Jahr 2040. Die Observer Research Foundation aus Neu-Delhi schätzt, dass auf Indien derzeit erst zwei Prozent des Weltmarktes entfallen. Die Regierung zeigt sich aber bereit, mit zusätzlichen Investitionen in den Sektor das Geschäft anzuschieben: Das Jahresbudget für die Raumfahrtmissionen verdoppelte sich seit Modis Amtsantritt auf nun knapp 1,5 Milliarden Dollar.

Beobachter zeigen sich optimistisch, dass sich die Ausgaben lohnen. Raumfahrtexperten des Mumbaier Think Tanks Gateway House prognostizieren, dass Indiens Industrie in den kommenden fünf Jahren 150.000 neue Jobs durch die Weltraummission schaffen kann. Vor allem Ingenieure, Naturwissenschaftler und Datenanalysten seien gefragt.

Auch die indische Wirtschaft hofft auf ein starkes Wachstum in dem Segment. Der Industriekonzern Godrej & Boyce lieferte zur Chandrayaan-2-Mission unter anderem Motoren für die Rakete. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Modi-Regierung die Entwicklung neuer Weltraumtechnik zunehmend privatisieren möchte. „Das würde uns ein riesiges Potenzial bieten“, sagte der zuständige Manager SM Vaidya in einem Interview.

Er kündigte an, die Produktionskapazitäten in dem Bereich enorm ausbauen zu wollen. Ein entsprechendes Gelände in Mumbai habe man sich bereits gesichert. Profitieren will von dem Geschäft auch der indische IT-Dienstleister Wipro, der 2012 den 3D-Druckableger Wipro 3D ins Leben rief. Das Unternehmen hat sich auf Metall-3D-Druck spezialisiert und ist jetzt Zulieferer für die Raumfahrbehörde Isro.

Die entscheidenden Augenblicke der geplanten Mondlandung will Premier Modi vom Hauptsitz der Institution in Bangalore verfolgen. Begleitet wird er dabei von 60 ausgewählten Schülern. Den Rest des Landes forderte Modi auf, über die Medien bei der Mission zuzusehen. Er versprach: „Von dem Erfolg werden zig Millionen Inder profitieren.“

Mehr: Technologie von Thielenhaus war mit an Bord von Apollo 11. Heute muss die Firma Wege finden, um besser zu sein als die Konkurrenz aus China.

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1 Kommentar zu "Forschung: Mit der Mondlandung will Indien einen Milliardenmarkt erobern"

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  • Was die Inder können sollten wir erst recht schaffen. Raumfahrtzentrum in der Lausitz, ist leeres Wolfsland,
    Spitzenunis um die Ecke, Dresden und Leipzig. Nur haben wir einen großen Feind. Die Technikfeindlichkeit von Rot Grün. So verliert man Visionen und Zukunftsmärkte.