Galileo Galilei „Ich habe abgeschworen mit eigener Hand“

Vor 450 Jahren wurde der erfolgreichste Studienabbrecher der Wissenschaftsgeschichte geboren: Galileo Galilei hob ein Weltbild aus den Angeln - und musste am Ende doch vor der Engstirnigkeit der Kirche kapitulieren.
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Galilei führt dem Dogen von Venedig sein Teleskop vor. Ein Fresko von Giuseppe Bertini. Quelle: Wikipedia Public Domain

Galilei führt dem Dogen von Venedig sein Teleskop vor. Ein Fresko von Giuseppe Bertini.

(Foto: Wikipedia Public Domain)

Der Tag des Urteils ist ein Mittwoch. Im Büßerhemd kniet der greise Delinquent vor seinen Richtern und spricht die Formel nach, die sein Lebenswerk ad absurdum führen soll: „Ich, Galileo Galilei (…), der ich mich diesem heiligen Officium der Ketzerei stark verdächtig gemacht habe, für wahr gehalten und geglaubt zu haben, dass die Sonne Mittelpunkt der Welt und unbeweglich sei und die Erde nicht Mittelpunkt sei und sich bewege (...), verfluche und verwünsche (…) besagte Irrtümer und Ketzereien und jeden anderen der heiligen Kirche widersprechenden Irrtum und Sektiererglauben.“

Es ist ein Moment des Triumphs für die zehn Kardinäle, die über Galilei zu Gericht sitzen: Der größte Wissenschaftler ihrer Zeit hat sich der Inquisition gebeugt und dem ketzerischen Weltbild abgeschworen, das ein Jahrhundert zuvor von Nikolaus Kopernikus ausgeformt worden war. In einem zunächst wenig beachteten Werk hatte der die Erde aus dem Zentrum des Universums gerückt und an ihre Stelle die Sonne platziert – was sich mit den beobachtbaren Bewegungen der Planeten deutlich besser vertrug, für die Kirche aber nicht in Einklang mit der Heiligen Schrift zu bringen war. Dass sich eine wissenschaftliche Autorität wie Galilei die kopernikanischen Ideen zu eigen machte, war für die Kirche Provokation und Bedrohung zugleich.

Griff nach den Sternen
Themenpaket Galileo Galilei
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Er gilt als Urvater der modernen Astronomie: Galileo Galilei (1564-1642). Die Instrumente für seine Beobachtungen...

Galilei
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...baute der Astronom selbst. Dabei griff er auf Arbeiten des niederländischen Brillenmachers Hans Lipperhey (1570-1619) zurück. Das Bild, ein Fresko von Giuseppe Bertini, zeigt Galileo, der sein Teleskop dem Dogen von Venedig vorführt.

huGO-BildID: 2515658 Jupiter and its moon Ganymede are seen in this enhanced-contrast image from NASA's Cassini spacecraft Nov. 18, 2000. Ganymede is
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Zu Galileis wichtigsten Entdeckungen gehörten die vier später nach ihm benannten Monde des Planeten Jupiter. Das Bild zeigt den größten von ihnen, Ganymed, als kleinen Punkt links neben dem riesigen Planeten. Das Bild wurde von der Raumsonde Cassini gemacht.

Herschel
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Galileis Nachfolger begnügten sich nicht mehr mit einfachen Handteleskopen. Das Bild zeigt ein 1789 von dem deutsch-englischen Astronomen Wilhelm Herschel (1738-1822) gebautes Teleskop. Das 12 Meter hohe Instrument war das größte Teleskop seiner Zeit.

Uranus
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Mit einem Vorläufer seines Riesenteleskops entdeckte Herschel 1781 den Planeten Uranus (hier in einer Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops).

Leviathan
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Der "Leviathan" wurde 1845 von dem englischen Astronomen William Parsons, Earl of Rosse (1800-1867), in Betrieb genommen. Mit dem 15 Meter großen Teleskop konnte Parsons unter anderen die Spiralstruktur von Galaxien nachweisen.

Vor zehn Jahren begann die "Jagd" auf Planeten
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Moderne Observatorien liegen meist fernab von menschlichen Ansiedlungen, um Störungen durch Licht oder die Atmosphäre trübende Abgase zu vermeiden. Das Bild zeigt die Europäische Südsternwarte am Berg Paranal in der chilenischen Atacama-Wüste.

Tatsächlich galt der 1564 geborene Sohn eines Florentiner Tuchhändlers spätestens seit dem Jahr 1610 als einer der hervorragendsten Köpfe seiner Zeit. In jenem Jahr erschien sein Werk „Sidereus Nuncius“ (Sternenbote), in dem er die Ergebnisse seiner Himmelsbeobachtungen mit einem selbstgebauten Fernrohr beschrieb. Als erster Mensch hatte sich Galileo der seinerzeit noch neuen Beobachtungstechnik bedient, um den Nachthimmel zu erforschen – mit durchschlagendem Erfolg: Er entdeckte die heute nach ihm benannten vier größten Monde des Planeten Jupiter, kartierte die Mondoberfläche, deren zerklüftete und von Kratern übersäte Gestalt er erstmals nachwies, und konnte beweisen, dass die vermeintlich neblige Milchstraße in Wirklichkeit aus unzähligen Sternen besteht.

Als Galilei ein Jahr später Rom besucht, wird er mit Ehrungen überhäuft: Mehrfach empfängt ihn Papst Paul V. in Privataudienz, die exklusive Accademia dei Lincei macht ihn zu ihrem Mitglied – eine Auszeichnung, die Galilei so wichtig ist, dass er seinem Namen ein „Linceo“ anfügt. Aus dem Studienabbrecher – sein Medizinstudium hatte Galilei nach vier Jahren ohne Abschluss aufgegeben – ist ein renommierter Wissenschaftler geworden,  was in seiner Berufung zum Hofmathematiker des Großherzogs der Toskana im Jahr 1610 auch für alle Welt sichtbar – und gut bezahlt – zum Ausdruck kommt.

Ein Schuss vor den Bug
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