Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gefährlicher Feuerberg Vulkan Stromboli könnte Mittelmeer-Tsunamis auslösen

Der Stromboli im Tyrrhenischen Meer gehört zu den aktivsten Vulkanen Europas. Doch die eigentliche Gefahr lauert in seinen Hängen.
Kommentieren
Neben den Eruptionen stellen vor allem Hangrutschungen an dem Feuerberg eine Gefahr für den südlichen Mittelmeerraum dar. Quelle: dpa
Eruption am Stromboli

Neben den Eruptionen stellen vor allem Hangrutschungen an dem Feuerberg eine Gefahr für den südlichen Mittelmeerraum dar.

(Foto: dpa)

HeidelbergIm November 1343 verwüsteten hohe Wellen den Hafen von Neapel: Hunderte Menschen starben laut dem zeitgenössischen Schriftsteller Francesco Petrarca aus der süditalienischen Metropole. Was die Fluten auslöste, war bislang unklar.

Eine neue Studie in Scientific Reports legt nun nahe, dass die Ursache rund 200 Kilometer südlich der Stadt gelegen haben könnte: am Vulkan Stromboli. Der rund 950 Meter steil über dem Mittelmeer aufragende Feuerberg gehört zu den aktivsten Vulkanen weltweit. Er erlebt mehrmals täglich kleinere oder größere Eruptionen, bei denen Lavafetzen, Schlacken und Aschen ausgestoßen werden.

Gewaltigere Ausbrüche sind dagegen selten, weil der Stromboli regelmäßig seinen Schlot „frei hustet“ und sich keine größeren Magmamengen in seinem Inneren ansammeln können. Diese Aktivität ist so typisch, dass sie als strombolische Aktivität für ähnliche Feuerberge weltweit bezeichnet wird.

Abgesehen von den seltenen großen Eruptionen ist das Leben auf dem Vulkan und den Nachbarinseln aber noch von einer weiteren drohenden Gefahr überschattet, wie die Geowissenschaftler zeigen. Immer wieder rutschen Teile der steilen Flanken des Stromboli ins Meer – und lösen meterhohe Tsunamis aus.

Diese Feuerberge sollten wir im Auge behalten
Popocatepetl in Mexiko
1 von 10

Sein Name ist Programm. Denn er stammt aus dem Aztekischen und bedeutet "Rauchender Berg". Und sicher flößte die beeindruckende Erscheinung des Popocatepetl den Bewohnern des mexikanischen Zentralhochlands Furcht ein, denn wenn der Vulkan zum Leben erwacht, grollt und donnert er, und eine große Rauchfahne steht über seinem in ruhigen Zeiten vergletscherten Gipfel. Dabei waren selbst die stärksten Ausbrüche des Popocatepetl noch relativ harmlos, wenn man sie mit denen prähistorischer Zeiten vergleicht: Alle paar tausend Jahre zerstören demnach heftige Explosionen den Krater des Vulkans und sprengen den ganzen Gipfel ab. Heute leben jedoch mehrere Millionen Menschen in den nahen Metropolen Mexiko-Stadt und Puebla, und seit 25 Jahren ist der Vulkan wieder deutlich aktiver. Regelmäßig steht eine Rauchwolke über seinem Gipfel.

(Foto: ap)
Krakatau zwischen Java und Sumatra
2 von 10

Die Explosion des Krakatau am 27. August 1883 gilt als eines der lautesten Ereignisse, das die Menschheit in ihrer jüngeren Geschichte erlebt haben soll: Der Knall war noch tausende Kilometer weiter in Australien und auf Mauritius zu hören. Doch das war noch eine der harmloseren Folgen des Vulkanausbruchs, der als zweitstärkster der letzten 10.000 Jahre gilt. Mehr als 35.000 Menschen starben im Umkreis des Krakatau, die meisten durch verheerende Tsunamis, die nach dem Einbruch der entleerten Magmakammer entstanden. Heute wächst auf den Trümmern des zerstörten Vulkans der Anak Krakatau empor, das "Kind des Krakatau" – das nichts an Gefährlichkeit eingebüßt hat und zu den aktivsten Vulkanen der Erde zählt.

(Foto: Reuters)
Nyiragongo im Kongo
3 von 10

Der Nyiragongo im Grenzgebiet vom Kongo zu Ruanda gefährdet seine Umgebung weniger durch heftige Explosionen als vielmehr durch seine besondere Lava: Sie ist extrem dünnflüssig, und wenn der Vulkan ausbricht, sprudelt sie rasch aus dem größten bekannten Lavasee im Krater über und ergießt sich sturzbachartig ins Umland. Verursacht werden diese Fließeigenschaften durch den hohen Anteil an Neodym- und Strontiumisotopen – Geowissenschaftler vermuten, dass die Lava aus extremer Tiefe stammt und das Ausgangsmaterial noch aus der frühesten Erdgeschichte stammt. Zusammen mit dem benachbarten Nyamuragira verursacht der Feuerberg 40 Prozent aller vulkanischen Eruptionen Afrikas und gefährdet dabei auch die Großstadt Goma zu seinen Füßen. 2002 überflutete die Lava die Metropole und machte zehntausende Menschen obdachlos.

(Foto: ap)
Nevado del Ruiz in Kolumbien
4 von 10

Das Schicksal der 13 Jahre alten Omayra Sánchez rührte Menschen rund um den Globus: Drei Tage lang kämpfte das kolumbianische Mädchen, in einem gefluteten Erdloch eingeklemmt, vor den Kameras der Weltpresse vergeblich um ihr Leben – niemand schaffte es rechtzeitig, eine funktionsfähige Pumpe zu besorgen und sie aus ihrem Gefängnis zu befreien. Omayra Sánchez war eines von 23.000 Opfern des Nevado del Ruiz, der am 13. November 1985 eine der schlimmsten Naturkatastrophen des 20. Jahrhunderts verursachte: Nach monatelanger erhöhter Aktivität brach der über 5300 Meter hohe Vulkan aus. Er jagte 35 Millionen Tonnen Material in die Luft, und seine heiße Asche schmolz die mächtige Gletscherkappe des Gipfels in wenigen Minuten. Zwei Stunden nach Beginn der Eruption erreichten diese Fluten unter anderem die Stadt Armero und zerstörten sie völlig – kein Mensch hatte damit gerechnet, dass die Schlammströme mehr als 100 Kilometer fließen könnten. 30 Jahre später zählt der Vulkan immer noch zu den gefährlichsten der Welt: Schon ein Ausbruch mittlerer Stärke könnte die Eiskappe des Bergs destabilisieren und tödliche Fluten auslösen.

(Foto: dpa/picture alliance)
Mont Pelée auf Martinique
5 von 10

Eigentlich war der Ausbruch des Mont Pelée am 8. Mai 1902 laut dem Vulkanexplosivitätsindex (VEI) mit einer Stärke von 4 gar nicht einmal so heftig – verglichen beispielsweise mit der Explosion des Krakatau, der es auf die Stärke 7 brachte. Und dennoch war die Eruption auf der französischen Karibikinsel Martinique die tödlichste des 20. Jahrhunderts: Mehr als 30.000 Menschen starben, als pyroklastische Ströme die Hänge hinabrasten und die Inselhauptstadt Saint-Pierre verheerten – diese Wolken aus extrem heißen Gasen und pulverisierten Aschen erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 700 Kilometern pro Stunde und Temperaturen von bis zu 800 Grad Celsius in ihrem Inneren. Es war fast ein Wunder, dass in der Stadt überhaupt drei Menschen überlebten: einer davon, weil die dicken Gefängnismauern ihn in seiner Zelle abschirmten. Seit 1905 ruht der Vulkan wieder und wird seitdem beständig überwacht. Die damalige Katastrophe gilt daher als Beginn der modernen Vulkanforschung. (Foto: Wikipedia gemeinfrei)

Unzen in Japan
6 von 10

Japan ist ein Land der Beben und Vulkane, denn es liegt im pazifischen Feuerring: An den Rändern des Pazifischen Ozeans tauchen Platten mit ozeanischer Kruste unter die angrenzenden Kontinente; das schmelzende Gestein nährt Vulkane von Alaska bis Feuerland und von Kamtschatka bis in die Südsee. Das entstehende Magma ist meist sehr sauer, enthält große Mengen an Siliziumdioxid und ist sehr zähflüssig. Dadurch bleibt es beim Aufstieg oft stecken und verstopft den Schlot: Im Krater bilden sich so genannte Vulkandome, während in der Magmakammer durch austretende Gase der Druck steigt – bis es zum explosiven Ausbruch kommt. Am Unzen, der als einer der gefährlichsten Vulkane Japans gilt, geschah dies beispielsweise 1792: Nach der Eruption kollabierte eine Flanke des Vulkans und rutschte ins Meer, was 20 Meter hohe Tsunamis auslöste. Diese bisher folgenschwerste Eruption des Landes kostete in der Stadt Shimabara mehr als 15.000 Menschen das Leben. In den 1990er Jahren wurde der Unzen wieder aktiver, Dutzende pyroklastischer Ströme zerstörten in weitem Umfeld jeglichen Bewuchs, knapp 50 Menschen starben.

Laki auf Island
7 von 10

Verglichen mit den explosiven Vulkanen wie dem Krakatau oder dem Vesuv stellen Zugänge zum Erdinneren wie der isländische Laki für die Menschheit eine andere Art Risiko dar: Ihr Magma ist basisch, gasarm und flüssig, weshalb es relativ leicht aus Schloten und Spalten strömt. Ihre Ausbrüche können sich jedoch über Wochen und Monate ununterbrochen hinziehen, wie das zwischen 1783 und 1784 am Laki geschah. Insgesamt ergossen sich fast 15 Kubikkilometer Lava ins Umland und bedeckten 600 Quadratkilometer Land. Mehrere hundert Meter hoch sollen die Lavasäulen während der Eruptionen gewesen sein, die der Gasdruck in die Höhe trieb. Gleichzeitig gelangten Millionen Tonnen Asche, Schwefeldioxid und Fluorgas in die Atmosphäre: Sie vergifteten die Vegetation und verdunkelten den Himmel. Auf Island verendete das Vieh, und die Ernten verkümmerten; 50.000 Menschen starben auf der Insel – ein Viertel der Bevölkerung. (Foto: Wikipedia, Zinneke, CC BY-SA 3.0)

Ein Ereignis im 14. Jahrhundert könnte nicht nur Neapel getroffen haben, sondern führte wohl auch dazu, dass die Insel zeitweise völlig unbewohnt war. Studienautor Mauro Rosi und sein Team stießen bei geologischen Ausgrabungen 170 bis 250 Meter von der heutigen Strandlinie entfernt schon einen Meter unter der Erdoberfläche auf Material, das dort eigentlich nicht hingehört: eine deutlich erkennbare Schicht aus Kieseln und schwarzem Sand. Das ist typisch für den Strand, sollte aber nicht so weit landeinwärts vorkommen.

Insgesamt drei solcher Lagen entdeckten die Forscher bislang. Sie vermuten, dass Tsunamis das Material hierher gespült haben. Eine Radiokarbondatierung deutet darauf hin, dass drei größere Tsunamis die Insel zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert getroffen haben.

Historische Aufzeichnungen aus der Region gaben jedoch keine Hinweise auf Erdbeben; dagegen zeigen geologische Daten, dass um 1350 ein Hang des Stromboli kollabiert sein dürfte: die so genannte Sciara del Fuoco (Feuerrutsche). Sie befindet sich auf der Nordwestseite der Insel und wird so bezeichnet, weil größeres Auswurfmaterial des Stromboli hier ins Meer gleitet.

Höheres Tsunami-Risiko für Süditalien

Archäologische Grabungen weisen ebenfalls darauf hin, dass das Ereignis 1343 (beziehungsweise um 1350) schwere Schäden auf der Insel hinterlassen hat. Als der Nordwesthang des Vulkans ins Meer rauschte, verursachte dies nicht nur Tsunamis, sondern ließ auch das Eiland selbst erzittern.

Die Erschütterungen sorgten unter anderem dafür, dass das Dach einer Kirche im Ort Stromboli einstürzte. In diesem Schutt wurden nach der Katastrophe dann offensichtlich drei Menschen in hastig geschaufelten Gräbern beerdigt. Danach verließen die meisten, vielleicht sogar alle Überlebenden Stromboli. Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts kehrten Menschen wieder dauerhaft hierher zurück, so die Autoren.

Rosi möchte bald noch tiefer in den Ablagerungen graben, um womöglich weitere Spuren früherer Tsunamis zu finden. Daraus ließe sich dann eventuell ableiten, wie häufig derartige Ereignisse in früheren Zeiten waren. Für Süditalien – vor allem Neapel und die Amalfi-Küste – bedeuten die Funde allerdings, dass das Tsunamirisiko hier wohl höher angesetzt werden muss als bislang gedacht.

Neben dem Ereignis im Jahr 1343 verwüstete ein Tsunami am 5. Dezember 1456 weite Teile der süditalienischen Küsten. An jenem Tag erschütterte das vielleicht stärkste bekannte Erdbeben mit einer Stärke von 7 Italien.

Dennoch nehmen die Geowissenschaftler an, dass nicht dieser Schlag die Tsunamis direkt auslöste, sondern ebenfalls ein Flankenkollaps am Stromboli. Nicht ausgeschlossen werden könne dabei, dass das Erdbeben auf dem Festland einen Vulkanausbruch am Stromboli ausgelöst hat – in dessen Folge dann der Hang abrutschte und auch noch Flutwellen durchs Mittelmeer jagten.

Startseite

Mehr zu: Gefährlicher Feuerberg - Vulkan Stromboli könnte Mittelmeer-Tsunamis auslösen

0 Kommentare zu "Gefährlicher Feuerberg: Vulkan Stromboli könnte Mittelmeer-Tsunamis auslösen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.