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Gender-Studies Feministinnen erforschen sich selbst

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Der geistige Nährboden dieser Ideologie sind die Gender-Studies, vermutlich die einzige Disziplin der Geisteswissenschaften, die sich über ein ungebrochenes Stellenwachstum freuen kann. An deutschen Universitäten gibt es bislang 29 Gender-Studies-Institute. Das erste, das Interdisziplinäre Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung in Bielefeld wurde 1980 gegründet, die drei bislang neuesten 2005 in Trier, Marburg und Gießen. Die drei Berliner Universitäten, die in den Geschichtswissenschaften zu immer stärkerer Verzahnung gezwungen sind, beherbergen insgesamt vier dieser Einrichtungen.

Gender-„Forschung“ und -Lehre findet aber nicht nur in den eigens dafür eingerichteten Instituten statt. Sie ist an geisteswissenschaftlichen Lehrstühlen, vor allem solchen für Soziologie, Politikwissenschaft, Geschichte und Literaturwissenschaften, fest etabliert und expandiert weiter über alle Fachgrenzen hinweg. Während nach Angaben des Hochschulverbandes von 1995 bis 2005 in Deutschland 663 Professorenstellen in den Sprach- und Kulturwissenschaften eingespart wurden, zeigt sich beispielsweise das größte Bundesland Nordrhein-Westfalen für die Gender-Studies höchst großzügig. In den Jahren 1986 bis 1999 wurden dort an 21 Hochschulen 40 Professuren für das „Netzwerk Frauenforschung NRW“ neu geschaffen, darunter auch eine für „feministische Ökonomie“ in Münster.

Mitglieder des Netzwerkes fordern auf der Homepage „gender-in-gestufte-studiengaenge.de“ Maßnahmen „zur Integration von Lehrinhalten der Frauen- und Geschlechterforschung in die Curricula von (fast) allen in der Bundesrepublik Deutschland studierbaren Studienfächern“. Ganz im Sinne der Gender-Ideologie (und in ihrem Kauderwelsch) verlangt das Netzwerk zum Beispiel für die Anglistik eine „Kanonrevision“, also die „Neulektüre von Autorinnen, die im Rahmen einer heteronormativ und patriarchal geprägten Literatur- und Kulturgeschichte bisher vernachlässigt oder ignoriert wurden.“ Selbst die Studenten der Önologie (Weinbau) sollen „geschlechterspezifische Wertesysteme erkennen“ lernen. An vielen Universitäten sind solche Forderungen schon umgesetzt. Agrarwissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität beispielsweise können „Gender und Globalisierung“ als Wahlfach belegen. Das ist das Ergebnis „mehrjähriger Lobbyarbeit von Frauen aus Frauenbewegung und Frauenforschung“ und ihrer „fantasievollen und kämpferischen Aktionen“, wie das Netzwerk verkündet.

Die Akteure der Gender-Studies verwischen den Unterschied zwischen der politischen Forderung nach Gleichheit und den Inhalten der Wissenschaft. Frauenförderung und Frauenforschung an den Universitäten sind meist weder personell noch inhaltlich getrennt. Oft teilen sie sich eine gemeinsame Homepage, zum Beispiel in Marburg. Das ist das Erbe aus der feministisch bewegten Anfangszeit der Gender-Studies. „Die Frauenforschung entstand im Zuge der Frauenbewegung für Gleichberechtigung der Geschlechter. Am Anfang stand die politische Motivation im Vordergrund“, sagt Brigitta Wrede, Koordinatorin des Studiengangs Gender-Studies in Bielefeld.

Kritiker der Gender-Ideologie haben an den Universitäten keine Chance, so dass eine von der Gender-Theorie unabhängige Geschlechterforschung fast nicht existiert. „Es läuft alles über die Gender-Geldtöpfe. Wer sich nicht einklinkt, bleibt draußen“, sagt Susanne Kummer vom Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik in Wien. Wie streng die Sanktionen gegen Andersdenkende sind, erfuhr 2004 ein Professor an einer deutschen Universität, der in einem Essay Gender-Mainstreaming als totalitäre Steigerung der Frauenpolitik bezeichnet hatte. Der Wissenschaftsminister untersagte ihm unter Androhung disziplinarischer und strafrechtlicher Konsequenzen, Derartiges weiter zu publizieren. „Diskutieren wollte niemand, dagegen bekam ich anonyme Droh- und Schmähanrufe sowie soziale Distanzierungen und Ridikülisierungen“, sagt der Wissenschaftler, der anonym bleiben möchte.

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4 Kommentare zu "Gender-Studies: Feministinnen erforschen sich selbst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist erfreulich festzustellen, dass schon 2007 und früher aufmerksame Beobachter auf die Genderseuche hingewiesen haben.

    Nun wird ja gegen die Genderkritiker zum Halali geblasen:
    http://www.boell.de/downloads/SchriftenreiheGWI_Band9.pdf

    Jan Fleischhauer nimmt dagegen Stellung: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fleischhauer-kolumne-vorsicht-gender-gegner-a-910563.html (11.7.2013)

  • Erstaunlich, dass die totalitäre Vereinnahmung des Wissenschaftsbetriebes durch Gender Mainstreaming nur so wenige Kommentare zeitigt, wenn man bedenkt, wie gerade Liberale sonst immer fürchten, die Freiheit der Wirtschaft wäre in Gefahr. Es wäre ratsam zu bedenken, dass es nicht darum geht, die Inhalte sozialistisch-genderwissenschaftlicher Ausführungen durch Diskussion zu adeln. Es geht darum, dass Freiheit von Lehre und Forschung bewahrt werden, indem man einen ideologischen Auslegungskanon der feministischen Lesarten aus den Unis heraushält. Was als "Diversity" daherkommt, schafft eine Monokultur. Im Ergebnis der Versuch, mit den gleichen Rechtfertigungsstrategien zu arbeiten, wie es der wissenschaftliche Marxismus vorgeführt hat, führt in einer gender-logische Planwirtschaft, bei der Frauen- und Transgender-Beauftragte den ethischen und rationalen Rahmen diktieren. Die Ansätze sind in allen Bundestagsparteien mehr als deutlich in Fachgruppen ausformuliert, EU-Recht bricht nationales Recht und die Juristen werden dies durch Sonderrechte gegen das Grundgesetz legitimieren. Wer glaubt, er könne sich über eine Duldungsstarre daran vorbeimogeln, schadet seinem Unternehmen.

  • Erstaunlich, dass die totalitäre Vereinnahmung des Wissenschaftsbetriebes durch Gender Mainstreaming nur so wenige Kommentare zeitigt, wenn man bedenkt, wie gerade Liberale sonst immer fürchten, die Freiheit der Wirtschaft wäre in Gefahr. Es wäre ratsam zu bedenken, dass es nicht darum geht, die Inhalte sozialistisch-genderwissenschaftlicher Ausführungen durch Diskussion zu adeln. Es geht darum, dass Freiheit von Lehre und Forschung bewahrt werden, indem man einen ideologischen Auslegungskanon der feministischen Lesarten aus den Unis heraushält. Was als "Diversity" daherkommt, schafft eine Monokultur. Im Ergebnis der Versuch, mit den gleichen Rechtfertigungsstrategien zu arbeiten, wie es der wissenschaftliche Marxismus vorgeführt hat, führt in einer gender-logische Planwirtschaft, bei der Frauen- und Transgender-Beauftragte den ethischen und rationalen Rahmen diktieren. Die Ansätze sind in allen Bundestagsparteien mehr als deutlich in Fachgruppen ausformuliert, EU-Recht bricht nationales Recht und die Juristen werden dies durch Sonderrechte gegen das Grundgesetz legitimieren. Wer glaubt, er könne sich über eine Duldungsstarre daran vorbeimogeln, schadet seinem Unternehmen.

  • im Grunde ein interessanter Artikel, er macht jedoch einmal mehr einen häufig angetroffenen Kardinalfehler:
    intersexualität und Transsexualität sind keine sexuellen Orientierungen und stehen auch nicht der Heteronormativität, sondern Cisnormativität entgegen. Ausserdem begreiffen sich beide nicht als Queer, sondern sind medizinische Diagnosen.

    Auch Moneys Demontierung nur auf David Raimer zu beschränken wäre unsinn. Vor allem unter intersexuellen hat die behandlungsempfehlung, möglichst früh chirurgisch ein Geschlecht festzulegen zu viel Trauma bei betroffenen geführt. Selbst wenn die "Geschlechtsidentität" ein Treffer war, was sehr häufig nicht der Fall war.
    Und das Problem mit diesen frühkindlichen Operationen ist auch heute noch aktuell, da noch immer solche Operationen ausgeführt werden.