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Geschlechtsbestimmung im Ei Diese Technologien sollen das Kükenschreddern beenden

Ab 2022 wird das Töten männlicher Küken in Deutschland verboten. Das Geschlecht kann man schon im Ei bestimmen – doch das klappt noch nicht früh genug.
22.05.2021 - 10:40 Uhr Kommentieren
Das Kükentöten wird ab 2022 in Deutschland verboten. Quelle: dpa
Wenige Tage alte Küken

Das Kükentöten wird ab 2022 in Deutschland verboten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Eintagsküken – so werden männliche Küken aus Brütereien bezeichnet, die direkt nach dem Schlüpfen getötet werden. Die Industrie kann mit ihnen wenig anfangen: Sie legen keine Eier und setzen nicht schnell genug Fleisch an. Aus wirtschaftlicher Sicht lohnt es sich nicht, sie aufzuziehen. Deshalb werden sie schon an ihrem ersten Lebenstag getötet. In Deutschland sind das 45 Millionen Küken im Jahr.

Das soll bald ein Ende haben: Ab 2022 wird das Töten von männlichen Küken in Deutschland verboten, wie der Bundestag Ende der Woche beschloss. Damit die Brütereien die Regelung umsetzen können, müssen sie das Geschlecht der Tiere schon im Ei bestimmen. Technologien, die das ermöglichen, gibt es bereits.

So hat beispielsweise die Kölner Firma Seleggt ein entsprechendes Verfahren entwickelt. Das Unternehmen wurde 2017 von Rewe, dem niederländischen Tech-Unternehmen Hatchtech und Forschern der Universität Leipzig als Joint Venture gegründet. Geschäftsführer Ludger Breloh verweist darauf, dass in den Lieferketten der Eiererzeugung bislang das Geschlecht von mehr als vier Millionen Legehennen mithilfe des Seleggt-Verfahrens bestimmt worden sei – und zwar noch, als die Hennen selbst noch ein Brutei waren. Den männlichen Bruderküken sei die Tötung erspart geblieben, da diese bereits frühzeitig aussortiert und zu Futtermittel verarbeitet worden seien.

Bei Rewe, Edeka oder Penny werden bereits seit 2019 Eier vertrieben, die das „Respeggt“-Gütesiegel von Seleggt tragen. Das Versprechen an die Verbraucher lautet: Für die Produktion dieser Eier wurden keine männlichen Küken getötet.

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    Die Technologie dahinter basiert auf dem sogenannten endokrinologischen Verfahren: In einem befruchteten Ei entwickeln sich schon früh geschlechtsspezifische Merkmale, unter anderem das rein weibliche Hormon Östronsulfat. Ist das in einem Ei enthalten, ist klar: Das Küken wird eine Henne.

    Seleggt-Verfahren muss ab 2024 schneller greifen

    Das Hormon entsteht in einer Blase im Ei vier Tage nach der Befruchtung. Die Blase selbst ist zu dem Zeitpunkt noch so klein wie ein Stecknadelkopf. Neun Tage nach der Befruchtung erreicht sie ihre maximale Ausdehnung und befindet sich dann an einer bestimmten Stelle im Ei.

    Zu diesem Zeitpunkt kommt die Technologie von Seleggt zum Einsatz: Ein Laserstrahl brennt ein winziges Loch in die Eierschale, anschließend wird ein Tropfen der Flüssigkeit aus der Blase entnommen. Das Loch verschließt sich später wieder von selbst. Mithilfe eines Markers wird das Geschlecht des Kükens bestimmt.

    Brütereien, die das Seleggt-Verfahren einsetzen, sind somit für das Verbot des Kükentötens ab 2022 gerüstet. Es gibt aber eine Schwäche: Ein Embryo empfindet ab dem siebten Tag nach der Befruchtung im Ei Schmerzen. Deshalb sieht das Gesetz eine zweite Stufe vor: Ab 2024 muss das Geschlecht im Ei dann spätestens am sechsten Tag bestimmt werden.

    „Die Technologie, die wir bisher für das Verfahren entwickelt haben, ist vergleichbar mit einer erfolgten Mondlandung“, sagt Seleggt-Geschäftsführer Breloh dazu. „Doch was vor uns liegt – zu versuchen, das Geschlecht noch früher zu bestimmen, das ist eine Marsmission.“ Wouter Bruins, Mitgründer des niederländischen Start-ups In-Ovo, in das schon Evonik investiert hat, stimmt der Aussage zu. Das In-Ovo-Verfahren zur Geschlechtsbestimmung funktioniert ähnlich wie das von Seleggt.

    Hyperspektrale Messtechnik funktioniert nicht bei allen Hühnern

    Auch das Unternehmen Agri Advanced Technologies (Agri AT) aus Niedersachsen ist noch nicht schnell genug. Agri AT nutzt für die Geschlechtsbestimmung ein anderes Verfahren: die sogenannte hyperspektrale Messtechnik. Dabei wird das Ei durchleuchtet und anhand der Farbe des Flaums des Kükens lässt sich erkennen, ob es männlich oder weiblich wird.

    Allerdings funktioniert diese Technologie nur bei einer bestimmten Rasse von Hühnern, nämlich jenen, die braune Eier legen. Agri AT bestimmt das Geschlecht anhand der Farbe nach eigenen Angaben mit einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit. Bei weißen Rassen geht das nicht. Zudem ist der Flaum erst ab dem 13. Tag nach der Befruchtung weit genug ausgebildet, um Unterschiede zu erkennen.

    Parallel arbeitet das niedersächsische Unternehmen gemeinsam mit der TU Dresden am sogenannten raman-spektroskopischen Verfahren. Damit soll sich das Geschlecht im Ei schon vor dem siebten Tag nach der Befruchtung bestimmen lassen. Dafür lasern die Forscher ein etwas größeres Loch ins Ei, schicken einen Lichtstrahl ins Innere und bestimmen auf diese Weise das Geschlecht.

    Doch bis das Verfahren marktreif ist, dürfte es noch dauern. Ein Problem dabei ist, das Loch später wieder zu verschließen. Zudem könnte es schwierig werden, das Verfahren schnell genug hochzuskalieren und zu automatisieren.

    Andere Technologien zur frühen Geschlechtsbestimmung im Ei sind ebenfalls noch nicht marktreif, so wie etwa der Ansatz von Wissenschaftlern der TU München, die das Geschlecht eines Kükens mithilfe eines MRT-Scans bestimmen. Das Verfahren funktioniert grundsätzlich, einen Prototyp in einer Brüterei gibt es bisher aber nicht.

    Und eine Methode, die Unternehmen in Israel und Australien erforschen, wird in Deutschland vermutlich nie angewandt werden: Mit der sogenannten Genschere Crispr verpassen die Forscher Hennen ein markierendes Gen, das nur auf die männlichen Eier übertragen wird. Unter UV-Licht fangen diese dann an zu leuchten.

    Mehr: Hoffnung auf Heilung: Crispr/Cas könnte die Medizin revolutionieren.

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