Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gewebe ersetzt Stahlgeflecht – Bauteile werden leichter und filigraner Erste Brücke aus Textilbeton

Seite 2 von 2:

Konventionelle Fassadenplatten sind über acht Zentimeter dick, mit Textilfasern reichen zwei Zentimeter. „Das spart Platz, den man zum Beispiel für eine bessere Wärmedämmung nutzen kann“, sagt Reiner Grebe, Leiter des technischen Büros beim Unternehmen Hering-Bau. Eine Fassadenplatte aus Textilbeton ist nach Curbachs Einschätzung nicht teurer als ihr Pendant mit Stahleinlage. Außerdem lassen sich die leichteren Bauteile billiger transportieren und häufig ohne Kran montieren. Außerdem man kann diese Fassaden auch an Altgebäuden anbringen. „Bei schwereren Platten wäre dazu viel Aufwand nötig“, sagt Grebe. Hering baut zurzeit eine neue Fertigungsanlage für Textilbeton-Fassaden auf, im August soll die Produktion anlaufen.

Dünne Betonschichten kann sich Massivbau-Professor Curbach auch im Innern von alten Häusern gut vorstellen: 1,5 Zentimeter dicker Textilbeton reiche, um die Tragkraft einer Wand deutlich zu erhöhen. „Da sehe ich eine große Zukunft“, sagt Curbach. Diese Einschätzung teilt Friedhelm Stangenberg, Professor für Stahlbetonbau an der Ruhr-Universität Bochum: „Für Instandsetzungen ist Textilbeton sicher gut geeignet. Man kann eine Art Stützstrumpf bauen und den dann mit Beton ausfüllen.“

An Ideen für den Textilbeton mangelt es den Entwicklern nicht. Kleinkläranlagen aus dem neuen Werkstoff gibt es bereits. Die Technische Hochschule in Aachen könnte sich gar Möbel aus Textilbeton vorstellen. Die von geringen Gewinnmargen gebeutelten Bauunternehmen beißen bislang allerdings nur zögerlich an. Branchenführer wie Hochtief in Essen beobachten die Entwicklung abwartend.

Das bekommen zum Beispiel vier Absolventen der Aachener Hochschule zu spüren: Sie versuchen seit drei Jahren vergeblich, ihr Schalungssystem „Bivako“ an den Mann zu bringen. Die Idee: Statt Betonträger in Holz- oder Metallwannen zu gießen, könnte man die Form gleich aus Textilbeton herstellen – so würden die Schalplatten einfach zu einem Teil des Betonträgers. „Alle Firmen, die wir ansprechen, sagen: Das ist eine gute Idee“, berichtet Jens Heckenbach, einer der vier Ingenieure. „Aber keiner will in das Projekt investieren.“

Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen