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Großer Erfolg für europäische Raumfahrt Huygens schickt Bilder von Titan-Oberfläche

„Der Morgen war schon gut, aber der Nachmittag war noch besser. Wir waren erfolgreich“, erklärt ESA-Direktor Jean-Jacques Dordain gegen 17.20 Uhr am Freitag im ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt. Die europäische Raumsonde Huygens hat insgesamt fast vier Stunden lang Daten gesendet und war selbst nach der Landung auf der Oberfläche des Saturn-Mondes Titan noch über eine Stunden aktiv – wesentlich länger als die Wissenschaftler erwartet hatten.
Das erste Huygens-Bild von der Oberfläche des Saturn-Mondes Titan. Foto: ESA

Das erste Huygens-Bild von der Oberfläche des Saturn-Mondes Titan. Foto: ESA

rje/leo/ha DARMSTADT. Die europäische Raumsonde „Huygens“ durchdrang die undurchsichtige Atmosphäre des Saturn-Trabanten und sammelte wissenschaftliche Daten. Bereits um 21 Uhr konnte die ESA erste spektakuläre Bilder von der Oberfläche des größten Saturn-Mondes zeigen. „Wir sind damit die ersten Besucher auf dem Titan“, sagte der Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur, Jean-Jacques Dordain, am Freitag in Darmstadt. Die Informationen liefen in der Kontrollstation ESOC in Darmstadt auf.

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Der Empfang der rund 500 Megabyte Rohdaten auf der Erde bedeutet zunächst, dass sich die harte Arbeit der Techniker und Wissenschaftler gelohnt hat, erklärt ESA-Wissenschaftler David Southwood. Das sei aber erst der Anfang für die Wissenschaftler-Teams, die die Daten auswerten.

„Wir sind Zeugen eines einmaligen Projektes in der Raumfahrt“, sagte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn, die zurzeit dem ESA-Rat vorsitzt. Die Mission zeige, wie gut Europa kooperieren und auch mit amerikanischen Partnern zusammenarbeiten könne. Die Ergebnisse werde die Wissenschaft noch etliche Jahre beschäftigen. „Sie sind ein wichtiger Schritt für die Enträtselung unseres Sonnensystems.“ Da der Titan dem Zustand der Erde in ihrer Anfangszeit vor knapp vier Milliarden Jahren ähnele, sei die Mission auch eine Zeitreise in die Vergangenheit des blauen Planeten, sagte Bulmahn.

Ausdrücklich hoben sowohl Dordain als auch Bulmahn die Zusammenarbeit der 19 beteiligten Länder – und insbesondere auch mit der Nasa - hervor. Dordain: „Die Nasa hat Huygens mit Cassini in eine perfekte Bahn gebracht.“ Die europäische Sonde Huygens wurde zu Weihnachten von dem rund 6,70 Meter hohem und vier Meter breitem amerikanische Mutterschiff Cassini abgekoppelt und so auf seine Reise zum Titan gebracht. Das Sondenpaar brachte beim Start zusammen 5,6 Tonnen auf die Waage.

Jean-Jaques Dordain, Jean-Pierre Lebreton und Claudio Sollazzo von der ESA verkünden stolz die erfolgreiche Landung auf dem Titan. Foto: Handelsblatt.com

Jean-Jaques Dordain, Jean-Pierre Lebreton und Claudio Sollazzo von der ESA verkünden stolz die erfolgreiche Landung auf dem Titan. Foto: Handelsblatt.com

20 Tage nach ihrer Abtrennung von der Muttersonde Cassini am 25. Dezember hat Huygens nach einem Alleinflug über vier Millionen Kilometer die äußere Atmosphäre des Titan erreicht. Am Freitag 11.13 Uhr MEZ begann die europäische Raumsonde dann in etwa 1270 Kilometer Höhe über Titan ihren Abstieg durch dessen dunstige Wolkendecke. In den folgenden drei Minuten mußte die Sonde zunächst von 18 000 auf 1400 km/h abbremsen.

Mit Hilfe einer Reihe von Fallschirmen wurde ihre Geschwindigkeit dann auf unter 300 km/h verringert. In rund 160 km Entfernung von der Oberfläche wurden die wissenschaftlichen Instrumente der Sonde ausgefahren und der Atmosphäre des Titan ausgesetzt. In 120 km Höhe wurde der Hauptfallschirm abgeworfen und durch einen kleineren ersetzt, um den Abstieg fortzusetzen. Die ersten Daten weisen darauf hin, daß die Sonde letztlich heil auf dem Titan gelandet ist, dabei mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf einer festen Oberfläche.

Der Erfolg dieser Mission war nicht nur auf europäischer Seite erkennbar. Sichtlich gerührt freute sich auch Nasa-Manager Alphonso V. Diaz über die gute und freundschaftliche Zusammenarbeit. „Der Abstieg durch die Titanatmosphäre war eine einmalige Gelegenheit, und der Erfolg zeigt, daß unsere Partnerschaft mit der ESA ein exzellenter Entschluß war“, erklärte er.

ESA-Wissenschaftler Jean-Pierre Lebreton sagte unter dem Beifall der anwesenden Wissenschaftler und Gäste, dass alle sechs Versuche durchgeführt worden seien. Man warte nun auf die Auswertung der Daten. Allerdings gab es auch technische Probleme: Auf einem der beiden Übertragungskanälen konnten bislang keine Daten empfangen werden. Dies sollte maßgeblich nur eines der sechs Experimente betreffen.

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