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Hirnforschung IQ schwankt in den Jugendjahren

Der IQ taugt nicht zur Prognose schulischen Erfolgs, offenbart eine Studie an Jugendlichen. Die Veränderung in der Intelligenz konnten Forscher direkt im Hirn dingfest machen.
20.10.2011 - 09:43 Uhr Kommentieren
Bei Jugendlichen stellt der IQ keinen stabilen Wert dar und taugt daher auch nur in geringem Maß zur Vorhersage von schulischem Erfolg. Quelle: dpa

Bei Jugendlichen stellt der IQ keinen stabilen Wert dar und taugt daher auch nur in geringem Maß zur Vorhersage von schulischem Erfolg.

(Foto: dpa)

Heidelberg Bei Heranwachsenden sollte man Intelligenztests im Abstand mehrerer Jahre wiederholen - zumindest aber nicht ein einmaliges Ergebnis für alle Zeit als gegeben hinnehmen. Das ist das Resultat einer Längsschnittstudie an 33 Jugendlichen, deren IQ sich zwischen den Jahren 2004 und 2008 mitunter erheblich veränderte.

Die Forscher um Cathy Price bestätigen damit Vermutungen von Fachkollegen, dass der IQ keinen stabilen Wert darstellt und daher auch nur in geringem Maß etwa zur Vorhersage von schulischem Erfolg taugt.

Die Wissenschaftler vom Wellcome Trust Centre for Neuroimaging in London entdeckten darüber hinaus, dass bei den Jugendlichen – analog zu den IQ-Schwankungen – bestimmte Hirnregionen wuchsen oder schrumpften. Betroffen waren zwei Areale: Wer sich in seinen sprachlichen Fähigkeiten verbesserte, wies in der Regel eine Volumen- und Dichtevergrößerung in einem Areal des linken Schläfenlappens auf, das während der Artikulation von Sprache aktiv wird. Ein geringerer verbaler IQ äußerte sich an derselben Stelle durch eine Dichteabnahme.

Bei anderen Probanden hingegen änderten sich eher die Resultate bei nichtsprachlichen Leistungen. Dies schlug sich in der Dichte der Nervenzellen in einer Hirnregion nieder, die in die Steuerung der Hand involviert ist und an der Vorderseite des Kleinhirns sitzt. Wie die Wissenschaftler schreiben, konnten sich die Werte für verbale und nonverbale Fähigkeiten unabhängig voneinander entwickeln.

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    Die Freiwilligen aus Prices Studie waren beim ersten Testdurchlauf zwischen 12 und 16 Jahre alt und beim zweiten zwischen 15 und 20. Bei beiden Gelegenheiten wurde ihr Gehirn mit Hilfe der Kernspintomografie vermessen. Zum Zeitpunkt 1 wendeten die Forscher ein für Kinder zugeschnittenes Auswertungsverfahren des IQ-Tests an, zum Zeitpunkt 2 das für Erwachsene.

    Wie die wachsenden oder schrumpfenden Hirnregionen belegen würden, seien die Veränderungen beim IQ aller Wahrscheinlichkeit nach nicht das Ergebnis von systematischen Fehlern oder anderen Unzulänglichkeiten des IQ-Testverfahrens, schlussfolgern die Forscher. Price hatte ähnliche Dichteveränderungen in der „grauen Substanz“, also den mit Zellkörpern von Neuronen vollgepackten Hirnrinden, bereits bei ehemaligen Analphabeten beobachtet, die erst im Erwachsenenalter lesen lernten.

    Hier wie dort dürfte man es mit Trainingseffekten zu tun haben, schreiben die Wissenschaftler. Die Jugendlichen, die in späteren Tests bei sprachlichem oder nichtsprachlichem IQ aufholten, hätten vermutlich intensiv an diesen Fähigkeiten gearbeitet. Es sei ähnlich wie bei der körperlichen Fitness: „Ein Teenager, der mit 14 sportlich fit ist, kann auch mit 18 unfit sein, wenn er mit dem Training aufhört, und umgekehrt“, so Cathy Price.

    • Jan Dönges
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