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Hologramm-Politik in den USA Mit John F. Kennedy auf Wahlkampftour

Die Macher der holografischen Wahlkampfauftritte von Indiens Ministerpräsident Modi wollen ihre Technik auch im US-Wahlkampf einsetzen. Doch die Herausforderungen zwischen New York und Miami sind andere als in Indien.
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US-Präsident John F. Kennedy bei seiner Rede am 26.06.1963 vor dem Rathaus Schöneberg in Berlin. Quelle: dpa
Kehrt JFK als Hologramm zurück?

US-Präsident John F. Kennedy bei seiner Rede am 26.06.1963 vor dem Rathaus Schöneberg in Berlin.

(Foto: dpa)

San FranciscoEigentlich spricht Barack Obama nur selten vor republikanischen Wahlkampfmanagern. Aber in Beverly Hills macht er eine Ausnahme. Hier, im Demo-Studio von „Hologram USA“, erwacht der Präsident der USA auf Knopfdruck zu virtuellem Leben.

„Wir haben dieses Hologramm erstellt um zu zeigen, was möglich ist“ sagt Kommunikationschef Owen Philips im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Hologram USA“ hält die nordamerikanischen Rechte an der Technik, die in Indien erfolgreich im Wahlkampf eingesetzt wurde.

„Teams von allen Parteien waren bei uns und sind sehr interessiert“, so Philips. „Es gibt zwar noch keinen Abschluss“, räumt er ein, aber er ist sicher, es sei „nur noch eine Frage der Zeit“, bis virtuelle Politiker als Hologramme an mehreren Orten gleichzeitig ihre Reden halten.  Schließlich habe ja gerade erst mal der Vorwahlkampf begonnen.

Die Herausforderungen zwischen New York und Miami sind allerdings andere als in Indien, wo es darum ging, mit mobilen Einheiten in die entlegensten Orte zu fahren. Die Menschen dort hatten ihren Kandidaten oft noch nie reden hören, geschweige denn gesehen, bevor er dann als lebensgroßes Hologramm zu ihnen sprach.

In den USA kämpft der Kandidat aus dem 3-D-Projektor dagegen mit TV und Internet. Facebook, Youtube, Google Hangout oder Skype sind preisgünstige Alternativen um mit vielen Menschen zu kommunizieren. Wer will, kann sich jederzeit ein Bild von seinen Politikern machen.

Um Erfolg zu haben muss der Hologramm-Präsident deshalb ein Event werden, ein Lifestyle-Produkt mit Coolness-Faktor, sind Wahlkampfexperten sicher. Philips stimmt dem zu und deshalb entstehen in bedeutenden Städten wie Los Angeles, New York oder Chicago gerade schlüsselfertige Hologramm-Anlagen in großen Kinos. „Es wird für Wahlkampf-Teams dann sehr einfach sein, spontane Hologramm-Veranstaltungen zu organisieren.“

Das wird auch die Kosten senken, die in Indien aufgrund der ganzen Logistik noch bei Millionen von Dollar pro Monat gelegen haben. „Wir reden hier von ganz anderen Summen“, so Philips, und „verglichen mit TV-Werbung“ sei Holo-Technik schon fast ein Schnäppchen.

Auftritte mit eingebautem Gruselfaktor

Eindrucksvolle Aktion: Demonstration per Hologramm

Der Mann der Tat ist dabei Jeff Taylor: Der ehemalige republikanische Wahlkampfmanager unter George W. Bush leitet seit Mitte 2014 das Büro der Hologramm-Firma in Washington.

Seine Aufgabe ist es, Begeisterung zu verkaufen.  Der Unterhaltungsfaktor der Hologramme spielt eine zunehmende Rolle. Das geht dann weit über Simultanauftritte an verschiedenen Orten gleichzeitig hinaus.  So wie das aufgezeichnete Obama-Double in Beverly Hills seinen eigenen Auftritt hat, sind viele Arten von Inszenierungen möglich.

Ein virtueller John F. Kennedy feuert dann beispielsweise mit einer Eröffnungsrede einen demokratischen Kongress an, während drüben bei den Republikanern Parteilegende Ronald Reagan wiederaufersteht. „Technisch alles machbar“, so Philips. Auftritte mit eingebautem Gruselfaktor. Mit ein paar Meter Abstand kommen die Hologramm-Redner verblüffend echt und lebendig rüber.

Derzeit verdient „Hologram USA“ sein Geld mit Hollywood und der Musikindustrie. Wiederauferstandene Stars wie Liberace gehen auf Tour und singen alte Lieder. Aber es könnten dank digitaler Stimmenimitation auch neue sein, merkt Philips an. Also könnten man auch John F. Kennedy und Ronald Reagan neue Reden in den Mund legen.

Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, und wie man mit Hologrammen Politik macht, hat nicht nur Indien bewiesen. Im September hat die Firma aus Kalifornien dem per Haftbefehl gesuchten Julian Assange die Einreise in die USA ermöglicht. Der virtuelle Doppelgänger des Wikileaks-Gründers stand in Nantucket Teilnehmern eines Kongresses Rede und Antwort. Und so echt er da auch aussah, wie er auf seinem Stuhl auf dem Podium hin und her rutschte: Handschellen konnte man ihm nicht anlegen.

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