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Innovation Deutschland fällt bei Patenten für Zukunftstechnologien zurück – China und Südkorea preschen vor

Chinesische und südkoreanische Firmen melden in wichtigen Technologiefeldern immer mehr Erfindungen an. Deutsche Unternehmen drohen an Boden zu verlieren.
29.03.2021 - 19:59 Uhr 4 Kommentare
Deutsche Unternehmen gehören in wichtigen Technologiefeldern nicht mehr zu den größten Innovationstreibern, wie eine Auswertung des Deutschen Patent- und Markenamtes zeigt. Quelle: dpa
Forschung und Innovation

Deutsche Unternehmen gehören in wichtigen Technologiefeldern nicht mehr zu den größten Innovationstreibern, wie eine Auswertung des Deutschen Patent- und Markenamtes zeigt.

(Foto: dpa)

München Firmen aus China und Südkorea machen in Sachen Innovationskraft derzeit in vielen Zukunftstechnologien einen Sprung nach vorn. Das hat das Deutsche Patentamt mit Sitz in München beobachtet.

Die Innovationstätigkeit im Bereich der Digitalisierung habe zwar auch unter deutschen Firmen zugenommen, sagte DPMA-Präsidentin Cornelia Rudloff-Schäffer, Präsidentin des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA). „Allerdings ist in China und Südkorea die Dynamik wesentlich größer.“

Das Amt hatte die veröffentlichten Patentanmeldungen mit Wirkung für Deutschland in digitalen Schlüsseltechnologien beim DPMA und beim Europäischen Patentamt (EPA) eingehender analysiert. In den meisten digitalen Technologiefeldern liegen die USA bei den neuen Patenten 2020 zwar noch vorn, asiatische Firmen holen aber stark auf.

Deutsche Unternehmen spielen teilweise nur eine untergeordnete Rolle. „Eine deutsche Aufholjagd in den Digitaltechnologien ist noch nicht erkennbar“, sagte Cornelia Rudloff-Schäffer.

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    Ein typischer Fall ist die digitale Kommunikationstechnik mit der wichtigen 5G-Technologie. Das DPMA verzeichnete hier in der Auswertung 14.874 veröffentlichte Patentanmeldungen. Führend sind hier die USA mit 4193 Anmeldungen. China steigerte die Zahl der veröffentlichten Patentanmeldungen aber um 29 Prozent auf 4043 Erfindungen und liegt nur noch knapp dahinter. Das war der mit Abstand größte Zuwachs in diesem Bereich. Deutschland liegt lediglich auf Rang sechs mit sogar leicht rückläufigen Anmeldungen.

    Asien holt in Sachen Computertechnik und Halbleiter auf

    Im Anmelderranking in der digitalen Kommunikationstechnik liegt zudem mit Huawei ein chinesisches Unternehmen vorn. Auf Platz zwei folgt das US-Unternehmen Qualcomm vor Ericsson aus Schweden. In Europa gibt es derzeit eine intensive Diskussion über die starke Position von Huawei bei der 5G-Technologie.

    Zweitwichtigstes digitales Zukunftsfeld ist mit 14.589 Anmeldungen die Computertechnik. Hierzu gehören zum Beispiel Erfindungen zur Bild- und Spracherkennung sowie Künstliche Intelligenz. Auf diesem Feld liegen Firmen aus den USA (5674) deutlich vor Deutschland (1592) und Japan (1573). Südkoreanische Unternehmen erzielten mit einem Plus von 25 Prozent auf 1059 Anmeldungen den größten Sprung und landeten auf Platz vier.

    Topanmelder ist hier Samsung vor Intel und Microsoft. Bei der audiovisuellen Technik führen ebenfalls US-Firmen vor japanischen und chinesischen.

    Besonders im Fokus steht derzeit die Halbleiterbranche. „Die Mikroelektronik ist der Schlüssel für die Weiterentwicklung der industriellen Welt von morgen“, sagte Ex-Siemens-CEO und NXP-Aufsichtsrat Joe Kaeser kürzlich dem Handelsblatt. Die Chips seien ein wichtigerer Schlüssel für die Zukunft als Software und Cloud.

    Das DPMA verzeichnete in seiner Auswertung auf dem Gebiet der Halbleiter 4936 veröffentlichte Patentanmeldungen, dazu zählen auch Solaranlagen und LEDs. Hier führen die USA vor Japan und Deutschland. Topanmelder ist Taiwan Semiconductor Manufacturing vor Intel und Samsung.

    Pandemie-Management könnte China und Südkorea zu mehr Auftrieb verhelfen

    Das kleinste der untersuchten digitalen Zukunftsfelder ist die Datenverarbeitung für betriebswirtschaftliche Zwecke mit 2674 Anmeldungen. Hier liegt mit Siemens immerhin ein deutsches Unternehmen auf dem zweiten Platz hinter Alibaba.

    Siemens zählt seit Jahren zu den eifrigsten Patentanmeldern in Deutschland und Europa. Bei seiner Antrittsrede im Februar 2021 kündigte der neue CEO Roland Busch an, die Innovationskraft weiter stärken zu wollen. „Wir werden Technologie wieder viel mehr in den Fokus rücken“, sagte er dem Handelsblatt.

    Siemens und die anderen europäischen Unternehmen müssen sich aber anstrengen. Denn der Trend mit mehr Anmeldungen aus Asien könnte sich nach Einschätzung des DPMA fortsetzen. Die Patente werden in der Regel etwa 18 Monate nach ihrer Anmeldung veröffentlicht. In der Auswertung wurden also Erfindungen berücksichtigt, die noch vor Corona eingereicht wurden.

    „China und Südkorea sind bislang vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen“, sagte die DPMA-Präsidentin. Es spreche einiges dafür, dass die Länder ihre Position gerade bei den digitalen Zukunftstechnologien weiter stärken konnten.

    Darauf deutete auch die jüngste Veröffentlichung der Anmeldezahlen der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) hin. China und Südkorea verzeichneten 2020 auch hier die größten Zuwächse, Huawei und Samsung waren die eifrigsten Anmelder.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Anfang März gemeinsam mit den Ministerpräsidentinnen von Dänemark, Estland und Finnland im Handelsblatt dazu aufgerufen, die digitale Souveränität in Europa zu stärken, um weiter in der globalisierten Wirtschaft erfolgreich zu sein.

    In der vergangenen Woche gaben auch die führenden Köpfe der Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) ihre Stellungnahme zum Thema ab. „Digitale Souveränität bedeutet, dass wir in der Lage sind, unser Schicksal im digitalen Zeitalter selbst zu managen, dass wir also offen, international vernetzt, aber selbstbestimmt und unabhängig sind“, sagte Acatech-Präsident Karl-Heinz Streibich dem Handelsblatt. „Nur so bleiben wir ein innovatives Land und halten unseren Lebensstandard.“

    Mehr: Medikamente und Biotech treiben Patentanmeldungen im Coronajahr.

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    4 Kommentare zu "Innovation: Deutschland fällt bei Patenten für Zukunftstechnologien zurück – China und Südkorea preschen vor"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das deutsche Schulsystem mit unverhältnismäßig hoher Gewichtung auf mündliche Noten ist nicht dafür ausgelegt, Techniker und Ingenieure mit Problemlösungskompetenzen auszubilden, sondern Versicherungsvertreter oder Politiker, die rhetorisch sich auszeichnen. Auf Gymnasien wimmelt es von privilegierten, nicht besonders hellen Kids aus reichem Elternhaus, die in geisteswissenschaftlichen Fächern viel Dünnfiff babbeln und gute Noten einstreichen, aber unfähig sind Gleichungssysteme zu lösen und überall auf der Welt durch Matheprüfungen, die zwei Jahrgänge unter ihnen liegen, durchgefallen wären. Als Mathe-/Physiklehrer werden Minderleister eingestellt, die 12 Jahre studiert haben, während man sich wundert bei so einem desolaten Fundament, warum im Ingenieurstudium so viele abgehängt werden und aufgeben.

    • Herr Zuckschwerdt, Sie haben vollkommen recht mit Ihren Ausführungen.

      In der Grundlagenforschung sind wir ja noch verhältnismäßig gut, aber die politische Elite kann nicht für entsprechende Rahmenbedingungen sorgen, damit Start-ups zu Technologieunternehmen werden können.
      Es ist doch ein Armutszeugnis, wenn Unternehmen wie Lillium oder Holocopter in USA an die Börse gehen müssen, weil hier offensichtlich dies nicht möglich ist.
      Wir sind Weltmeister in der Finanzierung von überbordenden Sozialsystemen für Menschen aus aller Herren Länder, aber können dies nicht für Zukunftsunternehmen. Selbst die Kosten für Entwicklungs- und Forschungsaufwendungen können die Firmen nicht sofort von der Steuer absetzen, weil unser Staat einfach keinen Weitblick hat.
      Und so zieht es sich durch alle Themen betreffend Zukunft.

      Ich habe den Eindruck, der größte Fachkräftemangel ist in der Politik zu beklagen.

    • Wir nehmen dafür aber bei Gender-Studies einen der führenden Plätze ein.

    • Vermutlich ist das auch der Preis dafür, dass wir seit den 70er/80er Jahren an den Schulen immer mehr das Niveau gesenkt haben. Ich halte nichts davon, Kinder über 10 Stunden am Tag lernen zu lassen, wie es in Asien teilweise der Fall ist. Aber ein Gehirn, das nicht viel weiß, hat auch nichts, womit es phantasievoll neue Techniken entwickeln kann. Wer schon als Kind/Jugendlicher spezialisiert wird und die Allgemeinbildung vernachlässigt, hat als Erwachsener gar keine Chance out-of-the-box zu denken. Wer einen A. Einstein, W. Heisenberg, M. Curie, E. Nöther, R. Bosch, W.v.Siemens des 21. Jh haben möchte, sollte sich mal anschauen, was diese Menschen außer ihrem Fachgebiet noch alles beherrschten.
      Wenn Deutschland wieder spitze sein will, müssen die Schulen wieder spitze sein. Wer Profi-Fußballer werden will, muss seine Muskeln durch viele harte Trainingsstunden quälen und ständig an seine Grenzen gehen. Wer Spitzen-Forscher werden möchte muss dasselbe mit seinem Gehirn machen. Und so wie ein Motorroller für eine Profi-Fußballer ein schlechteres Trainingsmittel als ein Fahrrad ist, sind Google und Excel schlechter als ein Buch und selber rechnen/schreiben für angehende MINT-ler.

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