Innovation Erstes autonom fahrendes Segelboot überquert Nordatlantik

Selbstfahrend bewältigte das Segelboot die Strecke von Kanada nach Irland. Die Technologie könnte Kosten für Forschung und Grenzschutz enorm senken.
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Mehr als 20 Teams sind seit 2010 gescheitert, ein unbemanntes Boot übers Meer zu schicken. Die SB Met hat es geschafft. Quelle: AP
Unbemanntes Segelboot

Mehr als 20 Teams sind seit 2010 gescheitert, ein unbemanntes Boot übers Meer zu schicken. Die SB Met hat es geschafft.

(Foto: AP)

SouthhamptonZweieinhalb Monate brauchte das kleine Boot, um von Neufundland aus über den aufgewühlten Ozean bis zur irischen Küste zu driften. Mit seiner Ankunft in Europa schrieb die „SB Met“ am 26. August Geschichte: Sie ist das erste unbemannte Segelboot, das je den Atlantik überquert hat. Boote wie die „SB Met“, aber auch Roboterfähren und autonom fahrende Frachter könnten bereits in wenigen Jahren unterwegs sein – und damit alle Versuche überflügeln, selbstfahrende Autos auf den Markt zu bringen.

Die norwegische Firma Offshore Sensing hat die „Met“ im Sommer beim Microtransat-Wettbewerb für Roboterboote ins Rennen geschickt. Der Erfolg des kleinen Seglers zeigt, wie weit die Technologie für unbemannte Schiffe schon gediehen ist. Sie könnte die Kosten für Ozeanforschung, Grenzschutz und Überwachung in schwerer See und entlegenen Gewässern drastisch senken.

„Wir haben gezeigt, dass es möglich ist“, sagt David Peddie, Geschäftsführer von Offshore Sensing, das die Ozeandronen, auch Segelbojen genannt, entwickelt hat. „Der Nordatlantik ist eines der schwierigsten Gebiete für eine Überquerung.“ Dass die „Met“ den Wettbewerb geschafft habe, beweise, dass sie „für lange Strecken auf See unter jeglichen Bedingungen“ geeignet sei, sagt Peddie.

Nach den Regeln des Microtransat-Wettbewerbs dürfen Boote mit einer Länge bis zu 2,4 Metern teilnehmen und müssen die Strecke zwischen Europa und der Karibik oder zwischen Nordamerika und Irland zurücklegen. Dabei müssen sie regelmäßig Ortungsdaten übermitteln. Die Segelboje „Met“ startete in der „unbemannten“ Klasse, bei der das Steuerungsteam den Kurs unterwegs ändern darf. Daneben gibt es eine „autonome“ Klasse, bei der eine solche Kommunikation verboten ist.

Während selbstfahrende Autos auf Fußgänger und den übrigen Verkehr achten müssen, sind autonom fahrende Boote Stürmen und hohen Wellen sowie zahlreichen anderen Gefahren auf See ausgesetzt. Seit dem Beginn des Microtransat-Wettbewerbs im Jahr 2010 sind mehr als 20 Teams daran gescheitert, wie es auf der Webseite der Veranstalter heißt.

Boote verfingen sich in Fischernetzen, wurden von Schiffen geborgen oder gingen verloren. Auch Peddie sagt, seine größte Angst sei es gewesen, dass ein vorbeifahrendes Schiff die zwei Meter lange und 60 Kilogramm schwere Segelboje kurz vor dem Ziel einsammeln könnte. Nur wenige andere Unternehmen besetzen derzeit die Nische der selbstfahrenden Boote.

Das US-Startup Saildrone etwa baut an einer Flotte von sieben Meter langen „unbemannten Überwasserfahrzeugen“, die bis zu zwölf Monate lang Daten auf dem Ozean sammeln können. Liquid Robotics von Boeing baut die Forschungsplattform Wave Glider, die statt Wind für den Antrieb die Kraft der Wellen nutzt. Auch größere unbemannte Schiffe sollen gebaut werden, die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO prüft derzeit die Auswirkungen auf Sicherheit und Umwelt.

Bislang hat Offshore Sensing insgesamt 14 Segelbojen gebaut, deren Deck in Form eines Surfbretts mit Solarzellen bedeckt ist, die die Technik an Bord mit Energie versorgen. Das trapezförmige Segel am Bug treibt das Boot an. In den Videos der Hersteller sieht die Segelboje aus wie ein Spielzeug, das auf dem Wasser von Wellen und vorbeifahrenden Schiffen hin- und hergeworfen wird.

Peddie spricht von den Vorteilen der Robotersegler: Anders als treibende Bojen könnten sie an einer Position verharren, außerdem seien sie wendiger und billiger als Forschungsboote und könnten auch gefährliche Gebiete wie den Weg eines Hurrikans durchqueren.

Die Segelbojen können laut den Herstellern mit Sensoren ausgestattet werden, die Wellen, Salz- und Sauerstoffgehalt des Meeres messen, mit einem Echolot, um nach Fischeiern oder Larven zu suchen, oder mit Sendern, die mit Unterseegeräten kommunizieren. Jede Boje kostet rund 150.000 Euro, ähnlich viel wie die Miete für ein herkömmliches Forschungsschiff für einige Tage.

Auch bei der jährlichen World Robot Sailing Championship im südenglischen Southampton treten verschiedene Segelroboter-Technologien in den Wettstreit. Teams von britischen, französischen, finnischen und chinesischen Universitäten nahmen Ende August daran teil. Bei dem Test müssen die Roboterboote zum Beispiel Kollisionen vermeiden und ein größtmögliches Gebiet scannen.

Das Rennen auf einer dreieckig angelegten Strecke dominierte das Team von der Ingenieurhochschule ENSTA in der Bretagne, das mit einem schnittigen, eckigen Carbonfaserboot in leuchtendem Grün antrat. Servowinden steuerten die zwei transparenten Plastiksegel und das Ruder, während Sensoren für Wind, GPS und Kompass Daten an den Computer an Bord lieferten. Einem von zwei chinesischen Teams dagegen gelang es nicht, sein Boot in der starken Strömung auf Kurs zu halten.

„Andere Boote sind dünn und lang, unseres ist zu breit und dick“, erklärt Hou Chunxiao vom Team der Jiaotong-Universität in Shanghai. Teilnehmer sagen, kleine und leichte Elektronik, bessere Solarzellen, 3D-Druck und andere technische Fortschritte erleichterten den Bau eines selbstsegelnden Bootes. „Wir sprechen mehr über selbstfahrende Autos und Drohnen, aber autonome Segelboote sind auch eine große Sache“, sagt Ulysse Vautier vom Team der Universität in Plymouth.

„Im Meer gibt es so viel zu entdecken.“ Bei den heutigen Umweltproblemen seien selbstfahrende Segler eine energieeffiziente Möglichkeit zu forschen, sagt Vautier und fügt hinzu: Zum Beispiel könnten Segeldrohnen ausschwärmen und den Meeresboden nach der vermissten Malaysia-Airlines-Maschine des Flugs MH370 absuchen.

  • ap
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